Das Liederbuch der Burschenschaft Germania, ARD-Sendungsbild

Nazi-Liedbuch-Skandal in Österreich Burschenschaft soll aufgelöst werden

Stand: 31.01.2018 11:48 Uhr

Eine österreichische Burschenschaft mit antisemitischem Liedgut - und einem früheren Vize aus der jetzigen Koalitionspartei FPÖ. Der Skandal hat für die Wiener Verbindung der "Germania" nun das Aus zur Folge.

Als Folge des Skandals um ein Liederbuch mit antisemitischen Texten soll die Burschenschaft "Germania zu Wiener Neustadt" aufgelöst werden. Das kündigte Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz an. Ein entsprechendes Verfahren solle eingeleitet werden.

Die "Germania zu Wiener Neustadt" war vor rund einer Woche in die Schlagzeilen geraten. Die Texte in einem Liederbuch der Vereinigung verherrlichen den Nationalsozialismus und rufen sogar zum Mord an Juden auf. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das NS-Verbotsgesetz gegen vier Verdächtige, die für die Zusammenstellung und Illustration des Textbuches verantwortlich sein sollen.

Illustrationen von SPÖ-Politiker?

Ins Zentrum des Skandals rückte Udo Landbauer, Spitzenkandidat der rechtspopulistischen FPÖ bei den jüngsten Landtagswahlen in Niederösterreich und zeitweise stellvertretender Vorsitzender in der Burschenschaft "Germania zu Wiener Neustadt".

Ein Politiker in einer antisemitisch geprägten Burschenschaft? Die Kritik war groß: Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen forderte den Rücktritt Landbauers - doch der 31-Jährige lehnte das konsequent ab und betonte, er habe die Liedertexte nicht gekannt. Auch FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache sieht bislang keinen Anlass, Landbauer aus der Partei auszuschließen. Stattdessen kündigte die FPÖ an, eine Historikerkommission einzusetzen, um die Rolle der Burschenschaft in der eigenen Parteigeschichte aufzuarbeiten.

Anders reagierten die Sozialdemokraten. Wie nun bekannt wurde, zählt ein SPÖ-Mitglied zu den vier Verdächtigen, gegen die die Staatsanwaltschaft ermittelt. Der Mann soll das Textbuch illustriert haben. Die Partei hat ihn eigenen Angaben zufolge bereits ausgeschlossen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 31. Januar 2018 um 11:00 Uhr.

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