Angehörige begrüßen, von Russland freigelassene, ukrainische Gefangenen bei ihrer Ankunft am Flughafen Boryspil in Kiew und fallen ihnen um den Hals. | Bildquelle: dpa

Gefangenenaustausch "Froh, wieder zu Hause zu sein"

Stand: 07.09.2019 18:58 Uhr

Moskau und Kiew bewegen sich nach Jahren der Spannungen wieder aufeinander zu: Beide Staaten tauschten heute 70 Gefangene aus. Für den ukrainischen Präsidenten ist das aber nur ein erster Schritt.

Von Sabine Stöhr, ARD-Studio Moskau

Die beiden Flieger mit den Freigelassenen landeten am Mittag fast zeitgleich in Moskau und Kiew. In der ukrainischen Hauptstadt erwartete Präsident Wolodymyr Selenskyj die sichtlich angeschlagenen Männer unten an der Treppe. Er nahm jeden mit Handschlag und Umarmung in Empfang.

Hinter ihm hatten sich Hunderte Journalisten versammelt. Und natürlich die Verwandten der Freigelassenen. Sie umarmten die erleichterten Rückkehrer fest und herzlich, sie weinten und lachten zugleich. Darunter waren auch die Seeleute, die im November vor der Krim festgenommen worden waren.

100 Gefangene noch in Russland

Der bekannte ukrainische Filmemacher Oleg Senzow, der in Russland zu 20 Jahren Lagerhaft verurteilt war und dagegen zwischenzeitlich mit Hungerstreik protestierte hatte sagte: "Ich bin mit den anderen Jungs zusammen sehr froh, dass wir zu Hause sind. Danke an alle, die für uns gekämpft haben. Ich hoffe, dass die andere Gefangenen auch bald frei kommen."

Nach Angaben der zuständigen Ombudsfrau sind noch mindestens 100 weitere ukrainische Gefangene in russischer Haft. "Wir haben den ersten Schritt gemacht und der war sehr kompliziert. Jetzt wissen wir, was wir weiter zu tun haben. Der zweite Schritt ist der Truppenabzug an der Konfliktlinie und die Beendigung des Krieges. Der schwierigste Schritt. Aber wir glauben daran, dass wir nicht nur unsere Menschen, sondern auch unsere Territorien zurückholen", sagte Präsident Selenskyj.

Wichtiger Zeuge könnte verloren sein

In Moskau nahm der bekannte Moderator und Chef des staatsnahen Fernsehens, Dmitri Kisseljow, die Freigelassenen in Empfang. Unter ihnen war der Ukrainer Wladimir Zemach. Ihm wird vorgeworfen, in der Ostukraine auf prorussischer Seite gekämpft zu haben und dort am Abschuss der Maschine MH17 beteiligt gewesen zu sein. Für seine Freilassung ist Selenskyj im Vorfeld im In- und Ausland heftig kritisiert worden.

Russland und Ukraine vollziehen Gefangenenaustausch
tagesthemen 23:15 Uhr, 07.09.2019, Ina Ruck, ARD Moskau

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Die Ermittler in den Niederlanden zum Beispiel befürchten, dass Zemach ihnen jetzt als Zeuge verloren geht. Gleichzeitig weiß Russland die Auslösung des politisch wichtigen Mannes durchaus zu schätzen. "Ich hoffe, dass mit dem Austausch die Beziehungen zwischen Russland und Ukraine wieder aufgenommen werden. Uns steht im September ein Treffen im Normandie-Format bevor, bei dem wir weiter auf positive Ergebnisse hoffen. Gott gebe, dass sich alles langsam normalisiert", sagte Wladimir Dschabarow, Mitglied des Föderationsrates.

Monatelang vorbereitet

Auch die Sprecherin des russischen Außenministeriums erklärte, der gelungene Gefangenenaustausch sei ein wichtiger Schritt. Der russische Präsident Wladimir Putin stand allerdings nicht auf dem Flugfeld, sondern nahm am Fest zum Geburtstag von Moskau teil. Zuvor hatte er den Austausch "einen großen Schritt hin zur Normalisierung" genannt.

Das staatsgelenkte Fernsehen zeigte den ganzen Nachmittag Bilder der Freigelassenen. Auf den Gefangenenaustausch heute hatten beide Seiten seit Monaten hingearbeitet. Er ist der erste große seit Beginn des Konflikts im Osten der Ukraine vor fünf Jahren.

Gefangenenaustausch zwischen Russland und der Ukraine erfolgreich abgeschlossen
Sabine Stöhr, ARD Moskau
07.09.2019 17:33 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 07. September 2019 um 12:00 Uhr.

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