Geländewagen mit syrischer Polizei fährt auf Golanhöhen

Blutbad auf dem Golan Österreich untersucht Rolle seiner Blauhelme

Stand: 27.04.2018 23:29 Uhr

Neun Syrer geraten 2012 auf dem Golan in einen Hinterhalt und werden erschossen. Österreichische UN-Soldaten hatten sie offenbar nicht gewarnt. Das legt ein dem österreichischen "Falter" zugespieltes Video nahe.

UN-Blauhelme aus Österreich stehen im Verdacht, syrische Polizisten auf den Golanhöhen nicht vor einer Todesfalle gewarnt zu haben. Ein von der Wochenzeitschrift "Falter" veröffentlichtes Video scheint zu zeigen, wie neun Syrer in einem Hinterhalt in einem Kugelhagel sterben.

"Jetzt geht es gleich los"

Zunächst ist auf den Aufnahmen zu sehen, wie syrische Schmuggler einen Hinterhalt aufbauen. Die UN-Soldaten, die nur zu hören und nicht zu sehen sind, scheinen den Vorfall im September 2012 selbst gefilmt zu haben. Eine Stunde später filmen sie dann einen weißen Geländewagen, der in den Hinterhalt gerät. Vorher passiert der Wagen scheinbar einen österreichischen Wachposten - ohne, dass die Männer im Auto gewarnt werden. "Normalerweise musst du das dem Hund sagen", ist auf dem Video zu hören. "Jetzt geht es gleich los", sagt einer - kurz bevor die Männer im Auto unter Beschuss geraten. Neun Menschen sterben.

Vorwürfe gegen UN-Soldaten aus Österreich
tagesschau 20:00 Uhr, 28.04.2018, Michael Mandlik, ARD Wien

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Die Blauhelme besprechen im Video auch, ob sie die Syrer nicht hätten warnen sollen. Begründung: "Wenn da einer überbleibt, kommt er rüber und schießt uns ab", ist ein Mann zu hören. Nach dem von den Soldaten bezeichneten "Himmelfahrtskommando" diskutieren die Blauhelme darüber, ob es noch Sinn hat, einen Krankenwagen zu schicken.

Untersuchungskommission eingesetzt

Das Verteidigungsministerium in Wien hat nun eine Untersuchungskommission eingesetzt. "Die Vorfälle werden lückenlos und minutiös aufgeklärt werden", sagte Verteidigungsminister Mario Kunasek. Der Zwischenfall sei "in dieser Dimension" erst durch die dem "Falter" zugespielten Fotos und Videos bekannt geworden, hieß es in einer Stellungnahme.

Die Frage ist, ob die Soldaten wegen des UN-Mandats zur Untätigkeit verpflichtet gewesen seien oder ob sie die Männer im Auto hätten warnen müssen.

Eine multinationale UN-Truppe auf den Golanhöhen überwacht seit 1974 die Einhaltung des Waffenstillstandes zwischen Syrien und Israel. Österreich beendete 2013 seinen UN-Einsatz nach 39 Jahren - kurz nach dem Vorfall auf dem Video.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 28. April 2018 um 20:00 Uhr.

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