Papst Franziskus bei einer Messe am 15. Dezember | Bildquelle: RICCARDO ANTIMIANI/EPA-EFE/REX

Entscheidung des Vatikan Kein "päpstliches Geheimnis" bei Missbrauch

Stand: 17.12.2019 13:56 Uhr

Die katholische Kirche will einen besseren Kampf gegen sexuellen Missbrauch ermöglichen. Bei Missbrauchsvorwürfen solle das "päpstliche Geheimnis" nicht mehr gelten, verfügte Papst Franziskus.

Papst Franziskus hat das sogenannte päpstliche Geheimnis bei Kindesmissbrauchsfällen in der katholischen Kirche für nichtig erklärt. Dieses werde nicht länger bei Missbrauchsvorwürfen, -verfahren und -entscheidungen unter dem katholischen Kirchenrecht angewendet, verfügte das Kirchenoberhaupt.

Die Maßnahme führt nach Angaben der Vatikanischen Medienplattform "Vaticannews" dazu, dass Aussagen in Kirchenprozessen auch an zivile Behörden gehen.

Kritiker sehen im "päpstlichen Geheimnis" bei Missbrauchsfällen eine Methode, um Pädokriminelle zu schützen, Opfer zum Schweigen zu bringen und die Strafverfolgung von Ermittlungen abzuhalten. Der Vatikan hatte lange argumentiert, die Vertraulichkeit sei nötig, um die Privatsphäre des Opfers zu schützen und den Ruf des Beschuldigten sowie die Integrität des Verfahrens nach Kirchenrecht zu bewahren.

Besserer Schutz für ältere Teenager

Der Vatikan wertet außerdem künftig kinderpornografische Aufnahmen als solche, wenn das Alter der betroffenen Minderjährigen unter 18 Jahren liegt. Zuvor lag es bei 14 Jahren, Franziskus ließ die Altersgrenze anheben.

Die Entscheidungen sind eine Folge des Anti-Missbrauchsgipfels im Vatikan im Februar, zu dem der Papst alle Bischöfe geladen hatte. Der Erzbischof von Malta und einer der engsten Papst-Berater beim Thema Missbrauch, Charles Scicluna, sprach von einer "epochalen" Entscheidung.

Der massenhafte Missbrauch von Kindern hatte die katholische Kirche in eine schwere Krise gestürzt. Der Druck auf den Vatikan ist immens gestiegen, seine internen Verfahren zu reformieren und mit der staatlichen Strafverfolgung zusammenzuarbeiten. Da er dem teils nicht nachkam, ist es in den vergangenen Jahren weltweit zu Polizeidurchsuchungen in Kircheneinrichtungen gekommen, etwa in Belgien, in den USA und in Chile.

Franziskus streicht "päpstliches Geheimnis" bei Kindesmissbrauch
Jörg Seisselberg, ARD Rom
17.12.2019 13:54 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. Dezember 2019 um 14:00 Uhr.

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