Barack Obama

Obamas letztes Presse-Dinner Ein Abschied mit viel Selbstironie

Stand: 01.05.2016 08:09 Uhr

Es war ein Abend mit vielen Spitzen gegen politische Freunde und Gegner, aber auch gegen sich selbst: Bei seinem letzten Galadinner für die Korrespondenten des Weißen Hauses lief US-Präsident Obama zur Höchstform auf.

Andreas Horchler

Von Andreas Horchler, ARD-Studio Washington

Obama in Hochform: Das Ende der Republik hat noch nie besser ausgesehen, bemerkte der Präsident mit Blick auf den verfahrenen Wahlkampf um seine Nachfolge. Der US-Präsident gab sich ein wenig sentimental, weil es sein letzter Auftritt vor den beim Weißen Haus akkreditierten Korrespondenten war. Ein paar Monate vor seinem Ausscheiden hätten die Leute einfach keinen Respekt mehr. Sogar der britische Prinz George habe ihn im Bademantel empfangen, erzählte Obama. "Ein ziemlicher Schlag ins Gesicht."

Prinz George reicht dem US-Präsidenten Barack Obama bei dessen Besuch im Kensington Palast artig die Hand.

Auf diese Bademantel-Szene im Kensington Palast spielte Obama an.

Dann machte sich der Präsident über die Kandidaten beider Parteien lustig. Fans von Bernie Sanders fühlten das Feuer, "den Bern". Hillary Clinton dagegen stampfe den Hügel hinauf. Doch nächstes Jahr "wird zu dieser Zeit jemand anderes an diesem Fleck stehen, und jeder rätselt, wer sie wohl sein wird."

Obama über seine mögliche Nachfolge

Obama über seine mögliche Nachfolge

"Muss doch noch über Trump reden"

Die Dinge bei den Republikanern seien "etwas unsicher". Seine eigenen Zustimmungsraten gingen hinauf, das könne er sich gar nicht erklären, witzelte Obama, als im Hintergrund Fotos von Donald Trump und Ted Cruz eingeblendet wurden. Cruz kenne sich doch nicht einmal mit den amerikanischen Sportarten aus, nenne einen Basketballkorb einen Ring.

Dann täuschte Obama das Ende seiner Rede an. "Reingefallen, ich muss doch noch über Trump reden: Was der wohl gerade macht? Ein 'Trump Steak' essen, Beleidigungen an Angela Merkel tweeten?" Michael Bloomberg müsse es doch schmerzen, dass ein anderer New Yorker Milliardär bei den Republikanern vorn liegt. Doch Bloomberg könne im Gegensatz zu Trump Politik, sein Geld sei echt. "Und Trump kennt sich dafür mit Weltführern aus: Miss Schweden, Miss Argentinien, Miss Aserbaidschan", frotzelte Obama.

In Zukunft der "Couch Commander"

Bevor er bei einem ernsten Abschluss seiner Rede den Journalisten für ihren Dienst an der Demokratie dankte, nahm er sich selbst auf die Schippe. In einem Film mit John Boehner, dem ehemaligen Sprecher des Repräsentantenhauses, gab der Republikaner dem Präsidenten Tipps für den Ruhestand: Golf spielen und Fast Food essen. Schließlich bot der passionierte Raucher Boehner Obama sogar eine Zigarette an. Der Präsident hatte vor Jahren mit dem Rauchen aufgehört. In Zukunft ist Obama nicht mehr Commander in Chief, also Oberbefehlshaber, sondern "Couch Commander".   

Gastredner mit bitterbösen Bemerkungen

Larry Wilmore

Larry Wilmore sorgte für gespaltene Reaktionen beim Publikum.

Larry Wilmore von der "Nightly Show" fand als Gastredner mit harten Attacken gegen Journalisten und Bemerkungen zu Rassismus und Ungleichheit weniger Anklang als erhofft. Den Abend bezeichnete er als "Nacht der Nigger". Das kam nicht gut an. Genauso wie seine bitterbösen Bemerkungen zu Rassismus in Amerika, den Präsidentschaftskandidaten, dem Ende eines guten Journalismus. "Toll endlich einmal die Gesichter zu den Panama-Papieren zu sehen", sagte er und kassierte auch hier wenige Lacher.  

Erst ganz am Ende schien er zu den Zuhörern durchzudringen. In seiner Kindheit konnte ein schwarzer nicht einmal Quarterback einer Footballmannschaft werden, so Wilmore. Und er sagte wörtlich: "In ihrer Zeit zu leben, Mr. President, da ein schwarzer Mann die gesamte freie Welt anführen kann: Was das bedeutet, kann ich nicht in Worte fassen."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandradio Kultur am 01. Mai 2016 um 12:20 Uhr