In Luzern nehmen Frauen an einer Demonstration anlässlich des landesweiten Streiktages für Gleichberechtigung teil. | Bildquelle: AP

Landesweiter Streiktag Den Schweizerinnen reicht es - nicht

Stand: 14.06.2019 22:04 Uhr

Offiziell waren die Frauen in der Schweiz ab 15.24 Uhr zum Streik aufgerufen - doch schon ab Mitternacht gibt es landesweit Proteste und Demos für gleiche Bezahlung und gegen sexuelle Belästigung.

Als der Stunden- und Minutenzeiger auf den Uhren in der Schweiz auf 15.24 Uhr vorrückten, sollte es für Frauen landesweit ein entscheidender Moment sein. Genau ab diesem Zeitpunkt sollten sie ihren Arbeitsplatz verlassen, um ein Zeichen zu setzen. Gewerkschaften hatten im ganzen Land zu einem Streiktag aufgerufen - für bessere Bezahlung, mehr Gleichberechtigung und weniger sexuelle Belästigung.

Ab 15.24 Uhr arbeiten Frauen umsonst

Die Uhrzeit war nicht willkürlich gewählt. Den Organisatoren des unter dem Motto "Lohn. Zeit. Respekt" gesetzten Protesttages zufolge verdienen Frauen in der Schweiz im Durchschnitt bis zu 20 Prozent weniger als Männer. Darum arbeiteten sie ab 15.24 Uhr quasi umsonst. Im Rentenalter hätten Frauen durchschnittlich knapp 40 Prozent weniger zur Verfügung.

Nach Angaben der Gewerkschaften und Organisatoren beteiligten sich landesweit Hunderttausende Frauen an dem Streik, an Demonstrationen und Kundgebungen. Die Organisatoren sprachen vom "größten politischen Demonstration" in der jüngeren Geschichte der Schweiz. Allein in Bern gingen demnach bis zum Mittag bereits rund 10.000 Demonstrierende auf die Straßen.

Viele Frauen warteten nicht bis zu den Nachmittagsstunden, um auf die von ihnen angeprangerten Missstände aufmerksam zu machen. Bereits in den späten Abendstunden am Donnerstag leuchtete das offizielle Symbol des Streiktages vom Roche-Turm, dem höchsten Gebäude des Landes.

Zwei Teilnehmerinnen der Demo in Bern für die Gleichberechtigung von Frauen rufen laut ihre Forderungen heraus. | Bildquelle: AFP
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Allein in Bern gingen schon bis zum Mittag rund 10.000 Demo-Teilnehmer auf die Straße.

Das Logo des Streiktages der Frauen leuchtet am Roche-Turm in Basel. | Bildquelle: GEORGIOS KEFALAS/EPA-EFE/REX
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Das Logo des Streiktages der Frauen leuchtet am Roche-Turm in Basel.

Streiktag startete schon ab Mitternacht

Gegen Mitternacht versammelten sich Hunderte an der Kathedrale der Stadt Lausanne und marschierten in die Innenstadt. Sie machten Feuer und warfen Gegenstände wie Krawatten und Büstenhalter in die Flammen. Mehrere Frauen kletterten auf die Kathedrale, um die Stunde auszurufen. Mit Pfannen-Getrommel und Autocorsos läuteten Frauen in Zürich den Protest ein.

Gegen Mittag legten die Demonstranten den Verkehr rund um den Züricher Hauptbahnhof zwischenzeitlich lahm. In Luzern kam es zu einem Sitzstreik. Dem Parlament in Bern wurde um 11 Uhr eine Petition mit 11.000 Unterschriften für eine geringere Besteuerung von Tampons überreicht.

In der Schweiz demonstrieren zehntausende Frauen für mehr Gleichberechtigung
tagesschau 20:00 Uhr, 14.06.2019, Wolfgang Wanner, ARD Genf

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Innenminister prangert Missstände "ohne Worte" an

Unterstützung erhielten die Frauen vom Schweizer Innen- und Sozialminister Alain Berset. Er postete auf Twitter ein Video "Ohne Worte", in dem er die bestehende Ungleichbehandlung kritisierte und Veränderung forderte.

Die Bundesrätin Simonetta Sommaruga nutzte den Streiktag, um mit Gymnasiasten über die Ungleichbehandlung in der Gesellschaft zu debattieren. Und auch der Bischof von Lausanne, Genf und Freiburg, Charles Morerod, stellte sich hinter die Forderung der gleichen Rechte und Behandlung für Frauen.

Der Bundesrat veröffentlichte eine Stellungnahme, in der er der Umsetzung der Gleichstellung zwar politische Priorität einräumt, jedoch keine konkreten Schritte ankündigte. Die Gleichstellung zwischen Mann und Frau ist in der Schweiz bereits seit 1981 gesetzlich verankert.

Vorbild für den heutigen Streiktag bildet eine ganz ähnliche Aktion im Jahr 1991. Damals beteiligten sich eine halbe Million Frauen. Danach wurde in der Schweiz unter anderem ein Gleichstellungsgesetz beschlossen, eine Mutterschaftsurlaubsregelung eingeführt und Erziehungszeiten bei der Rentenversicherung anerkannt.

Über dieses Thema berichtete NDR Info in den Nachrichten am 14. Juni 2019 um 12:45 Uhr.

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