Mutmaßlichen Täter im Fall Skripal | Bildquelle: LONDON METROPOLITAN POLICE/HANDO

Fall Skripal Attentäter als russischer Oberst entlarvt?

Stand: 27.09.2018 04:56 Uhr

Im Fall Skripal beschuldigt London schon länger den Kreml, für den Giftanschlag verantwortlich zu sein. Nun haben Journalisten einen der mutmaßlichen Attentäter nach eigenen Angaben als russischen Oberst identifiziert.

Im Fall des vergifteten Ex-Spions Skripal wollen Investigativjournalisten einen der mutmaßlichen Attentäter als russischen Oberst entlarvt haben. Wie die Recherche-Seite "Bellingcat" und britische Medien berichten, soll einer der beiden Verdächtigen in Wirklichkeit Anatoli Tschepiga heißen und ein hochdekorierter Oberst sein. Zwei Insider aus europäischen Sicherheitskreisen mit Kenntnis der Skripal-Ermittlungen sagten der Nachrichtenagentur Reuters, die Angaben seien zutreffend.

Der Mann, den die britischen Behörden nach dem Anschlag in Salisbury als Tatverdächtigen zur Fahndung ausgeschrieben hatten, war als Ruslan Boschirow nach Großbritannien eingereist. Die britischen Ermittler werfen Boschirow und einem weiteren Russen namens Alexander Petrow vor, unter Decknamen nach Salisbury gereist zu sein und den Giftanschlag auf den Ex-Doppelagenten Sergei Skripal und seine Tochter Julia verübt zu haben.

Lawrow bestreitet Kreml-Verwicklung

London macht den Kreml für das Attentat verantwortlich. Russland bestreitet jede Verwicklung in den Giftanschlag. Der russische Außenminister Sergej Lawrow betonte abermals, dass es keine Beweise für eine Verstrickung Moskaus in dem Fall gebe. "Jedes Mal, wenn etwas dazu erklärt wird, gibt es keine hundertprozentigen Beweise", sagte der russische Chefdiplomat in New York. Die neuen Erkenntnisse von "Bellingcat" kommentierte er nicht. Der Fall hatte eine schwere diplomatische Krise ausgelöst.

Vater und Tochter Skripal waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank in der südenglischen Kleinstadt Salisbury entdeckt worden. Sie mussten nach Kontakt mit dem Gift Nowitschok wochenlang intensiv behandelt werden und entkamen nur knapp dem Tod.

Die beiden Verdächtigen hatten sich Mitte September im russischen Fernsehen unter den Namen Boschirow und Petrow als Touristen vorgestellt, die wegen der "bekannten Kathedrale" und des Steinzeitmonuments Stonehenge nach England gekommen seien. Die britischen Ermittler hatten anhand von Überwachungskameras minutiös den Weg der beiden nachgezeichnet.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. September 2018 um 04:00 Uhr und um 06:00 Uhr in den Nachrichten.

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