In der südkoreanischen Hauptstadt Seoul warten Menschen in "smarten" Wartehäuschen auf den Bus. Hightechsysteme erkennen Fahrgäste mit erhöhter Körpertemperatur. | Bildquelle: dpa

Hightech-Haltestellen in Seoul Bus-Stopps mit Corona-Schutz

Stand: 19.08.2020 14:39 Uhr

In Südkorea steigt die Zahl der Corona-Kranken. Um die Ansteckungsgefahr zu verringern, warten Fahrgäste in Seoul jetzt in Hightech-Wartehäuschen auf den Bus - nur wer fieberfrei ist, kommt rein.

Von Kathrin Erdmann, ARD-Studio Tokio

Sie sehen ein bisschen aus wie Raucherkabinen, die neuen, zehn smarten Wartehäuschen im Osten von Seoul. Rechteckig, mit einer Sitzbank auf der einen Seite und einer Fensterfront mit Tresen auf der anderen. Und natürlich dem typischen Geräusch in Coronazeiten: Das Sprühen von Desinfektionsmittel. Das darf nicht fehlen.

Doch damit man überhaupt erstmal reinkommt ins Wartehäuschen, müssen Fahrgäste durch eine Art Gesichtskontrolle. Am Eingang hängen zwei Kameras, eine für Erwachsene und eine - etwas tiefer - für Kinder. Kim Hwan-Gyun ist im Bezirk Seongdong verantwortlich für die neuen Hightechunterstände:

"Wir haben eine Wärmebildkamera mit der Eingangstür verbunden, sodass sich die Menschen hier in Coronazeiten sicher fühlen können. Nur wenn die Körpertemperatur unter 37,5 Grad Celsius liegt, öffnet sich die Tür." Außerdem habe man ultraviolettes Licht installiert, das das Virus zu 99 Prozent eliminieren könne, wenn es sich in der Luft befinde. "Auch ist das Klima selbst an heißen Sommertagen angenehm kühl", sagt Kim.

Die Häuschen mit den verglasten Wänden sollen den Wartenden nicht nur Witterungsschutz bieten, sondern auch als Nebeneffekt in Zeiten der Corona-Pandemie Schutz vor Ansteckung gewähren. | Bildquelle: dpa
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Die Häuschen mit den verglasten Wänden sollen den Wartenden nicht nur Witterungsschutz bieten, sondern auch als Nebeneffekt in Zeiten der Corona-Pandemie Schutz vor Ansteckung gewähren.

Es gibt WLan und Lautsprecher und auf dem Dach Solarpaneele, falls der Strom mal ausfallen sollte. Während die Fahrgäste auf den nächsten Bus warten, können sie an der eingebauten Ladestation das Smartphone wieder aufladen; und über einen Bildschirm den Verkehr draußen vor der Tür beobachten und sehen, wann ihr Bus kommt.

Für einen 25-jährigen Studenten ist es ein durchdachtes Konzept: "Zuerst fand ich es ein bisschen seltsam, dass ich erst Fieber messen musste, aber zum Glück ging es schnell", sagt er. Mit dem ultravioletten Licht und der Klimaanlage fühle er sich hier sicherer als an einer normalen Bushaltestelle. "Das ist sozusagen eine virusfreie Zone. Ich wünschte, wir hätten mehr davon, damit wir das Virus loswerden", erklärt er.

70.000 Euro für ein Hightech-Wartehaus

Die smarten Wartehäuschen stehen an besonders stark besuchten Bushaltestellen. Doch bisher gibt es erst zehn, weil soviel Hightech auch sehr viel kostet - jedes umgerechnet rund 70.000 Euro. Der südkoreanische Elektronikhersteller LG hat die Stadt bei der Anschaffung finanziell unterstützt.

Gerade in diesen Zeiten, wo Seoul mit steigenden Infektionszahlen kämpft, freuen sich die Menschen über Orte wie diesen, sagt eine andere Studentin. "An einer vollen Haltestelle mache ich mir immer ein bisschen Sorgen wegen des Coronavirus und fühle mich unwohl, wenn jemand direkt neben mir sitzt. Aber hier, an diesem kühlen Ort, fühle ich mich sicher. Ich freue mich darüber."

Ein kleines Stück Sicherheit in diesen verrückten Zeiten.

Südkorea: Smarte Wartehäuschen gegen Corona
Kathrin Erdmann, ARD Tokio
19.08.2020 13:05 Uhr

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