Erinnerung an Olof Palme. Am Tatort liegen Blumen | REUTERS

Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Mutmaßlicher Palme-Mörder identifiziert

Stand: 10.06.2020 11:33 Uhr

Vor mehr als 34 Jahren wurde der schwedische Ministerpräsident Olof Palme auf offener Straße erschossen. Jetzt haben die Ermittler den mutmaßlichen Täter identifiziert - trotzdem werden die Ermittlungen eingestellt.

Mehr als 34 Jahre nach dem bislang unaufgeklärten Mord an dem schwedischen Ministerpräsidenten Olof Palme haben die Ermittler nach eigenen Angaben den mutmaßlichen Täter ausgemacht. Weil der Mann bereits im Jahr 2000 gestorben sei, könne keine Anklage gegen ihn erhoben werden, gab der mit den Palme-Ermittlungen betraute Staatsanwalt Krister Petersson bekannt. Die Ermittlungen werden daher eingestellt.

Der mutmaßliche Täter war den Ermittlern bereits seit Längerem bekannt. Petersson sagte, es handle sich um einen Angestellten einer Versicherungsgesellschaft in der Nähe des Tatortes. In Medienberichten war der Mann daher stets als "Skandia-Mann" bezeichnet worden. Er soll Zugang zu Schusswaffen gehabt und Palmes Politik gehasst haben. Er wurde schon zu einem frühen Zeitpunkt in den Untersuchungen als Zeuge befragt, da er sich in der Tatnacht am Ort des Geschehens aufgehalten hatte.

Die Angaben mehrerer Augenzeugen passten damals auf den jetzt von Petersson genannten Mann. Der Verdächtige selbst gab bei Befragungen an, am Tatort gewesen zu sein. Er habe versucht, Palme wiederzubeleben und mit dessen Frau und der Polizei gesprochen. Die Zeugenaussagen erklärte er damit, dass er auch den Attentäter verfolgt habe und von Beobachtern mit diesem verwechselt worden sei. Später stufte ihn die Polizei als unglaubwürdigen und widersprüchlichen Zeugen ein, an dem sie kein weiteres Interesse habe.

Mord auf offener Straße

Olof Palme war am 28. Februar 1986 in der Stockholmer Innenstadt hinterrücks erschossen worden. Der sozialdemokratische Politiker war mit seiner Ehefrau Lisbet ohne Polizeischutz auf dem Rückweg von einem Kinobesuch, als ein Mann zwei Schüsse auf ihn abgab, von denen einer Palme tödlich verletzte. Seine Frau erlitt einen Streifschuss, den sie leicht verletzt überlebte. Der Täter entkam damals unerkannt. Palme war zu diesem Zeitpunkt seit knapp dreieinhalb Jahren wieder Ministerpräsident, nachdem er dieses Amt bereits von 1969 bis 1976 innegehabt hatte.

Gegen die Polizei wurden nach dem Mord schwere Vorwürfe aufgrund ihrer Fahndungsmethoden erhoben. Die Ermittlungen zur Tat waren zunächst nur schleppend in Gang gekommen, zahlreiche Ermittlungspannen ließen Verschwörungstheorien rund um den Mordfall entstehen. Insgesamt wurden mehr als 100 Personen zeitweise als verdächtig eingestuft. Im Juli 1989 wurde ein drogenabhängiger Kleinkrimineller als Täter verurteilt, in der nächsten Instanz allerdings aus Mangel an Beweisen wieder freigesprochen.

Palmes Politik war umstritten

In seinen zwei Amtszeiten setzte sich Palme international für Abrüstung und Verständigung ein. Viele würdigen ihn als Architekten des modernen Schwedens mit seinem ausgeprägten Wohlfahrtsstaat. Andere kritisieren ihn, weil er Steuererhöhungen durchsetzte und den Gewerkschaften mehr Einfluss einräumte. Wieder andere werfen ihm seine kritische Haltung gegenüber den USA und deren Krieg in Vietnam sowie sein Eintreten für Wirtschaftssanktionen gegen das Apartheidsregime in Südafrika vor.

Der Palme-Mord gilt als einer der größten Kriminalfälle Europas, die Ermittlungen zählen zu den umfassendsten und teuersten der Welt. Für Schweden stellen die Tat und die lange ausbleibende Aufklärung des Falls ein nationales Trauma dar.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. Juni 2020 um 12:00 Uhr.