Ocean Viking (Archivbild) | Bildquelle: REUTERS

Seenotrettung im Mittelmeer "Ocean Viking" festgesetzt

Stand: 23.07.2020 08:36 Uhr

Italien nahm zuletzt wieder Menschen von privaten Rettungsschiffen auf. Jetzt hat die Küstenwache die ""Ocean Viking"" auf unbestimmte Zeit festgesetzt. Offizieller Grund: Sicherheitsmängel. Die Betreiber des Schiffes beklagen Schikane.

Italienische Behörden haben das private Rettungsschiff "Ocean Viking" im Hafen von Porto Empedocle auf Sizilien festgesetzt. Das teilte die Betreiberorganisation des Rettungsschiffes, SOS Mediterranée, mit. Dies sei nach einer elfstündigen Inspektion der ""Ocean Viking"" durch die Küstenwache geschehen.

Nach Angaben der italienischen Küstenwache seien dabei mehrere "technische und betriebliche Mängel" festgestellt worden. Die ""Ocean Viking"" habe mehr Personen befördert, als im Zertifikat für die Ausrüstung von Frachtschiffen angegeben ist.

"Neue Stufe behördlicher Schikane"

SOS Mediterranée hält die Festsetzung für nicht gerechtfertigt. Die Betreiberorganisation forderte die sofortige Freigabe des Schiffes und beklagte "eine neue Stufe behördlicher Schikane". Zwar komme es vor, dass bei die ""Ocean Viking"" bei Rettungseinsätzen mehr Menschen aufnehme, als in den Papieren angegeben, jedoch sollten diese nicht als "Passagiere" definiert werden.

Bei diesen handle es sich um "bei Seenotfällen Gerettete", also um Menschen, die vor dem Ertrinken bewahrt worden seien, so die Hilfsorganisation. Nach internationalem Seerecht sei deren Rettung Pflicht.

"Es ist offensichtlich, dass die italienischen Behörden in den vergangenen Monaten angebliche Sicherheitsmängel vorgeschoben haben, um die zivilen Rettungsschiffe vom Mittelmeer zu verdrängen", erklärte Verena Papke, Geschäftsführerin von SOS Méditerranée Deutschland der Nachrichtenagentur AFP. Durch die Festsetzung der "Ocean Viking" sei aktuell kein ziviles Rettungsschiff mehr im zentralen Mittelmeer im Einsatz.

Zuletzt war die "Sea-Watch 3" in Porto Empedocle festgesetzt worden. Die italienische Küstenwache hatte dies ebenfalls mit technischen und operativen Mängeln begründet.

Zuletzt 180 Menschen gerettet

Die ""Ocean Viking"" hatte am 25. und 30. Juni aus dem Mittelmeer 180 Menschen gerettet. Diese durften das Schiff Anfang Juli in Porto Empedocle verlassen, wo sie zwischenzeitlich wegen der Corona-Pandemie auf einer Quarantänefähre untergebracht worden waren.

Italien und Malta hatten sich in der Corona-Pandemie zu nicht sicheren Häfen erklärt. Trotzdem brechen Migranten von Libyen und Tunesien in Richtung Europa auf.

Rom und Valletta nahmen zuletzt zwar wieder Menschen von Schiffen auf, doch die Länder zögern mit der Zuweisung von Häfen oft lange. Sie fordern von anderen EU-Staaten regelmäßig Zusagen für die Weiterverteilung der Menschen.

Italienische Küstenwache setzt Rettungsschiff "Ocean Viking" fest
Verena Schälter, ARD Rom
23.07.2020 13:57 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Darstellung: