Feuerwehrmann an Notre Dame | Bildquelle: dpa

Notre-Dame Wer sind die Spender für den Wiederaufbau?

Stand: 16.04.2019 16:26 Uhr

Die Flammen waren noch nicht gelöscht, da kündigten erst die Pinaults und dann die Arnaults an, 100 und 200 Millionen Euro für den Wiederaufbau von Notre-Dame zu spenden. Wer sind die beiden Milliardärsfamilien?

Von Marcel Wagner, ARD-Studio Paris

Notre-Dame de Paris liegt in Schutt und Asche. Eine der berühmtesten Kirchen der Welt, die meistbesuchte Sehenswürdigkeit Europas, ist in der Nacht bei einem Brand schwer beschädigt worden. Doch schon geht es um einen möglichen Wiederaufbau und das viele Geld, das dafür benötigt wird. Extrem hohe Zusagen gab es dazu ziemlich schnell von zwei französischen Unternehmern.

"Man kann nicht unberührt bleiben"

Die Flammen loderten noch lichterloh aus dem Dachstuhl der Kathedrale von Notre-Dame, da dachte die Familie Pinault bereits daran, wie sie helfen kann - und tat es auch: "Mein Vater und ich selbst haben entschieden, mit sofortiger Wirkung 100 Millionen Euro bereitzustellen, um an dem nötigen Aufwand für den vollständigen Wiederaufbau von Notre-Dame teilzunehmen, hieß es in einer eilig verfassten, kurzen Mitteilung, die Henri Pinault, Sohn des Firmenpatriarchen Francois Pinault schon kurz nach Mitternacht verbreitete.

Francois-Henri Pinault | Bildquelle: picture alliance / SvenSimon
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Francois-Henri Pinault: Seine Familie besitzt Anteile an Marken wie Gucci oder Yves-Saint-Laurent.

Eine spontane, großherzige Ankündigung, die Henri Pinault am Morgen im Radiosender RTL persönlich noch einmal bekräftigte:

"Ich fühle mich in meinem Innersten tief berührt, das ist sehr persönlich. Ein Gefühl, dass ich mit vielen Menschen geteilt habe, die ich im Fernsehen gesehen habe, wie sie dieses schreckliche Schauspiel vor Ort mit ansehen mussten. Ich glaube, man kann nicht unberührt bleiben, wenn man Franzose und sogar Pariser ist. Das hat mich erschüttert. Deshalb wollte ich sofort reagieren."

Henri Pinault ist der Sohn von Francois Pinault, einem echten Selfmade-Milliardär aus der französischen Bretagne. Sein Geld machte er zunächst mit Holz und Möbeln, stieg später dann mit seiner Firmenholding Kehring ins Luxusgüter-Geschäft ein, wo die Familie heute große Anteile an Marken wie Gucci, Yves-Saint-Laurent und auch Puma besitzt. Nebenbei gilt er als einer der wichtigsten Kunstsammler in Frankreich.

Bernard Arnault | Bildquelle: AFP
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Bernard Arnault will sich mit 200 Millionen Euro an der Rekonstruktion von Notre Dame beteiligen.

Zwei Familien im Wettstreit

Zwei Leidenschaften - Kunst und Luxusgüter - die Francois Pinault mit einem anderen französischen Großunternehmer teilt: Bernard Arnault, seinerseits großer Anteilseigner von Unternehmen wie Christian Dior, Louis Vuitton oder der Champagnermarke Moet. Der Wettstreit, den die Familien Pinault und Arnault sich immer wieder in Sachen Luxusunternehmen und Kunstsammlung liefern, trug in Sachen Notre-Dame nun positive Früchte.

