Russische Botschaft in Berlin | FELIPE TRUEBA/EPA-EFE/REX/Shutte

Botschaft in Berlin Russischer Diplomat tot aufgefunden

Stand: 05.11.2021 14:59 Uhr

Vor der Botschaft Russlands in Berlin ist im Oktober ein russischer Diplomat tot aufgefunden worden. Das Auswärtige Amt bestätigte einen entsprechenden Bericht des "Spiegel". Er war offenbar Geheimagent.

An der russischen Botschaft in Berlin hat sich ein Todesfall ereignet - das bestätigte das Auswärtige Amt. Die Botschaft Russlands sprach von einem "tragischen Unfall", der aus ethischen Gründen nicht kommentiert werden solle. Die Berliner Polizei gaben bislang keine Stellungnahme dazu ab.

Der Mann wurde nach Angaben des "Spiegel" am Morgen des 19. Oktober auf dem Gehweg entdeckt. Er war offenbar aus einem der oberen Stockwerke des Gebäudekomplexes auf der Seite der Behrenstraße gestürzt. Sie verläuft parallel zur Straße Unter den Linden, wo sich der Eingang der Botschaft befindet.

Laut offizieller Diplomatenliste sei der Mann seit Sommer 2019 als Zweiter Botschaftssekretär akkreditiert gewesen, habe den deutschen Sicherheitsbehörden aber als getarnter Mitarbeiter des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB gegolten, schreibt der "Spiegel".

Verwandt mit FSB-Vizedirektor?

Der 35-Jährige soll mit einem hochrangigen Beamten des 2. Dienstes des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB verwandt gewesen sein. Die Rechercheorganisation Bellingcat schrieb unter Bezug auf öffentlich zugängliche Quellen, dass er der Sohn des Vizedirektors des 2. Dienstes des FSB, der ebenfalls die FSB-Direktion für den Schutz der verfassungsgemäßen Ordnung leitet.

Verbindungen zum Tiergartenmord

Bellingcat verweist in einem Blogbeitrag auf Indizien, die eine Verbindung des 2. Dienstes des FSB zum Mord an einem tschetschenischstämmigen Georgier im Berliner Kleinen Tiergarten im August 2019 nahelegen.

Ein Bellingcat-Mitarbeiter hatte im Tiergartenmord-Prozess im April ausgesagt, dass der mutmaßliche Täter diversen Daten zufolge ein Schießübungsgelände außerhalb Moskaus und das FSB-Antiterrorzentrum in einem Vorort namens Balaschicha besucht hat.

Beide Einrichtungen sind Bellingcat zufolge dem 2. Dienst des FSB unterstellt. Auch westliche Geheimdienste bringen dem "Spiegel" zufolge diesen 2. Dienst mit dem Tiergartenmord in Verbindung.

Nach Bellingcat-Informationen gibt es zudem Verbindungen zwischen der Direktion für den Schutz der verfassungsgemäßen Ordnung zum Fall Alexej Nawalny. Demnach gehörten Beamte dieser Direktion zu der FSB-Einheit, die den Aktivisten vor seiner Vergiftung im August 2020 beschattete. Nawalny war nach seiner Nowitschok-Vergiftung an der Berliner Charité behandelt worden.

Keine Obduktion in Deutschland

Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes wollte aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes keine weiteren Angaben machen. Er sagte lediglich: "Der Fall ist dem Auswärtigen Amt bekannt." Der Leichnam des Mannes soll bereits nach Russland überführt worden sein. Einer Obduktion der Leiche in Deutschland stimmte die russische Botschaft nach "Spiegel"-Informationen nicht zu. Die Staatsanwaltschaft habe kein Todesermittlungsverfahren durchführen können, da der Tote Diplomatenstatus besaß. So bleibe unklar, ob es Hinweise auf Fremdverschulden gab.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 05. November 2021 um 15:03 Uhr.