Polizisten räumen Barrikaden, die Demonstranten aufgebaut haben. | AFP

Nach Tod eines Schwarzen Wütende Proteste wegen Polizeigewalt

Stand: 28.05.2020 08:56 Uhr

Die Proteste nach dem dem Tod eines Afroamerikaners in Minneapolis eskalieren. Der 46-Jährige George Floyd starb nach einem Polizeieinsatz. US-Präsident Trump kündigte FBI-Untersuchungen an und kondolierte.

In der US-Großstadt Minneapolis haben am zweiten Abend in Folge Demonstranten ihrer Wut über den Tod eines Afroamerikaners nach einem Polizeieinsatz Luft gemacht. Die Demonstranten versammelten sich vor dem Polizeirevier, in dem die vier Beamten gearbeitet hatten, die wegen des brutalen Umgangs mit dem 46-jährigen George Floyd entlassen wurden.

Außerdem ist auf Handyvideos ist zu sehen, wie Demonstranten offenbar vor dem Haus eines Polizisten niederknieen, den sie für den Tod von Floyd verantwortlich machen, berichtet ARD-Korrespondent Torsten Teichmann. Sie rufen: "Ich kann nicht atmen". Das waren die Worte von Floyd, bevor er in Polizeigewahrsam starb.

Im Süden der Stadt eskalierte der Protest gegen Polizeigewalt in einem Einkaufsviertel. Laut Augenzeugen war auf Bildern von Lokalreportern zu sehen, wie Demonstranten einen Supermarkt plünderten und ein Geschäft für Autoersatzteile in Flammen aufging.

Stadt bittet Nationalgarde um Hilfe

Polizeichef Medaria Arradondo rief im Fernsehen zur Ruhe auf. Demonstranten warfen Steine und Feuerwerkskörper auf Polizisten. Die Stadt bat schließlich die Nationalgarde um Hilfe beim Einsatz gegen die Unruhen.

Der Bürgermeister von Minneapolis, Jacob Frey, hatte gestern auf einer Pressekonferenz gefragt, warum die vier Polizisten, die mutmaßlich für den Tod von Floyd verantwortlich sind, noch nicht festgenommen wurden. "Wenn Ihr das getan hättet, wenn ich es getan hätte, dann wären wir jetzt hinter Gittern. Ich habe keine Antwort auf meine Frage. Deshalb fordere ich den Staatsanwalt auf, den Polizisten, der die Festnahme durchgeführt hat, anzuklagen." Die vier am Einsatz beteiligten Beamten wurden entlassen, aber nicht angeklagt.

Demonstranten vor der Polizeistation in Minneapolis | AFP

Die Demonstranten versammelten sich vor der Polizeistation in Minneapolis. Bild: AFP

Trump spricht sein Mitgefühl aus

US-Präsident Donald Trump teilte mit, das Justizministerium und das FBI würden den Tod Floyds untersuchen. Zugleich sprach Trump den Angehörigen sein Mitgefühl aus.

Aufnahmen, die mit einem Mobiltelefon gemacht wurden, zeigen, wie bei der Festnahme ein Polizeibeamter dem am Boden liegenden George Floyd sein Knie minutenlang auf den Hals drückt. Wiederholt sagt der Afroamerikaner, er könne nicht atmen. Dann bewegt er sich nicht mehr.

Barrikaden brennen vor der Polizeistation in Minneapolis. | AFP

Barrikaden brennen vor der Polizeistation in Minneapolis. Bild: AFP

Polizei-Statement: Medizinische Notlage

Die Polizei Minneapolis teilte mit, zusätzlich zu den Ermittlungen des FBI werde der Vorfall werde intern untersucht. Bisher sei der Stand, dass die Beamten am Montagabend einem Notruf wegen eines Fälschungsdelikts in einem Geschäft nachgingen.

Die Polizisten hätten einen in einem Auto sitzenden Mann angetroffen, auf den eine Beschreibung des Verdächtigen gepasst habe. Als er auf Aufforderung der Beamten aus seinem Auto gestiegen sei, habe er sich ihnen körperlich widersetzt. "Die Beamten konnten dem Verdächtigen Handschellen anlegen und bemerkten, dass er in einer medizinischen Notlage zu sein schien", ergänzte ein Polizeisprecher. Sie hätten daher einen Krankenwagen gerufen.

Familie fordert juristisches Vorgehen

Der Anwalt Benjamin Crump twitterte, Floyds Familie habe ihn engagiert, um sie in diesem Fall von "missbräuchlicher, exzessiver und unmenschlicher Gewaltanwendung" zu vertreten. Die Polizei müsse zur Rechenschaft gezogen werden.

Afroamerikaner Opfer von Polizeigewalt

Fälle von exzessiver Polizeigewalt gegen Menschen mit dunkler Hautfarbe haben in den vergangenen Jahren in den USA immer wieder für Empörung in großen Teilen der Öffentlichkeit gesorgt. Solche Fälle führten zur Gründung der Bewegung "Black Lives Matter".

Mit Informationen von Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 28. Mai 2020 um 09:00 Uhr.

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Moderation 28.05.2020 • 12:26 Uhr

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