Anhänger des amtierenden Präsidenten Mnangagwa | AP
Reportage

Präsidentenwahl in Simbabwe Und der Sieger ist Staatschef Mnangagwa

Stand: 03.08.2018 05:18 Uhr

Bei der ersten Präsidentenwahl nach der Ära Mugabe in Simbabwe hat sich Amtsinhaber Mnangagwa durchgesetzt. Die Oppositionspartei erklärte, sie würde das Ergebnis nicht anerkennen.

Von Jana Genth, ARD-Studio Johannesburg

Das Medienaufgebot war gewaltig, die Spannung war auch unter den Reportern zu greifen. Bis weit nach Mitternacht mussten sie ausharren, ehe Priscilla Chigumba, die Vorsitzende der Wahlkommission, endlich das Ergebnis verkündete: 50,8 Prozent für den Amtsinhaber. "Emmerson Mnangagwa wird daher zum Präsidenten Simbabwes erklärt - ab dem 3. August 2018", rief sie.

Jana Genth ARD-Studio Johannesburg

Er sei darüber so gar nicht überrascht gewesen, sagt ein Mann in Bulawayo, der die Nachricht hört. Er habe das irgendwie erwartet.

Wahlausgang keine Überraschung

Dem  Politikwissenschaftler Glen Mpani ging es genauso. Seine Analyse nach Verkündung des Ergebnisses war pragmatisch. "Eine entscheidende Frage, die man sich stellen muss, ist die: Ist Simbabwe sieben Monate nach einem Putsch bereit für eine Wahl?", fragt er. "Konnte die Wahl überhaupt frei und fair sein?" Es sei doch naiv zu glauben, dass Leute die Macht durch einen Putsch übernehmen und sie dann in einer Wahl wieder abgeben würden.

Anhänger der Opposition sind in Harare mit Gewehren zu sehen. | AP

Oppositionsanhänger protestierten gegen den Wahlsieg der Zanu-PF bei den Parlamentswahlen in Simbabwe. Diese waren der Präsidentenwahl vorausgegangen. Bild: AP

Zweifel am Neuanfang

Sorgen sind jetzt folglich auch in Simbabwe zu hören. In einer Bar in Harare, in der in den frühen Morgenstunden noch ordentlich etwas los ist, und in der alle Ergebnisse über die Bildschirme flimmern, äußert ein junger Jura-Student seine Sorgen. "Ich habe Angst vor dem, was jetzt passieren könnte", sagt er. "Wir hoffen, dass der Verlierer, vielleicht um Krawalle zu vermeiden wie am Mittwoch, die Leute dazu aufruft, Ruhe und Frieden zu bewahren. Ich bin sicher, eine Partei, die verloren hat, kennt bessere Lösungen als Gewalt."

Einen Neuanfang gebe es wohl kaum, sagen andere. Veränderungen müsse es aber auch mit Mnangagwa geben. Ein 27-Jähriger, der sehr früh schon in Bulawayo unterwegs ist, klingt entspannt. "Wir hoffen, dass sich jetzt nach der Wahl einiges ändert: Dass die Industrie funktioniert, dass wir Arbeit haben, und dass es keine Geldknappheit mehr gibt. Das wird aber wohl nicht über Nacht passieren. Das wird ein Prozess. Die Leute müssen geduldig sein und sehen, was passiert."

Einsatzkräfte des Militärs in Uniform und mit Waffen auf den Straßen Harares. | AFP

Bei den Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizisten starben mindestens sechs Menschen. Bild: AFP

Zweifel an der Unabhängigkeit der Wahlkommission

Und doch: Zweifel an den Wahlergebnissen gibt es. Direkt vor der endgültigen Verkündung tritt ein Mann vor die Mikrofone, der sich als Sprecher der Opposition vorstellt. Er sagt, die MDC, würde die Ergebnisse ablehnen. "Ich stehe hier für meinen Kandidaten Nelson Chamisa", erklärt der Parteisprecher. "Die Ergebnisse wurden von uns noch nicht bestätigt. Die Ergebnisse sind falsch, wir haben sie nicht abgezeichnet. Sie sind von den Wahlbeauftragten nicht verifiziert."

Nelson Chamisa, der unterlegene Kandidat, hat schon lange Zweifel an der Wahl geäußert. Es ist davon auszugehen, dass seine Partei, die MDC, Beweise sammeln und vor Gericht ziehen wird, um die Wahl anzufechten.

Chamisa warf der Regierungspartei Wahlbetrug vor. Seine Partei erklärte noch vor Verkündung des Ergebnisses, dass sie das Wahlergebnis nicht anerkenne. Zweifel an der Unabhängigkeit der Wahlkommission äußerten auch EU-Wahlbeobachter. Die Wahlen waren die ersten seit der Entmachtung des langjährigen Herrschers Robert Mugabe durch das Militär.

Über dieses Thema berichteten am 03. August 2018 die tagesschau um 02:06 Uhr und Deutschlandfunk um 05:07 Uhr.