US-Außenminister Pompeo und sein griechischer Amtskollege Dendias | Bildquelle: AFP

Militärkooperation verstärkt USA und Griechenland rücken zusammen

Stand: 05.10.2019 15:21 Uhr

Demonstrativer Schulterschluss, neue Militärstützpunkte - US-Außenminister Pompeo hat Griechenland bei seinem Besuch in Athen ausdrücklich gelobt. Deutliche Kritik gab es dagegen am Nachbarland Türkei.

Die Regierungen der USA und Griechenlands haben bei dem Besuch von US-Außenminister Mike Pompeo in Athen eine engere Zusammenarbeit vor allem im militärischen Bereich angekündigt. Auch bei Fragen der Wirtschaft und Energie wollen die beiden NATO-Staaten intensiver kooperieren. Das betonten Griechenlands Regierungschef Kyriakos Mitsotakis und Pompeo bei einer gemeinsamen Pressekonferenz.

Anschließend unterzeichneten Pompeo und sein griechischer Amtskollege Nikos Dendias nach Angaben des Staatsfernsehens ERT ein Protokoll zur Erweiterung der militärischen Zusammenarbeit. 

Pompeo sagte, Griechenland sei ein Stabilitätsfaktor in dem von Krisen erschütterten östlichen Mittelmeer. Eine engere militärische Zusammenarbeit werde auch positive Auswirkungen in anderen Bereichen wie etwa der Wirtschaft haben und US-Investitionen in Griechenland fördern.

US-Außenminister Pompeo und sein griechischer Amtskollege Dendias | Bildquelle: ORESTIS PANAGIOTOU/EPA-EFE/REX
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Die USA brauchen neue Stützpunkte, unter anderem für die Drohnenüberwachung.

Neue Stützpunkte für die USA

Wie aus Kreisen des Athener Außenministeriums zu erfahren war, können die USA künftig neben dem bisher ihnen zur Verfügung stehenden großen Marine- und Luftwaffenstützpunkt auf Kreta auch zwei Flughäfen in Mittelgriechenland bei Larisa sowie den strategisch wichtigen griechischen Hafen von Alexandroupolis nahe der Landgrenze zu Türkei für militärische Zwecke nutzen.

Die Beziehungen zwischen Athen und Washington sind im Zuge der Abkühlung zwischen Washington und Ankara enger geworden. Athen hofft auf diplomatische US-Hilfe angesichts wachsender Spannungen in der Ägäis mit der Türkei um Hoheitsrechte und in Zusammenhang mit der Zypernfrage.

Die USA wiederum bräuchten die Stützpunkte für ihre Aktionen im Nahen Osten und die Überwachung der Region von Südosteuropa bis hin zur Ukraine mit Drohnen, hieß es aus dem griechischen Verteidigungsministerium.

Das türkische Bohrschiff "Yavuz" | Bildquelle: AP
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Die "Yavuz" soll bald mit den Bohrungen vor Zypern beginnen.

Kritik an der Türkei

Pompeo kritisierte die Türkei wegen ihrer Erdgasbohrungen vor der Küste Zyperns: "Wir haben den Türken gesagt, dass illegale Bohrungen inakzeptabel seien." Man arbeite daran, "eine Lösung zu finden, der alle zustimmen können". Mitsotakis forderte die USA auf, sich dafür einzusetzen, die Spannungen im östlichen Mittelmeer abzubauen.

Derzeit befindet sich das türkische Bohrschiff "Yavuz" rund 50 nautische Meilen vor Zypern. Der türkische Energieminister Fatih Donmez kündigte an, dass mit den Bohrungen so bald wie möglich begonnen werden solle. Das EU-Mitglied Zypern sieht in den türkischen Erkundungen vor der Küste der geteilten Mittelmeerinsel einen Verstoß gegen internationales Recht. Auch die EU wertet die Bohrungen als illegal. Die Türkei dagegen argumentiert, sie schütze die Hoheitsrechte über ihrem Festlandsockel, außerdem müssten auch die türkischen Nordzyprer von den Rohstoffen profitieren können.

Im östlichen Teil des Mittelmeers sind große Öl- und Gas-Vorkommen entdeckt worden.

Zusammenstöße zwischen Polizei und Demonstranten

Am Rande des Besuchs gab es Zusammenstöße zwischen Polizei und überwiegend linken Demonstranten, die gegen die militärische Kooperation ihres Landes mit den USA sind. Die Polizei ging mit Tränengas und Schlagstöcken gegen die Randalierer vor, wie das Staatsfernsehen (ERT) berichtete. 

Schulterschluss mit Griechenland - Kritik an der Türkei
Michael Lehmann, ARD Istanbul zzt. Athen
05.10.2019 19:59 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. Oktober 2019 um 15:00 Uhr.

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