Die russische Wahlleiterin Ella Pamfilowa | Bildquelle: dpa

Mit Elektroschocker verletzt Russlands Wahlleiterin überfallen

Stand: 06.09.2019 19:20 Uhr

Kurz vor den Regionalwahlen in Russland ist die Wahlleiterin Pamfilowa bei einem Überfall verletzt worden. Laut Innenministerium attackierte ein Angreifer sie mit einem Elektroschocker. Auch der Geheimdienst ermittelt.

Nur wenige Tage vor den Kommunal- und Regionalwahlen in Russland ist die Chefin der zentralen Wahlkommission nach Angaben des Innenministeriums überfallen worden. Ein maskierter Täter sei in der Nacht zum Freitag über ein Fenster in das Haus von Ella Pamfilowa eingedrungen, teilte die Sprecherin des Innenministeriums, Irina Wolk, mit. Der Täter habe die 65-Jährige mit einem Elektroschockgerät attackiert und dabei verletzt. Danach sei er geflüchtet.

Ermittelt werde wegen Raubs, hieß es. Am Nachmittag übernahm die oberste Ermittlungsbehörde des Landes den Fall. Untersucht werde zudem ein möglicher Zusammenhang des Überfalls mit der Funktion Pamfilowas. Auch der Geheimdienst ermittele.

Die Beamtin selbst sagte im russischen Staatsfernsehen, sie habe Kratzer und blaue Flecken davongetragen. Mit einem Stuhl und Geschrei habe sie den Eindringling in die Flucht geschlagen. Einschüchtern lasse sie sich nicht. "Ich werde es überleben", wurde sie von der russischen Nachrichtenagentur Interfax zitiert. 

Umstrittener Ausschluss von Oppositionskandidaten

Pamfilowa steht in der Kritik, weil die Kommission Dutzende Oppositionelle nicht zur Wahl des neuen Stadtrats in Moskau zugelassen hat. Staatsmedien spekulierten bereits über einen Zusammenhang zwischen dem Angriff und den Wahlen. Die Wahlleitung hatte die regierungskritischen Kommunalpolitiker wegen angeblicher Formfehler ausgeschlossen.

In der russischen Hauptstadt hatte das zu zahlreichen Massenprotesten geführt. Die Polizei nahm bei den Kundgebungen seit Mitte Juli Tausende Menschen fest und ging teils gewaltsam gegen die Demonstranten vor. Bei den Protesten forderte die Opposition Pamfilowa auf, faire und freie Wahlen zuzulassen.

Gewählt wird am 8. September vor allem auf regionaler Ebene. Die Abstimmungen in allen 85 Regionen gelten als wichtiger Stimmungstest für Kremlchef Wladimir Putin und die Regierungspartei Geeintes Russland. 56 Millionen Wähler sind zur Stimmabgabe aufgerufen - das ist fast die Hälfte der Wahlberechtigten Russlands.

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