Ein Plakat der Partei Zanu PF in Simbabe | Bildquelle: REUTERS

Nach Wahl in Simbabwe Regierungspartei holt Parlamentsmehrheit

Stand: 01.08.2018 12:59 Uhr

Bei der Wahl in Simbabwe hat die Regierungspartei von Präsident Mnangagwa eine deutliche Mehrheit im Parlament geholt. Die Aufgabe, die auf die neue alte Regierung zukommt, ist gewaltig.

Von Jana Genth, ARD-Studio Johannesburg

So deutlich ist es doch eine Überraschung: Eine Mehrheit im Parlament für die Regierungspartei - die hat die Wahlkommission schon bestätigt, obwohl noch nicht alle Stimmen ausgezählt sind. Staatliche Medien schreiben schon von einer absoluten Mehrheit. Das könnte aber doch voreilig sein.

Tino Nombeo, ein Simbabwer, der in Johannesburg im Exil lebt, ist kaum verblüfft: "Wenn man bedenkt, wie alles ablief im Wahlkampf und dass es ein paar Beschwerden gab, dann ist das nur etwas erstaunlich, dass eine solche Mehrheit für die Zanu-PF gestimmt hat. Das einzige, was man dann denkt: Wohin geht es mit dem Land in der Zukunft?"

Eine Wahl Stadt gegen Land

Die Probleme sind gewaltig. Es gibt schlichtweg kein Bargeld in Simbabwe. Eine eigene Währung hat das Land schon lange nicht mehr. Arbeitslosigkeit, Hunger und Armut sind Alltag. Die Zanu-PF weiß, dass etwas getan werden muss.

Auch Emmerson Mnangagwa, der das Präsidentenamt von Robert Mugabe übernahm, weiß, dass es nicht so weitergehen kann wie bisher. Und dennoch ist eindeutig, wie die Mehrheit zustande kam: Die Wahl war eine Abstimmung Stadt gegen Land. In den Städten ist die Opposition stark - auf dem Land, wo sehr viel mehr Menschen leben, aber die Zanu-PF.

Emmerson Mnangagwa | Bildquelle: AP
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Emmerson Mnangagwa bei der Wahl in Simbabwe: Er hat gewaltige Probleme zu lösen.

Duduzile Rafa, ein politischer Analyst in Simbabwes zweitgrößter Stadt Bulawayo, erklärt das so: "Die Zanu-PF investiert viel in die Stimmen vom Land. Ab dem Jahr 2000 wurden nach der Landreform viele Menschen umgesiedelt. Sie haben davon profitiert." Erst in letzter Zeit habe die Zanu-PF ein Landwirtschaftsprogramm aufgelegt und viel Geld dafür bereitgestellt. Die Partei sei einfach präsent in den ländlichen Gebieten, und die Opposition zeige sich dort nur vor einer Wahl. "Oder sie haben keine Mittel, um dort Wahlkampf zu machen", sagt Analyst Rafa.

"Die brauchen wieder Vertrauen"

Stadt gegen Land, Jung gegen Alt. Die Partei, die naturgemäß nicht für den Neuanfang steht, hat nun die Mehrheit im Parlament inne. Bisher betonte sie nur, wie zufrieden sie ist, dass die Wahl ohne Gewalt ablief.

Selbst Exil-Simbabwer wie Tino Nombeo betrachtet das als eigentlichen Erfolg: "Wir müssen Herrn Mnangagwa zugute halten, dass diese Wahl friedlich war. Wahlen in Simbabwe waren immer mit Gewalt und Misstrauen verbunden." Es sei die Pflicht die Regierung, für die Menschen zu handeln, sagt Nombeo: "Die brauchen wieder Vertrauen, dann können sie ihrem Alltag nachgehen und etwas schaffen."

Wer Präsident wird, ist noch unklar, diese Stimmen werden noch ausgezählt. Nelson Chamisa, der Oppositionsführer, hat auch heute wieder auf Twitter Wahlbetrug unterstellt. Beweise dafür hat er aber nicht vorgelegt. Die internationalen Wahlbeobachter klangen bisher recht zufrieden. Ihre Berichte werden sie schon bald veröffentlichen.

Regierungspartei in Simbabwe gewinnt die Mehrheit im Parlament
Jana Genth, ARD Johannesburg
01.08.2018 12:44 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 01. August 2018 um 12:00 Uhr.

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