Die spontanen Spender für Notre-Dame

Die Spendenzusagen für den Wiederaufbau Notre-Dames kommen vor allem aus Frankreich, aber auch international wurde Hilfe versprochen. Die wichtigsten Geber im Überblick:

EINZELNE UNTERNEHMEN UND PRIVATPERSONEN :
Neben Pinault und Arnault versprach der Ölkonzern Total 100 Millionen Euro und die Haupteigner des Kosmetikkonzerns L'Oréal, die Familie Bettencourt 200 Millionen Euro. Der Milliardär Marc Ladreit will zehn Millionen Euro geben, der Bauriese Bouygues ebenfalls zehn Millionen Euro. Eine Million Euro kommt von der Beraterfirma Cap Gemini

Der Baukonzern Vinci kündigte eine Beteiligung an, ohne genaue Summen zu nennen. Ähnlich äußerte sich die größte französische Bank BNP Paribas. Der Verband der kleinen und mittleren Unternehmen (CPME) erklärte, er stehe mit seinem nationalen Netzwerk an Handwerkern zur Verfügung. Auch der Zusammenschluss der französischen Profifußballclubs versprach finanzielle Unterstützung. 

Der Chef der Holzfirma Charlois sagte AFP, er wolle rund 1300 Eichenbalken auftreiben, die nach seiner Einschätzung für die Erneuerung des Dachstuhls der weltberühmten Kirche nötig sind. Die brasilianische Milliardärin Lily Safra machte eine "großzügige Spende".

ÖFFENTLICHE HAND:
Die Stadt Paris will 50 Millionen Euro freistellen. Die Region Ile-de-France kündigte eine Soforthilfe von zehn Millionen Euro an. Weitere Regionen gaben Geld; zwei Millionen Euro kamen etwa aus Auvergnes Rhône Alpes. Die ungarische Stadt Szeged versprach 10.000 Euro. Die UN-Kulturorganisation Unesco versprach, bei der Restaurierung von Notre-Dame "an Frankreichs Seite" zu stehen. Deutschland und Italien kündigten Hilfe an, Russland will seine "besten Spezialisten" für die Restaurierung schicken.

SPENDENAKTIONEN
Die private Kulturerbe-Stiftung Fondation du patrimoine begann für die zerstörte Kathedrale zu sammeln. Weil die Website unter dem Ansturm immer wieder zusammenbrach, wurde eine andere Seite für die von Präsident Emmanuel Macron ausgerufene nationale Spendenaktion eingerichtet: Auf "rebatirnotredamedeparis.fr" kamen gegen Mittag bereits mehr als 11,5 Millionen Euro zusammen. Auch auf der Spenden-Plattform Leetchi wurde zu Hilfen aufgerufen. In New York rief die French Heritage Society ihre 450 Mitglieder zu Spenden auf. Im Europaparlament wurde eine Spendenbox aufgestellt.

Arnault verdoppelt auf 200 Millionen Euro

Nach der Spendenzusage der Konkurrenz zog die Arnault-Familie nicht nur nach, sondern verdoppelte sogar. 200 Millionen Euro werde sie spenden, teilte die Familie mit. Die Begründung, die Antoine Arnault, der Sohn des Patriarchen, lieferte, klang ganz ähnlich wie bei den Pinaults:

"Wir waren gestern alle ergriffen von den schrecklichen Bildern, die uns alle an einen Moment in unseren Leben oder unserer Kindheit erinnert haben. Als wir diese Kathedrale zwar nicht zusammenstürzen, aber doch brennen gesehen haben, haben wir uns gesagt: Wir müssen etwas tun. Etwas, das stark und notwendig ist."

Antoine sagte außerdem zu, dass sämtliche Mitarbeiter der Firmengruppe mit ihrem Wissen und Können beim Wiederaufbau helfen werden. Dass die Arnaults tiefer in die Tasche greifen, ist nicht verwunderlich, schließlich wird ihr Familienvermögen auf rund 75 Milliarden Dollar geschätzt und gehört damit zu den Top-Ten weltweit. Die Pinaults müssen sich mit geschätzten 30 Milliarden Dollar begnügen. Die gemeinsam gespendeten 300 Millionen Euro dürften ein gutes Startkapital für den Wiederaufbau von Notre-Dame sein.

300 Millionen für Notre-Dame
Marcel Wagner, ARD Paris
16.04.2019 14:53 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. April 2019 um 16:00 Uhr.

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