Amtsführender Präsident Andrzej Duda, neben seiner Frau Agata Kornhauser-Duda und Tochter Kinga. | Bildquelle: AP

Präsidentenwahl in Polen Duda so gut wie wiedergewählt

Stand: 13.07.2020 09:45 Uhr

Mehr als 99 Prozent der Stimmen sind ausgezählt - der uneinholbare Sieger der Präsidentenwahl in Polen ist der nationalkonservative Amtsinhaber Duda. Damit hat das Land eine Richtungsentscheidung getroffen.

Kann der konservative Andrzej Duda sein Amt verteidigen, oder setzt sich sein eher liberaler Herausforderer Rafal Trzaskowski durch? Das war die Frage bei der Stichwahl um das Präsidentenamt in Polen gestern - und die Antwort steht nun so gut wie fest: Laut Wahlkommission kommt Duda nach Auszählung von mehr als 99 Prozent der Stimmen bei der Stichwahl am Sonntag auf 51,2 Prozent. Auf Trzaskowski entfielen demnach 48,8 Prozent. Die noch nicht ausgewerteten Stimmen würden das Ergebnis nicht mehr maßgeblich ändern, hieß es.

Knappes Rennen bis zuletzt

Die Stichwahl war bis zuletzt ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Prognosen nach Schließung der Wahllokale am Sonntagabend sahen Duda bereits knapp vorne. Der Vorsprung war jedoch zu dünn, der Ausgang der Wahl blieb in der Nacht offen. Duda sagte gleichwohl schon am Abend vor Anhängern: "Ich bin glücklich über meinen Sieg."

Im Wahlkampf hatte er besonders auf die Verteidigung konservativer Werte gesetzt. Der Wahlsieg dürfte die Vormachtstellung der nationalkonservativen Regierungspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS) nun weiter festigen. Duda ist ihr Verbündeter im Präsidentenamt, nun kann sie ihre Kontrolle der wichtigsten Institutionen im Land fortsetzen.

Herausforderer Trzaskowski sagte zu seinen Anhängern, "wahrscheinlich nie" zuvor sei der Ausgang einer polnischen Präsidentenwahl derart knapp gewesen. Der Warschauer Bürgmereister hatte im Wahlkampf versprochen, die Beziehungen zur EU zu verbessern, Sozialhilfeprogramme zu erhalten und sich für Toleranz einzusetzen. Er und seine Partei Bürgerplattform würden sich auf den Weg machen, um Polen zu verändern.

Hohe Wahlbeteiligung - trotz Corona

Ursprünglich war die Wahl für Mai angesetzt gewesen - zu einer Zeit, als Duda in den Meinungsumfragen noch einen deutlichen Vorsprung hatte. Wegen der Corona-Pandemie und verfassungsrechtlicher Bedenken wurde der von der PiS damals als reine Briefwahl geplante Urnengang jedoch verschoben. Dudas Beliebtheitswerte sanken seitdem erheblich. Das hat auch damit zu tun, dass Polen durch die Corona-Krise erstmals seit Ende des Kommunismus in eine Rezession gerutscht ist.

Die Wahlbeteiligung fiel nun mit 67,9 Prozent vergleichsweise hoch aus. Trotz der Corona-Pandemie hatten sich vor den Wahllokalen lange Schlangen gebildet. Die Wähler wurden aufgefordert, Masken zu tragen, sich die Hände zu desinfizieren sowie Rentnern, Schwangeren und Wählern mit Kindern den Vortritt zu lassen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. Juli 2020 um 09:00 Uhr.

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