Trump Video

Gipfel in Singapur Trumps bizarres Video für Kim

Stand: 13.06.2018 09:41 Uhr

Es ist zu bizarr, um wahr zu sein: US-Präsident Trump hat Kim zur Einstimmung beim Gipfeltreffen eine Art Propagandavideo im Hollywood-Stil geschenkt. Es erzählt eine Heldengeschichte.

Von Lena Bodewein, ARD-Studio Singapur

Tanzende Koreaner in bunten Kleidern. Pferde, die übers Wasser galoppieren. Eine glänzende High-Tech-Zukunft mit virtueller Realität. Ein Nordkorea, das nicht mehr im Dunkeln liegt, mit gefüllten Supermarktregalen, gesunden Babys und sprießenden Äckern: Immer wieder ist Kim Jong Un zu sehen, der in geschichtsträchtigen Gesten mit dem südkoreanischen Präsidenten über die Grenze schreitet.

Viele Anwesende bei der Pressekonferenz von US-Präsident Donald Trump nach dem Gipfel glaubten, dass diese Bilder zu einem Propagandavideo Nordkoreas gehörten. Doch es ist ein von Trump in Auftrag gegebener Hollywood-Trailer für die Geschichte, die er schreiben möchte: "Nur eine kleine Zahl von Menschen wird einen bleibenden Einfluss hinterlassen. Und nur sehr wenige werden Entscheidungen treffen, die ihre Heimat erneuern und den Lauf der Geschichte verändern."

Wer könnte das nur sein? Wenig subtil werden Trump und Kim hier eingeblendet, der eine bei einer Rede vor den Vereinten Nationen, der andere winkend aus einem Flugzeug steigend. Zwei Männer, zwei Anführer, ein Schicksal: Das ist das Drehbuch, die Vorgabe und die Szenerie.

Was wäre, wenn ...

Die Helden, die als einzige die Herausforderung annehmen und auf die große Frage antworten können: Was wäre, wenn? Was wäre, wenn Kim Jong Un auf Trumps Werben nicht eingehe, suggeriert das tiefgründige Machwerk? Dann sehe Nordkorea so aus: Atomraketen steigen auf, hinterlassen Verwüstung, eine Welt in schwarz-weiß, leere Supermarktregale.

Aber wenn Kim auf Trump eingehe, dann könnte Nordkorea bald aussehen wie Singapur, mit funkelnder Skyline und wohlhabender Bevölkerung: "Aus der Dunkelheit kann das Licht kommen, und das Licht der Hoffnung kann hell leuchten. "

Trumps Maklerqualitäten

Plattitüden und abgeschmackte Szenen präsentieren eine historischen Begegnung. Zu bizarr, um wahr zu sein, schien es. Weltpolitik mit einer Mischung aus einem Hollywood-Blockbuster und einem Verkaufsvideo für Immobilienobjekte. Da kommt der Immobilientycoon in Trump zum Vorschein. Er benahm sich hier allerdings wie ein Makler: "Ich habe ihm gesagt, er könne das Ganze auch eine Nummer kleiner haben", erzählte er bei der Pressekonferenz. Prima Verkaufsstrategie, dem Kunden das Gefühl zu geben, er habe die Wahl.

"Aber ich sage Ihnen, er schaute sich den Film auf dem iPad an und ihm gefiel, was er sah. Glaube ich", sagte Trump. Der Makler hofft, seine Sache gut verkauft zu haben: Die Vergangenheit muss nicht die Zukunft sein. Mal sehen.

Die bizarre Hollywood-Diplomatie des Donald T.
Lena Bodewein, ARD Singapur
13.06.2018 08:18 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell Radio am 13. Juni 2018 um 09:07 Uhr.

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