Journalisten warten auf die Bekanntgabe des Nobelpreises.

Nobelpreis für Forscher Kajita und McDonald Große Ehre für kleinste Teilchen

Stand: 06.10.2015 16:22 Uhr

Sie sind überall und unsichtbar. Neutrinos sind so trickreich, dass sie sich lange vor allen Messgeräten verstecken konnten. Die Entdeckung ihrer Masse verändert das Verständnis unserer Welt und brachte zwei Physikern nun den Nobelpreis ein.

Von Norbert Hansen, ARD-Hörfunkstudio Stockholm

In jeder Sekunde rasen unzählige Neutrinos durch uns durch: Alleine 70 Milliarden durch den Daumennagel eines Menschen pro Sekunde. Folgen hat das keine. Neutrinos kommen ziemlich rempelfrei durchs Leben. Im Schnitt schaffen sie eine Strecke von 1000 Lichtjahren, ohne irgendwo anzuecken. Schwache Wechselwirkung nennt man das.

In den 70 Milliarden Neutrinos sind auch nur die gezählt, die aus der Sonne kommen. Aus dem All kommen noch viel mehr. Die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften stellt deshalb die häufigsten Bewohner unseres Universums in den Mittelpunkt der Nobelpreisverleihung in diesem Jahr.

Drei Typen von Neutrinos

Zustandsänderungen - darum geht es bei der Forschung von Preisträger Arthur B. McDonald aus Kanada und Takaaki Kajita aus Japan. Sie haben gezeigt: Neutrinos kommen in drei verschiedenen Typen vor. Und sie können sich in einen jeweils anderen Typ umwandeln - und wieder zurück. Neutrino-Oszillation nennen die Physiker dieses Phänomen. In der Modebranche würde man wohl sagen: Er hat sich umgezogen.

Aus diesen Zustandsänderungen folgerten McDonald und Kajita, dass Neutrinos eine Masse haben müssen. "Diese Entdeckung bedeutet, dass Neutrinos, von denen man lange dachte, dass sie keine Masse hätten, doch eine Masse aufweisen, wenn auch nur eine sehr geringe", erklärt Anne L'Huillier, Professorin für Atomwissenschaften an der Königlich Schwedischen Akademie. "Und da es so viele davon gibt, verändert das unsere Sicht auf das Universum."

"Ein vollständigeres Verständnis der Physik"

Eine Einschätzung, die Preisträger McDonald teilt. Er wurde bei der Bekanntgabe in Stockholm per Telefon zugeschaltet. "Wenn man nicht wüsste ob sie Masse haben, wäre es schwierig sie in diese Theorien einzubauen. Sie geben uns ein vollständigeres Verständnis der Welt der Physik auf der fundamentalsten Ebene." Deshalb seien Neutrinos für die Wissenschaft von so großer Bedeutung.

Der Forscher selbst reagierte bescheiden auf seinen Preis und verwies lieber auf die Bedeutung der Elementarteilchen für sein Fachgebiet: "Neutrinos gehören zu den grundlegendsten Partikeln die wir nicht weiter teilen können."

So klein und unscheinbar die Teilchen auch sein mögen, sie haben eine große Bedeutung für die Physik. In Wissenschaftskreisen heißt es: Neutrinos werfen im Moment mehr neue Fragen auf, als sie alte beantworten. Viele Möglichkeiten also für weitere Forschung - und neue Nobelpreise für Physik.

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