Straßenszene in Lagos, Nigeria | Bildquelle: REUTERS

Nigeria sucht neuen Präsidenten Wenn Wachstum nicht reicht

Stand: 15.02.2019 12:09 Uhr

Die größte Volkswirtschaft Afrikas wählt einen neuen Präsidenten. Der steht vor gewaltigen Aufgaben: Die Bevölkerung Nigerias wächst rapide und die Wirtschaft kann nicht Schritt halten.

Von Jens Borchers, ARD-Studio Rabat

Es ist relativ leicht, Nigerias größtes wirtschaftliches Problem zu definieren. Tope Toogun, Wirtschaftsforscher bei der Denkfabrik "Nigerian Economic Summit Group", formuliert die Herausforderung kurz und knapp: "Zwischen 1990 und jetzt hat sich Nigerias Bevölkerung von 95 Millionen auf fast 200 Millionen verdoppelt."

Eine Verdopplung der Bevölkerung innerhalb von nur drei Jahrzehnten - Nigerias Wirtschaftswachstum kommt da einfach nicht hinterher. Als dann auch noch vor vier Jahren die Rohölpreise in den Keller sackten, geriet Nigeria in die Rezession. Mittlerweile wächst die Wirtschaft wieder, aber auf viel zu niedrigem Niveau.

Zu wenige Arbeitsplätze für junge Menschen

Denn all die jungen Menschen, die Jahr für Jahr neu auf den Arbeitsmarkt strömen, finden keine Jobs. Die offizielle Arbeitslosenquote liegt aktuell bei 23 Prozent.

Doyin Salami, Wirtschaftsprofessor an der Business School in Nigerias Wirtschaftsmetropole Lagos, ist einer der profiliertesten Analytiker der Situation. Salami versucht immer wieder, öffentlich auf  die Grundprobleme des Landes aufmerksam zu machen. Er betont: "Wir müssen wachsen! Wenn Nigeria nicht sehr schnell zweistellige Wachstumsraten erzielt, und zwar über mindestens ein Jahrzehnt hinweg, dann sind die sozialen Konsequenzen unvorstellbar."

Blick über die Hafenstadt Lagos
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Die Hafenstadt Lagos ist die wichtigste Wirtschaftsmetropole des Landes.

Wirtschaftswachstum allein reicht nicht

Salami weiß außerdem: Einfach nur Wachstum wird nicht helfen. "Nigeria braucht inklusives Wachstum", sagt er und meint damit: Alle sozialen Schichten müssten an den  Früchten des wirtschaftlichen Erfolgs beteiligt werden, also auch die Armen. Immer noch lebt etwa die Hälfte der Bevölkerung von weniger als zwei US-Dollar pro Tag.

Für das laufende Jahr sind etwa zwei Prozentpunkte Wirtschaftswachstum vorhergesagt. Für den Riesen Nigeria ist das zu wenig. Hinzu kommt: Das Land ist zu wenig attraktiv für Investoren. Das liegt an der grassierenden Korruption und rechtlichen Unsicherheiten, aber auch an einem niedrigen Bildungsniveau und wenig qualifizierten Arbeitskräften.

Starke Abhängigkeit von Öl und Gas

Das Resultat all dieser Faktoren: Die Industrie wächst nur mäßig und die Produktivität in der Landschaftwirtschaft sinkt, anstatt zu steigen. Eigentlich braucht die bisher so stark von Öl und Gas abhängige Wirtschaft dringend Wachstum in anderen Sektoren - in denen passiert aber kaum etwas.

Toogun, der Forscher bei der "Nigeria Economic Summit Group", mahnt außerdem: Ohne Zukunftsinvestitionen läuft Nigeria weiter in die Krise: "Es geht um drei Bereiche: Bildung, Gesundheit, Beschäftigung. In allen drei Bereichen fallen wir durch."

Wahlplakate des Präsidentschaftskandidaten und amtierenden Präsidenten Nigerias, Muhammadu Buhari. | Bildquelle: AFP
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Plakate für die Präsidentschaftswahl am 16.02.2019.

Wahlkampfthema Wirtschaft

Im Wahlkampf versprach der amtierende Präsident Muhammadu Buhari ein "Weiter so". Buhari will zwar Nigerias ölabhängige Wirtschaft diversifizieren, das geht aber bestenfalls schleppend voran.

Sein Kontrahent Atiku Abubakar verspricht wirtschaftlichen Erfolg durch Privatisierung. Der dickste Brocken ist der staatliche Erdölkonzern NNPC (Nigerian National Petroleum Company). Abubakar will einen Rückzug des Staates aus dem Unternehmen - zumindest teilweise. Was genau das Ziel der Privatisierung wäre, und was sie für die Einnahmesituation des Staates bedeuten würde, das verrät der Kandidat der Volkspartei PDP nicht.

Wirtschaftslähmung und Wahlkampf – Nigeria sucht neuen Präsidenten
Jens Borchers, ARD Rabat
15.02.2019 10:47 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. Februar 2019 um 18:40 Uhr.

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