Demo gegen sexualisierte Gewalt in Pakistan | REUTERS

Pakistan Vergewaltigern droht Kastration

Stand: 16.12.2020 14:58 Uhr

Pakistan will künftig härter gegen sexualisierte Gewalt vorgehen: Lebenslänglich, die Todesstrafe - oder eine chemische Kastration könnten in Zukunft auf die Täter zukommen.

Von Silke Diettrich, ARD-Studio Neu-Delhi

Silke Diettrich ARD-Studio Neu-Delhi

Es war ein grausames Verbrechen: Im September blieb der Wagen einer Frau auf der Ausfahrt einer Autobahn liegen, in der Nähe der Großstadt Lahore, im Westen von Pakistan. Bevor die Autobahn-Polizei dort war, sollen mehrere junge Männer die Frau erst ausgeraubt und dann vor den Augen ihrer beiden Kinder vergewaltigt haben. Der Polizeichef hatte daraufhin die Frau beschuldigt und öffentlich gefragt, warum sie allein Auto gefahren sei und was sie ohnehin um diese Zeit auf der Straße zu suchen gehabt habe.

Die Tat, angeheizt zusätzlich durch die Reaktion des Polizeichefs, hatte viele Menschen in Pakistan auf die Straße gebracht: "Das ist doch eine Schande für unser Land, für die Regierung und die Polizei", sagte eine Demonstrantin im September. "Dass so etwas Schreckliches überhaupt passieren kann! Und obendrein werden noch die Frauen beschuldigt. In so einem Land kann doch keine Frau sicher sein."

Kastration gefordert

Das wollte der Regierungschef wohl nicht auf sich sitzen lassen. Premierminister Imran Khan hat daraufhin die Verschärfung der Strafen für Vergewaltiger angekündigt. Im pakistanische Fernsehen sagt er: "So wie es bei Mord Abstufungen gibt, sollte das auch bei Vergewaltigungen gelten. Bei besonders schweren Fällen sollten die Täter kastriert werden, damit sie so etwas nicht wieder tun können."

Noch ist nicht ganz klar, wie diese Strafe verhängt werden kann. Denn internationale Gesetze sehen vor, dass der Verurteilte einer Kastration zustimmen muss. Lehne er ab, würde in Pakistan für ihn die Todesstrafe verhängt oder lebenslange Haft. Vergewaltiger sind in Pakistan in der Vergangenheit selten bestraft worden, auch, weil sich die Prozesse Jahre in die Länge gezogen hat.

Gesetzesverschärfung geplant

Das soll sich nun auch mit den neuen Gesetzen ändern: Innerhalb von vier Monaten soll ein Prozess zum Abschluss gebracht werden. Einem Zeitungsbericht zufolge droht auch Amtsträgern und anderen Funktionären Strafe, wenn sie Ermittlungen in Vergewaltigungsfällen vernachlässigen. Um die Opfer zu schützen, sollen in Zukunft deren Namen nicht mehr veröffentlicht werden. Die neuen Gesetze müssen vom Parlament bestätigt werden, um in Kraft zu bleiben. Geschieht dies nicht, laufen sie nach 120 Tagen aus.