Jubel in Harare nach Rücktritt von Mugabe | Bildquelle: REUTERS

Nach Mugabe-Rücktritt Jubel und Skepsis in Simbabwe

Stand: 22.11.2017 11:20 Uhr

Nach dem Rücktritt von Präsident Robert Mugabe befindet sich Simbabwe im Freudentaumel. In der Nacht zu Mittwoch feierten Tausende Simbabwer ausgelassen das Ende einer Ära. Der Nachfolger Mugabes soll am Freitag vereidigt werden. Für einen Neuanfang steht er nicht.

Riesiger Jubel brach aus, als sich die Neuigkeit über soziale Netzwerke und Kurznachrichtendienste ausbreitete: Nach 37 Jahren ununterbrochener Mugabe-Herrschaft über Simbabwe ist der Weg frei für einen Neuanfang.

"Ich kann nicht glauben, dass er weg ist", jubelte ein junger Simbabwer in der Hauptstadt Harare. "Die Zukunft scheint hell!", drückte ein anderer seine Freude aus. "Wir haben alles, was man braucht, um die beste Volkswirtschaft der Welt zu werden. Wir haben Rohstoffe, wir haben fruchtbares Land, wir haben gut ausgebildete Menschen, die hart arbeiten!"

Im ganzen Land feierten die Menschen singend und tanzend bis spät in die Nacht auf den Straßen. Einige trugen Soldaten auf ihren Schultern - Mugabe hatte seinen Rücktritt auf Druck des Militärs erklärt.

Seine Partei, Zanu-PF, hatte ihn am Wochenende als Vorsitzenden abgewählt und zum Rücktritt aufgefordert. Den Rückhalt in der Bevölkerung hatte Mugabe ohnehin schon lange verloren. Die Massenproteste am Samstag waren der deutliche Beweis.

Robert Mugabe tritt zurück
tagesthemen 22:15 Uhr, 21.11.2017, Thomas Denzel, ARD Johannesburg

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

"Historischer Moment"

Die US-Botschaft in Harare bezeichnete Mugabes Rücktritt als einen historischen Moment für Simbabwe und gratulierte allen Simbabwern, die ihre Stimme erhoben hatten.

Die britische Premierministerin Theresa May erklärte, der Rücktritt Mugabes gebe Simbabwe die Chance, einen neuen Weg frei von Unterdrückung einzuschlagen.

Übergang von einem Tyrannen zum nächsten?

Ex-Vizepräsident Emmerson Mnangagwa (Archivbild 2016) | Bildquelle: AP
galerie

Ex-Vizepräsident Emmerson Mnangagwa steht vor der Rückkehr in sein Heimatland.

Nach dem Rücktritt von Robert Mugabe soll der von ihm geschasste Vize-Präsident Emmerson Mnangagwa am Freitag als neues Staatsoberhaupt von Simbabwe vereidigt werden. Mnangagwa, der nach seiner Absetzung das Land verlassen habe, werde Mugabe ersetzen, meldete der staatliche Rundfunk auf seiner Website. Neuen Angaben zufolge soll Mnangagwa am Nachmittag aus dem südafrikanischen Exil nach Harare zurückkehren.

Der Afrikabeauftragte der Bundesregierung, Günther Nooke, war jedoch skeptisch, ob es für Simbabwe nach dem Rücktritt Mugabes einen wirklichen Neuanfang gibt. Das Ende von Mugabes jahrzehntelanger Herrschaft bezeichnete er im SWR-Hörfunk als Machtkampf der alten Eliten. Sie hätten sich im Verbund mit China durchgesetzt, das starke wirtschaftliche Interessen in dem südafrikanischen Land unterhalte.

Nooke betonte, in der Bevölkerung seien sowohl die Regierungspartei Zanu-PF als auch die Opposition unbeliebt. In Simbabwe herrsche ein Klima der Angst, das keine freie Diskussion zulasse. Die Vereidigung des früheren Mugabe-Stellvertreters und Geheimdienstchefs Mnangagwa bezeichnete er als Übergang von einem Tyrannen zum Nächsten.

Der unter dem Spitznamen "das Krokodil" bekannte Mangagwa ist seit Jahrzehnten führendes Mitglied der politischen Elite und gilt als Hardliner.

Morgan Tsvangirai | Bildquelle: dpa
galerie

Fordert baldige Neuwahlen: Morgan Tsvangirai

Oppositionsführer Morgan Tsvangirai forderte unterdessen, schnellstmöglich freie und faire Wahlen abzuhalten, um aus Simbabwe wieder eine erfolgreiche Demokratie zu machen. Ob die Opposition an der Übergangsregierung bis zur Wahl im nächsten Jahr beteiligt werden soll, ist unklar. Auch die US-Regierung forderte, freie und faire Wahlen zu organisieren.

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini sagte, es sei wichtig, dass nun ein offener Dialog für eine demokratischere Zukunft eingerichtet werde, der zur Beschleunigung wesentlicher Reformen animiere. Die EU sei bereit, diesen Prozess zu begleiten.

Rückzug des Militärs aus der Politik unklar

Der Putsch der Generäle wurde nach Meinung von Experten auch dadurch ausgelöst, dass Mugabe seine Ehefrau Grace als Nachfolgerin etablieren wollte. Sie ist bekannt für ihr impulsives Verhalten, teure Kleider und extravagante Shopping-Reisen - Spitzname "Gucci Grace".

Bislang weiß niemand, ob Mugabe in Simbabwe bleiben wird und ob ihm möglicherweise von der Militärführung Straffreiheit zugesichert wurde. Unklar ist auch, wie schnell und wie stark sich das Militär nach der Bildung einer Übergangsregierung wieder aus der Politik zurückziehen würde. Mugabe war in dem Land im südlichen Afrika seit der Unabhängigkeit von Großbritannien im Jahr 1980 an der Macht, zunächst als Premierminister und seit 1987 als Präsident. Seine Regierungsführung wurde mit den Jahren zunehmen autoritärer. Unter seiner Führung wurde aus der wohlhabenden Kornkammer der Region ein Armenhaus.

Soldaten werden von Demonstranten bejubelt | Bildquelle: AFP
galerie

Soldaten werden in Harare gefeiert. Wie stark der Einfluss des Militärs künftig sein wird, ist noch unklar.

Nach Mugabe-Rücktritt: Simbabwe im Freudentaumel
Jan-Philippe Schlüter, ARD Johannesburg
22.11.2017 13:11 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Mit Informationen von Jan-Philippe Schlüter, ARD-Studio Südafrika.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 22. November 2017 um 11:00 Uhr.

Darstellung: