Kroatiens Präsidentin Kolinda Grabar Kitarovic auf einer Wahlkampfveranstaltung in Zagreb | Bildquelle: AFP

Präsidentschaftswahl in Kroatien Grabar-Kitarovic will weitere Amtszeit

Stand: 22.12.2019 08:21 Uhr

Die Kroaten stimmen über einen neuen Präsidenten ab. Amtsinhaberin Grabar-Kitarovic stellt sich zur Wiederwahl. Ihr Abschneiden dürfte auch für Ministerpräsident Plenkovic entscheidend sein.

Von Clemens Verenkotte, ARD-Studio Wien

Samstagnachmittag, es regnet in Strömen, in Zagrebs Innenstadt schlendern Passanten an Weihnachtsständen und Auslagen der dekorierten Geschäfte entlang. Die Wahlentscheidung fällt so manchen nicht leicht. "Ich wähle zum ersten Mal, aber ich weiß noch nicht, wen ich wählen werde, niemand hat mich so richtig überzeugt, entweder Kolinda oder diesen Zonan Milanovic", meint ein junger Mann. "Ich hätte es gerne, dass es Arbeit für alle gibt und auch sonst alles was man braucht", meint eine junge Frau. Wer das aus ihrer Sicht schaffen kann? "Kolinda!"

Kolinda Grabar-Kitarovic weiß, dass es für sie sehr eng werden kann: Sie liegt in den jüngsten Umfragen mit einem hauchdünnen Vorsprung vor Ex-Regierungschef Zoran Milanovic, gefolgt - mit einigem Abstand - vom rechtsnationalen Popstar Miroslav Skoro.

Plenkovic unter Druck

Die amtierende Staatspräsidentin, die von der national-konservativen Regierungspartei HDZ nach Kräften unterstützt wird, beschwor bei ihrem letzten Wahlkampfauftritt in Zagreb ihre Anhänger, nicht nachzulassen: "Ich war Eure Präsidentin und ich bleibe Eure Präsidentin, mit Euch und für Euch, weil für uns unser Kroatien an erster Stelle ist."

Nicht allein für die Präsidentin steht viel auf dem Spiel, sondern auch für die Regierungspartei HDZ und ihren Vorsitzenden, Ministerpräsident Andrej Plenković: Sollte es Grabar-Kitarovic nicht in die Stichwahl in zwei Wochen schaffen, würde es parteiintern für Plenkovic eng werden. Er sei zu nachgiebig, vertrete nicht hart genug nationale Interessen, so Kritiker.

Kroatien übernimmt EU-Vorsitz

Im Herbst nächsten Jahres sind Parlamentswahlen. Am 1. Januar übernimmt Kroatien, seit 2013 Mitglied der EU, zum ersten Mal turnusgemäß die halbjährige Ratspräsidentschaft. Ein Erfolg Grabar Kitarovic wäre auch sein Erfolg - und umgekehrt. Im Interview mit dem ARD Studio Südosteuropa lässt Plenković keinen Zweifel aufkommen, dass sich die Amtsinhaberin durchsetzen werde:

"Wir haben Vertrauen in die gute und kluge Entscheidung des kroatischen Volkes, der kroatischen Wähler, die - da bin ich mir ganz sicher - erneut ihr Vertrauen mehrheitlich Präsidentin Kolinda Grabar-Kitarovic geben werden."

Bekannter Sänger will Präsident werden

Konkurrenz erhielt die Amtsinhaberin auch aus dem eigenen rechtsnationalen Lager - mit dem populären Volksmusik-Star und Sänger Miroslav Skoro: 57 Jahre alt, seit den Kriegsjahren landesweit mit seinen Songs populär, politisch im weit rechtsnationalen Lager. Die Streitkräfte kann er sich für den Grenzschutz vorstellen, die Begnadigung eines Kriegsverbrechers sei auch denkbar.

Letzten Umfragen des nationalen Senders HRT vom vergangenen Donnerstag zufolge kann die Präsidentin mit rund 28 Prozent und damit den ersten Platz rechnen, Ex-Regierungschef Zoran Milanovic von der Sozialdemokraten mit 26 Prozent und Miroslav Skoro 20 Prozent. Angesichts dieses Kopf-an-Kopf-Rennens wird die Entscheidung wohl erst bei der Stichwahl in zwei Wochen fallen.

Kroatien wählt neues Staatsoberhaupt
Clemens Verenkotte, ARD Wien
22.12.2019 00:29 Uhr

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Über dieses Thema berichtete am 22. Dezember 2019 MDR Aktuell um 05:11 Uhr und tagesschau24 um 11:00 Uhr.

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