US-Präsident Donald J. Trump und Vizepräsident Mike Pence

Parteitag der Republikaner Wisconsin überschattet US-Wahlkampf

Stand: 27.08.2020 08:16 Uhr

Mike Pence ist in der Nacht erneut für die US-Vizepräsidentschaft nominiert worden. In seiner Rede auf dem republikanischen Parteitag inszeniert er Trump als Mann, der sein Wort hält.

Von Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington

Vizepräsident Pence hält seine Rede in Fort McHenry, in Baltimore. Die Festung hatte 1814 der Bombardierung durch die Briten standgehalten. Die Ereignisse inspirierten Francis Scott Key zum Text der US-Nationalhymne - für Pence der Ort, um vor dem politischen Gegner zu warnen: "Letzte Woche hat Joe Biden nicht ein Wort über die Gewalt und das Chaos verloren, das Städte in unserem Land verschlingt. Die Gewalt muss Enden, ob in Minneapolis, Portland oder Kenosha."

Der dritte Tag der virtuellen Versammlung der Republikaner war endgültig überschattet von Schüssen in Kenosha im US-Bundesstaat Wisconsin. In der Nacht zum Montag hatte ein weißer Polizist dem schwarzen Amerikaner Jacob Blake sieben Mal in den Rücken geschossen. Aus Protesten gegen Polizeigewalt wurden Krawalle. Selbst ernannte Milizen und Gegendemonstranten kamen in die Stadt und ein 17-Jähriger ist festgenommen. Ihm wird vorgeworfen, zwei Menschen ermordet und einen weiteren mit Schüssen schwer verletzt zu haben.

Wisconsin könnte zentral für den US-Wahlkampf werden

Der Generalstaatsanwalt von Wisconsin, Josh Kaul fürchtet, der Fall Kenosha könnte nun zentral werden für den US-Wahlkampf. "Es gab so viel trennendes in jüngster Zeit. Es ist leicht für Politiker Spaltung zu schüren. Aber wir müssen zusammenfinden, wenn wir unsere Strafverfolgungsbehörden verbessern wollen, nach Gerechtigkeit suchen und unseren Gemeinschaften beistehen", so Kaul.

Das Basketball-Team der Milwaukee Bucks hatte aus Protest gegen die Schüsse auf Jacob Blake und Polizeigewalt das aktuelle Spiel in den NBA-Playoffs abgesagt. Weitere Teams und Mannschaften in Baseball und Fußball folgten.

Demokraten seien für Gewaltausbrüche verantwortlich

Doch parallel zeichnet der laufende virtuelle Parteitag der Republikaner ein komplett anderes Bild für die Anhänger von Präsident Trump. So macht die Gouverneurin von South Dakota, Kristi Noem, die Demokraten für die Gewalt verantwortlich. "Von Seattle und Portland bis nach Washington und New York - von Demokraten regierte Städte im ganzen Land werden von gewalttätigen Banden überrannt. Die Gewalt ist zügellos", sagte Noem. Es gebe Plünderungen, Chaos, Zerstörung und Mord und Menschen, die es sich leisten können zu fliehen, seien gegangen. "Aber die das nicht können, anständige, hart arbeitende Amerikaner, sind auf sich selbst gestellt", sagt Noem.

Michael McHale, Präsident der Gesellschaft für alle Polizeieinheiten im Land, reduziert die Realität für Trump-Anhänger auf eine einfache Formel: "Ihr habt die Wahl zwischen dem Präsidenten, der die Strafverfolgungsbehörden wie niemand vor ihm unterstützt oder den größten Polizeigegnern in der Geschichte." McHales Gesellschaft hat ihren Mitgliedern empfohlen für Trump zu stimmen. In Umfragen liegen die Republikaner gerade hinter den Demokraten. Aber das war auch vor vier Jahren so.

Pence‘ Worte haben Gewicht

Damals, als Kandidat für das Amt des Vize-Präsidenten musste Mike Pence den Wahlkampf von Donald Trump retten. Damals tauchte ein Video auf, in dem Trump behauptete, er könne sich als Promi gegenüber Frauen alles herausnehmen. Der Segen des Evangelikalen Pence machte die Kampagne wieder flott. Die Worte des Vizepräsidenten haben deshalb auch dieses Mal Gewicht für Trumps Wahlkampf.

"Er geht die Dinge auf seine eigene Art an. Und wenn er eine Meinung hat, dann teilt er sie mit", sagt Pence über Trump. Es bliebe auf jeden Fall interessant mit ihm. Wichtiger noch sei für Pence aber, dass Präsident Trump seine Versprechen gegenüber den Amerikanern gehalten habe. Und das ist zugleich Pence‘ wichtigste Botschaft an konservative Wähler: Trump mag wenig präsidial sein. Aber schaut: Die US-Botschaft in Jerusalem, die Reform der Strafverfolgung, die Besetzung wichtiger Richterposten mit konservativen Kandidaten oder die Unterstützung der Polizei - Trump stehe zu seinem Wort.  

Kenocha überschattet Tag drei des US-Republikaner-Parteitags
Torsten Teichmann, ARD Washington
27.08.2020 07:02 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 27. August 2020 um 12:00 Uhr.

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