Autobahn in Österreich | Bildquelle: picture alliance / Willfried Gre

Tempolimit in Österreich Mit 140 auf der Autobahn - für ein Jahr

Stand: 01.08.2018 10:46 Uhr

Seit heute gilt auf zwei Autobahnabschnitten in Österreich ein neues Tempolimit: 140 km/h statt 130 km/h sind erlaubt. Allerdings erstmal nur für ein Jahr: zu Testzwecken, heißt es.

In Sachen Tempolimit ist Österreich gespalten. Die einen sind dem Bleifuß zugetan und freuen sich, wenigstens zeitweise 140 Kilometer pro Stunde (km/h) fahren zu dürfen: "Weil ganz einfach die Autos dafür ausgelegt sind", sagen sie.

Die anderen können der testweisen Anhebung des Tempolimits nichts abgewinnen, sagt ein Gegner: "Ich glaube, die zehn km/h mehr bringen wenig Zeitersparnis bei mehr Unfallrisiko. Ich glaube, es bringt nichts und es ist vergebene Liebesmühe."

Unfallzahlen sollen ermittelt werden

Ab heute darf auf Initiative von Österreichs Verkehrsminister Norbert Hofer auf Teilstrecken der Westautobahn in Niederösterreich und Oberösterreich 140 statt 130 km/h gefahren werden. Ein Jahr lang, zu Testzwecken. "Autobahnen sind, das ist meine feste Überzeugung, gebaut worden, damit man zügig vorankommt. Nicht rast, sondern zügig vorankommt", sagte Verkehrsminister Hofer im ORF-Fernsehen. Deshalb soll jetzt getestet werden, welche Auswirkungen die zehn km/h mehr haben.

Luftqualität, Lärm, Durchschnittsgeschwindigkeiten und Unfallzahlen sollen ermittelt werden. Nach einem Jahr soll dann entschieden werden, ob und auf welchen Strecken Tempo 140 dauerhaft erlaubt werden soll. Zur Not auch gegen den Willen der Bundesländer.

Projekt ist umstritten

Das Pilotprojekt von Minister Hofer ist umstritten. Die Opposition ist geschlossen dagegen. Das Hauptargument: Tempo 140 werde keines der Probleme des modernen Autofahrens lösen. Außerdem wisse man jetzt schon auch ohne die Testphase, dass mehr Tempo auch mehr Probleme bedeute. Das sagt auch Markus Gangsterer vom Verkehrsclub Österreich:

"Zum einen ist es die völlig falsche Richtung. Wenn wir von Klimaschutz und von sauberer Luft sprechen - mehr Tempo bedeutet mehr Spritverbrauch und damit auch mehr CO2-Ausstoß und damit unverhältnismäßig mehr Schadstoffe, wie Stickoxide und Feinstaub. Und zum anderen ganz konkrete Nachteile auch für die Sicherheit, denn mehr Geschwindigkeit bedeutet immer auch mehr Risiko."

Kritiker zweifeln auch den Nutzen der Maßnahme an. Die Zeitersparnis durch die zusätzlichen zehn km/h sei minimal. Auf einer der Teststrecken betrage sie auf einer Länge von 46 Kilometern unter optimalen Bedingungen gerade mal 88 Sekunden, wie österreichische Medien vorrechnen.

"Tempo 140 bildet die Wirklichkeit ab"

Nach seinem Vorstoß aus der vergangenen Woche, die Führerscheinprüfung in türkischer Sprache abzuschaffen, sieht sich Hofer von der rechtspopulistischen FPÖ wieder mit dem Vorwurf konfrontiert, Symbolpolitik zu betreiben. Kritiker werfen ihm vor, ein widersinniges Projekt unter dem Motto "Endlich tut einer mal was für die Autofahrer" zu starten - um die FPÖ als Gegenmodell zu einer Verkehrspolitik zu positionieren, die das Auto als Feind betrachtet.

Der Verkehrsminister hingegen argumentiert, dass viele Autofahrer auch jetzt schon schneller fahren und man mit Tempo 140 die Wirklichkeit abbilde. Außerdem hätten die Zeiten sich geändert: "Und es hat sich auch die Art und Weise, wie Autos gebaut werden, völlig verändert. Die Fahrzeuge sind sicherer geworden, die Autobahnen sind sicherer geworden. Wir haben dieses Tempolimit 130 seit Anfang der 70er-Jahre. Und ich glaube, es ist Zeit, zu schauen, ob es möglich ist, maßvoll anzupassen."

Österreich testet Tempo-140-Begrenzung
Srdjan Govedarica, ARD Wien
01.08.2018 09:32 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 01. August 2018 um 18:20 Uhr.

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