Roman Protassewitsch

In Belarus inhaftierter Blogger Protassewitsch tritt überraschend vor Presse

Stand: 14.06.2021 19:29 Uhr

Der nach einer erzwungenen Flugzeuglandung in Belarus festgenommene Blogger Protassewitsch ist überraschend vor die Presse getreten. Er fühle sich ausgezeichnet, erklärte er. Doch daran gibt es Zweifel.

Gut drei Wochen nach seiner Festnahme ist der in Belarus inhaftierte Regierungskritiker Roman Protassewitsch überraschend bei einer Pressekonferenz aufgetreten. "Ich fühle mich ausgezeichnet", sagte er in Minsk. "Niemand hat mich geschlagen oder auch nur mit dem Finger berührt." Der Blogger wirkte gelöst. Er lachte mehrfach.

Zugleich wandte er sich an seine Eltern: "Mam, Pap, sorgt Euch nicht, mit mir ist alles völlig in Ordnung." Protassewitsch äußerte sich bei einem vom Außenministerium organisierten Auftritt, bei der die Behörden abermals ihre Sichtweise auf die Zwangslandung einer Passagiermaschine darlegten. Dabei sagte er, dass er Machthaber Alexander Lukaschenko nicht unterstütze, ihn aber als Menschen respektiere.

Opposition empört

Für die Opposition haben die Aussagen keinerlei Glaubwürdigkeit: Der Journalist sei "eine Geisel" der Regierung, twitterte der Berater der belarusischen Oppositionsführerin Swetlana Tichanowsjaka, Franak Viacorka. "Das ist keine Pressekonferenz, sondern eine Szene, die an Kafka oder Orwell erinnert."

Eine Journalistin meinte noch während der Pressekonferenz, dass sie nicht an die Freiwilligkeit der Aussagen glaube. Sie spielte damit auf ein Fernsehinterview vor gut einer Woche an, bei dem der Blogger eingeräumt hatte, Massenproteste gegen Lukaschenko organisiert zu haben. Protassewitschs Eltern hatten entsetzt auf das Interview reagiert und sahen darin das Ergebnis von Folter.

Der 26-Jährige widersprach der Journalistin und behauptete erneut, dass er bei den mehr als vierstündigen Aufnahmen "aufrichtig" gewesen sei. Journalisten des britischen Senders verließen aus Protest den Raum. Nach Ende der Pressekonferenz sprang Protassewitsch sofort auf und verließ den Raum.

Zwischenlandung in Minsk erzwungen

Der belarusische Machthaber Alexander Lukaschenko hatte vor gut drei Wochen eine Ryanair-Passagiermaschine auf dem Weg von Athen nach Vilnius zur Zwischenlandung in Minsk zwingen lassen. Er ließ danach den an Bord reisenden regierungskritischen Journalisten und Blogger Protassewitsch und seine Freundin Sofia Sapega festnehmen. Beide sitzen seitdem in Haft.

Die EU erließ daraufhin Sanktionen, um den Druck auf Lukaschenko zu erhöhen. Russlands Präsident Wladimir Putin dagegen empfing den Machthaber - und half ihm mit einem Großkredit. Putin betonte, Lukaschenko in der Konfrontation mit dem Westen weiter zu unterstützen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. Juni 2021 um 17:00 Uhr.