Kirill Serebrennikow nach einer Anhörung in Moskau am 8. April 2019 | AP

Russischer Regisseur Serebrennikow aus Hausarrest entlassen

Stand: 08.04.2019 12:31 Uhr

Mehr als eineinhalb Jahre saß der russische Regisseur Serebrennikow in Moskau im Hausarrest. Nun ist er überraschend entlassen worden. Er darf die Stadt aber nicht unerlaubt verlassen.

Der russische Regisseur Kirill Serebrennikow ist überraschend nach rund eineinhalb Jahren aus dem Hausarrest in Moskau entlassen worden. Der 49-Jährige dürfe die Stadt aber nicht unerlaubt verlassen, meldete die Agentur Interfax unter Berufung auf ein Gericht. Demnach muss er bei der Polizei um Erlaubnis bitten, wenn er Moskau verlassen will. Sein Reisepass ist eingezogen.

Vorwurf: staatliche Gelder veruntreut

Serebrennikow sagte, dass er nun wieder ungehindert arbeiten wolle. Menschenrechtler begrüßten die Entscheidung des Gerichts. Die russische Justiz wirft Serebrennikow sowie weiteren Angeklagten vor, zwischen 2011 und 2014 umgerechnet 1,8 Millionen Euro staatlicher Förderung für ein Theaterprojekt veruntreut zu haben. Der Regisseur weist die Vorwürfe zurück. Er versicherte, das Geld sei allein in Theaterprojekte geflossen.

Die Staatsanwaltschaft hatte zuletzt beantragt, den Künstler auch künftig in seiner Wohnung festzuhalten, um weitere offene Fragen zu klären. Erst in der vergangenen Woche war der Hausarrest um weitere drei Monate verlängert worden - trotz internationaler Proteste. Ihm drohen zehn Jahre Haft.

Kritik: Verfolgung liberaler Künstler

Das Verfahren gegen den Kino- und Theaterregisseur wird als inszeniert kritisiert. Filmstars, Theaterschaffende und Politiker hatten Russland immer wieder aufgefordert, die Verfolgung liberaler Künstler zu beenden. Immer wieder gab es Vorwürfe, die Ermittler hätten nichts gegen Serebrennikow in der Hand.

Der Regisseur arbeitete während des Arrestes in seiner Wohnung weiter - trotz der eingeschränkten Bewegungsfreiheit. So führte die Staatsoper Hamburg im März seine Neuinszenierung von Giuseppe Verdis Oper "Nabucco" auf. Auch die Oper Stuttgart und weitere Häuser hatten Aufführungen trotz Abwesenheit des Regisseurs auf die Bühne gebracht. Ende März erhielt er den renommierten russischen Filmpreis "Nika" für die beste Regie. Sein voriges Jahr auch in Deutschland gezeigter Film "Leto" erzählt die Geschichte des sowjetischen Rockstars Viktor Zoi.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 08. April 2019 um 12:30 Uhr.