Polizei auf den Straßen von Harare | Bildquelle: REUTERS

Unruhen in Simbabwe "Gewalt durch Polizei ist inakzeptabel"

Stand: 22.01.2019 15:30 Uhr

Mehrere Menschen waren bei der Niederschlagung von Protesten in Simbabwe ums Leben gekommen. Nun will der Präsident des afrikanischen Landes untersuchen lassen, ob sich die Polizei falsch verhalten hat.

Eine Woche nach schweren Zusammenstößen bei Oppositionsprotesten in Simbabwe hat Präsident Emmerson Mnangagwa eine Untersuchung der Gewalt der Sicherheitskräfte angekündigt. Gewalt oder Fehlverhalten seitens der Polizei oder des Militärs seien "inakzeptabel" und müssten untersucht werden, erklärte der Staatschef auf Twitter. "Falls nötig, werden auch Köpfe rollen", so Mnangagwa weiter. Gleichzeitig verurteilte er auch die "mutwillige Gewalt" der Demonstranten.

"Das war kein friedlicher Protest"

Die Proteste Mitte Januar richteten sich gegen die drastische Erhöhung der Spritpreise und wurden durch Sorgen wegen der hohen Arbeitslosigkeit sowie durch Engpässe bei der Versorgung mit Bargeld, Lebensmitteln und Medikamenten verschärft. Die Anhebung der Benzinpreise sei "keine Entscheidung, die wir leichtfertig getroffen haben", erklärte Mnangagwa. Sie sei aber "richtig" gewesen. "Was darauf folgte, war bedauerlich und tragisch."

"Jeder hat das Recht, zu protestieren, aber das war kein friedlicher Protest", erklärte Mnangagwa. Vielmehr habe es "mutwillige Gewalt und zynische Zerstörung" gegeben.

Opposition fordert Freilassung

Oppositionsführer Nelson Chamisa forderte die Regierung auf, alle "politischen Gefangenen" sofort freizulassen. Er sagte dem britischen Sender BBC, auch vier Parlamentarier seiner Partei MDC seien festgenommen worden. Am Montag war der Vorsitzende des Gewerkschaftsdachverbandes, Japhet Moyo, inhaftiert worden. Sein Verband hatte vor mehr als einer Woche zu den Streiks und Protesten wegen der drastischen Erhöhung der Spritpreise aufgerufen.

Brennende Autoreifen bei Protesten in Simbabwe | Bildquelle: AARON UFUMELI/EPA-EFE/REX
galerie

Ein Bild der Proteste von Mitte Januar. Die Polizei ging hart gegen Demonstranten vor.

Polizei und Armee hatten mit großer Härte auf die Proteste reagiert. Nach Angaben von Simbabwes Menschenrechtsforum wurden mindestens zwölf Menschen getötet und 78 weitere wegen Schussverletzungen behandelt. Zudem seien mehr als 240 Fälle von Körperverletzung und Folter registriert worden. Rund 700 Menschen wurden demnach festgenommen.

Das Vorgehen der Sicherheitskräfte sorgte international für Kritik. Polizei und Armee wiesen jedoch Vorwürfe zu Fehlverhalten zurück.

Das Land im südlichen Afrika ist derzeit in seiner schwersten Wirtschaftskrise seit zehn Jahren. Wegen der Unruhen hatte Mnangagwa am Sonntagabend eine Auslandsreise verkürzt und in letzter Minute seine Teilnahme am Weltwirtschaftsforum in Davos abgesagt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. Januar 2019 um 10:00 Uhr.

Darstellung: