Deutsche Truppen auf dem Fahrrad während des 2. Weltkrieges in Norwegen | Bildquelle: picture-alliance / United Archiv

Norwegen im Zweiten Weltkrieg Entschuldigung bei "Deutschenmädchen"

Stand: 18.10.2018 11:48 Uhr

Öffentliche Misshandlungen, Vertreibung, Exil: Tausende Norwegerinnen, die sich während des Zweiten Weltkriegs mit Deutschen eingelassen hatten, wurden von ihren Mitbürgern ausgegrenzt. Nun entschuldigte sich Norwegen offiziell dafür.

Mehr als 70 Jahren nach Ende des Zweiten Weltkrieges hat sich Norwegen offiziell für die Art entschuldigt, in der Frauen behandelt wurden, die ein Liebesverhältnis zu einem deutschen Soldaten eingegangen waren. Ministerpräsidentin Erna Solberg sagte: "Die norwegischen Behörden haben den Grundprinzipien des Rechtsstaats zuwidergehandelt. Kein Bürger darf ohne Urteil oder Gesetz verurteilt werden."

Schätzungen zufolge ließen sich während der deutschen Besatzung von 1940 bis 1945 bis zu 50.000 Norwegerinnen auf einen deutschen Soldaten ein. Prominentester Fall: Die Eltern von ABBA-Sängerin Anni-Frid Lyngstad. Lyngstads norwegische Mutter war eine Bindung mit dem deutschen Besatzungssoldaten Alfred Haase eingegangen. Nach der Geburt ihrer Tochter wurde sie aus der Bergbausiedlung in Narvik vertrieben und zog nach Schweden. Etwa 12.000 Kinder mit deutsch-norwegischen Eltern wurden in dieser Zeit registriert.

Die schwedische Popgruppe ABBA 1978. | Bildquelle: dpa
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Prominentes Kind einer deutsch-norwegischen Liaison: Die ABBA-Sängerin Anni-Frid Lyngstad, Zweite von rechts.

Tausende Frauen wurden öffentlich misshandelt

Nach dem Krieg wurden die Frauen als "Tyskerjenter" ("Deutschenmädchen") beschimpft. Tausende wurden öffentlich misshandelt, kahlgeschoren und interniert. Sie verloren ihre norwegische Staatsbürgerschaft und wurden außer Landes geschickt. Solberg räumte ein, dass die Entschuldigung sehr spät komme. Die meisten dieser Frauen leben inzwischen nicht mehr. Grund sei, dass es lange gedauert habe, bis jemand seine Geschichte erzählen wollte. Erst in den letzten Jahren sei das Ausmaß bekannt geworden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk24 am 18. Oktober 2018 um 11:00 Uhr.

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