Der UN-Sicherheitsrat | Bildquelle: JUSTIN LANE/EPA-EFE/REX/Shutters

UN-Sicherheitsrat zu Idlib Warnung vor der Katastrophe

Stand: 07.09.2018 22:45 Uhr

Millionen Menschen seien in Idlib eingeschlossen, berichtet der UN-Syrienbeauftragte de Mistura vor dem Sicherheitsrat. Es drohe eine humanitäre Katastrophe. Die USA warnten Assad und seine Verbündeten.

Von Georg Schwarte, ARD-Studio New York

Staffan de Mistura, der UN-Sonderbeauftragte für Syrien, machte dem Sicherheitsrat wenig Hoffnung. Alle Zutaten für einen perfekten Sturm seien da, sagte er. Der Mann, der seit Jahren für die UN versucht, in Syrien Frieden zu schaffen, hatte Minuten zuvor dem UN-Sicherheitsrat die Lage in Idlib beschrieben. 2,9 Millionen Menschen seien eingekesselt.

15.000 dieser Menschen, so schätzen die UN, seien tatsächlich Terroristen - 0,5 Prozent. Die britische UN-Botschafterin Karen Pierce sagte später, es gebe mehr Babys als Terroristen in Idlib. Darüber sollten alle, die jetzt eine Offensive planen, nachdenken.

Staffan de Mistura, UN-Sonderbeauftragter für Syrien | Bildquelle: AFP
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Staffan de Mistura, der UN-Sonderbeauftragte für Syrien, forderte geschützte Fluchtkorridore für Zivilisten in Idlib.

Vorwürfe gegen Russland, Iran und Türkei

Minuten nachdem in Teheran der Dreiergipfel mit den Präsidenten Russlands, der Türkei und des Iran, Wladimir Putin, Recep Tayyip Erdogan und Hassan Rouhani, zu Ende ging, erinnerte de Mistura daran, dass eben diese drei Nationen Idlib im Mai 2017 zur Deeskalationszone erklärt hätten. Nach UN-Angaben gibt es massive Truppenaufmärsche syrischer Verbände und russische Luftangriffe.

De Mistura erinnerte auch daran, dass das russische, iranische und syrische Argument, man wolle Terroristen bekämpfen, nicht die Menschenrechte außer Kraft setze. Die Britin Pierce zählte in der Ahnung, dass eine Militäroffensive fast unabwendbar scheint, alle syrischen Kampfeinheiten auf, nannte alle Namen der Kommandanten. Die Botschaft: Sie alle würden früher oder später wegen Kriegsverbrechen zur Rechenschaft gezogen.

USA warnen vor Giftgaseinsatz

Russlands UN-Botschafter Vassily Nebenzia sah die Sache anders. Die von de Mistura geforderte Waffenruhe, so Nebenzia, gelte bekanntermaßen nicht für den Kampf gegen Terroristen, die sich ebenfalls an keine Waffenruhe hielten. Terroristen in Idlib hätten Millionen Menschen als Geiseln genommen.

Die amerikanische UN-Botschafterin Nikki Haley erzählte eine andere Geschichte. Sie sagte, es sei stets das gleiche Vorgehen Russlands, Irans und Syriens: Rebellen einkesseln, aushungern und bombardieren - immer mit Verweis auf Terroristen. "Ein Drehbuch des Todes", so Haley. Die Grausamkeiten in Syrien seien schon jetzt für immer ein Schandmal auf dem Gewissen des Sicherheitsrates, den Russland blockiere.

Dazu kam die Warnung der USA, Russland möge gut darüber nachdenken, ob es eine Militäroffensive in Idlib unterstützt. Die Konsequenzen, sagte Haley, seien schwerwiegend. Der Franzose Fracois Delattre legte nach: Sollten Syrien und Russland Giftgas einsetzen, würden Frankreich, Großbritannien und die USA zurückschlagen. Der perfekte desaströse Sturm - zumindest alle Zutaten dazu hatte der Sicherheitsrat heute im Fall Idlib vor Augen.

Der perfekte Sturm - Krisensitzung des Sicherheitsrates zu Idlib
Georg Schwarte, ARD New York
07.09.2018 21:54 Uhr

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Dieser Beitrag lief am 07. September 2018 um 23:30 Uhr im Deutschlandfunk.

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