Russlands Präsident Wladimir Putin | Bildquelle: AP

Russlands Präsident in Wien Putin zu Gast bei Freunden

Stand: 05.06.2018 03:30 Uhr

Der russische Staatschef darf sich in der österreichischen Hauptstadt auf einen warmen Empfang freuen. Die neue Regierungskoalition ist an einem guten Verhältnis zu Russland interessiert.

Von Clemens Verenkotte, ARD-Studio Wien

Österreich ist für Wladmir Putin nahezu ein vertrautes Territorium, findet Russland Experte, Professor Wolfgang Müller. Immer wieder sei der russische Staatspräsident in die Alpenrepublik gereist - in offizieller Funktion oder als Privatmann. "Man kann den Besuch Putins in Wien durchaus als eine Art Heimspiel betrachten", sagt Müller. "Er war mehrfach hier. Es gibt im Wesentlichen eine positive Haltung der Bevölkerung gegenüber guten Beziehungen zu Russland. Die Mehrheit der Bevölkerung möchte eigentlich in Frieden leben und keine Schwierigkeiten mit Russland haben."

Für Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz steht es um die Beziehungen zu Russland gut bestellt, ungeachtet der anhaltenden EU-Wirtschaftssanktionen gegen Moskau. Sein Land fungiere immer als eine Brücke, sowohl geografisch, als auch politisch, sagte Kurz der russischen Nachrichtenagentur TASS. "Ich halte es in diesem Zusammenhang für ein Glück, dass wir mit Russland so ein solides Fundament für den Dialog haben", so der Bundeskanzler.

"Leidige Sanktionen"

Österreich übernimmt von Anfang Juli an turnusgemäß für ein halbes Jahr die EU-Ratspräsidentschaft. Für Kurz bedeutet dies unter anderem, an der offiziellen EU-Haltung festzuhalten und gleichermaßen nach Wegen zu suchen, die sehr angespannten Beziehungen zwischen der Europäischen Union und Russland zu verbessern. Die Gewährleistung eines funktionsfähigen Waffenstillstands in der Ostukraine könnte da einen "wichtigen Beitrag leisten", so der Bundeskanzler. 

Der kleinere Koalitionspartner, die rechte FPÖ, tritt für eine Beendigung der Wirtschaftssanktionen gegen Russland ein. Ein "Umdenken" der Europäische Union sei wünschenswert, so FPÖ-Chef und Vize-Kanzler Heinz-Christian Strache. Es sei höchste Zeit, die "leidigen Sanktionen zu beenden und die Beziehungen zu Russland zu normalisieren", so Strache im Vorfeld der Putin-Visite.

Putin und Kurz | Bildquelle: dpa
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Trafen sich schon öfter: Putin und Kurz.

"Wir wollen nicht spalten"

Die FPÖ unterhält einen Kooperationsvertrag mit der Putin-Partei Einiges Russland. Hat sich die Russlandpolitik unter der neuen schwarz-blauen Bundesregierung verändert? Kaum, findet Professor Müller: "Nun hat allerdings die Regierungsbeteiligung der FPÖ noch keine unmittelbare Auswirkung auf den Regierungskurs gezeitigt. Es sind allerdings Begriffe wie eben die Brückenfunktion in der jüngeren Vergangenheit stärker auch vom ÖVP gestellten Bundeskanzler in den Mund genommen worden."

Gegenüber dem "ORF" erklärte Wladimir Putin in einem Exklusivinterview auf die Frage, warum die Partei des Präsidenten vor allem mit Parteien in Europa zusammenarbeite, die sehr EU kritisch seien: Man entscheide pragmatisch, mit wem man politisch enger kooperiere. "Wir verfolgen nicht das Ziel, jemanden oder etwas zu spalten. Wir sind vielmehr daran interessiert, dass die EU geeint ist und floriert, weil die EU unser wichtigster Handels- und Wirtschaftspartner ist", so Russlands Präsident weiter.

Putin wird am Mittag von Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen begrüßt: Nach politischen und wirtschaftlichen Gesprächen eröffnen die beiden Staatsoberhäupter im Kunsthistorischen Museum die Ausstellung "Die Eremitage zu Gast", bevor Putin am später Abend zurück nach Moskau fliegt.

Putin in Wien
Clemens Verenkotte, ARD Wien
04.06.2018 23:59 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 05. Juni 2018 um 05:05 Uhr und 06:11 Uhr.

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