Russlands Außenminister Sergej Lawrow | dpa

Fall Nawalny Russland droht EU mit Bruch

Stand: 12.02.2021 16:09 Uhr

Im Falle weiterer Sanktionen ist Russland laut Außenminister Lawrow auf einen Bruch mit der EU vorbereitet. "Wenn du Frieden willst - bereite dich auf den Krieg vor", sagte er. Das Auswärtige Amt nannte die Äußerung "befremdlich".

Russland hat der Europäischen Union mit einem Abbruch der Beziehungen gedroht. Russland wäre bereit, die formalen Beziehungen zu kappen, falls die EU im Zusammenhang mit der Inhaftierung des Kremlkritikers Alexej Nawalny neue Sanktionen verhängt, sagte Außenminister Sergej Lawrow im russischen Fernsehen.

"Wir wollen uns nicht vom Leben in der Welt isolieren, aber wir müssen darauf vorbereitet sein", sagte Lawrow in der Sendung des Journalisten Wladimir Solowjow. "Wenn du Frieden willst - bereite dich auf den Krieg vor."

Sollte Europa erneut Sanktionen verhängen, "die ein Risiko für unsere Wirtschaft darstellen (...), dann ja", antwortete der russische Außenminister nun auf Solowjows Frage, ob man auf einen Bruch mit Brüssel zusteuere. Solowjow gilt als einflussreiche Stimme der Kremlpropaganda.

Auswärtiges Amt: Aussage "befremdlich"

Der Kreml kritisierte wenig später, Lawrows Worte seien von einigen Medien verkürzt wiedergegeben worden. Es sei "ein großer Fehler", diese Aussagen ohne Kontext zu veröffentlichen, erklärte der Kremlsprecher Dmitri Peskow. "Der Punkt ist, dass wir das nicht wollen. Wir wollen die Beziehungen zur Europäischen Union ausbauen, aber wenn die Europäische Union diesen Weg beschreitet, dann ja, dann sind wir bereit."

Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts in Berlin nannte die Äußerung Lawrows "befremdlich". Die EU-Außenminister wollen wegen der Inhaftierung Nawalnys am 22. Februar über weitere Sanktionen gegen Russland beraten.

EU: Russland offenbar nicht bereit für Dialog

Wegen eines Giftanschlags auf Nawalny im August hatte die Europäische Union bereits im vergangenen Jahr Einreise- und Vermögenssperren gegen mutmaßliche Verantwortliche aus dem Umfeld Putins verhängt. Nawalny war in der vergangenen Woche zur Verbüßung von mehreren Jahren Straflager verurteilt worden, weil er gegen Bewährungsauflagen in einem früheren Strafverfahren verstoßen haben soll, während er sich in Deutschland von dem Attentat erholte.

EU-Kommissionssprecher Peter Stano sagte, die EU begrüße "Zusammenarbeit zum beiderseitigen Nutzen, wann auch immer die andere Seite bereit für solch eine Zusammenarbeit und solch einen Dialog ist". Russland habe angedeutet, dass es nicht bereit sei, "in diese Richtung zu gehen".

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 12. Februar 2021 um 13:11 Uhr.