In Abuja stehen die Namensschilder der noch immer entführten Chibok-Mädchen. | Bildquelle: REUTERS

"Chibok-Mädchen" in Nigeria Seit fünf Jahren verschleppt

Stand: 14.04.2019 21:29 Uhr

Noch immer sind 112 junge Nigerianerinnen aus Chibok in der Gewalt der Terrorgruppe Boko Haram. Die "Bring back our Girls"-Kampagne will sich damit nicht abfinden. Sie ist enttäuscht von der Regierung.

Von Jens Borchers, ARD-Hörfunkstudio Rabat

Es war einer der besten Tage im fünfjährigen Drama um die entführten Schülerinnen aus Chibok. 82 freigelassene junge Frauen sitzen im Mai 2017 in einem Saal des Präsidentenpalastes in Nigerias Hauptstadt Abuja. Die Fernsehbilder von diesem Empfang zeigen müde Gesichter; starr und mit leerem Blick sitzen viele Schülerinnen dort, während ihnen Versprechungen gemacht werden.

"Wir werden das Beste für sie tun, was wir können", sagte eine Ärztin im Namen der Regierung. "Das wird das Beste sein, was sie auf der Welt bekommen können." Die jungen Frauen reagierten mit Schweigen.

Die Regierung hatte angeblich fünf Boko-Haram-Kommandeure freigelassen und etwa drei Millionen Euro an die Terrororganisation gezahlt. Das soll der Preis für die Freilassung der 82 jungen Frauen gewesen sein. Offiziell bestätigt wurde das nie. Zuvor waren schon 21 Schülerinnen befreit worden, andere konnten fliehen.

"Wir bekommen keine Informationen"

Noch immer sind 112 ehemalige Schülerinnen in der Gewalt der Terrorgruppe Boko Haram. Und noch immer treffen sich täglich Mitglieder der Initiative "Bring back our girls" in Abuja zu einem "Sit out". Sie wollen die Erinnerung an die Frauen wach halten.

Aber was wissen sie über ihr Schicksal? Fatima Abba Kaka von "Bring back our girls" sagt: "Ganz ehrlich: Nichts! Wir bekommen keine Informationen vom Militär oder von der Regierung. Niemand sagt etwas. Totale Stille."

Fatima Abba Kaka macht der nigerianischen Regierung bittere Vorwürfe. Ihr Eindruck ist, die Politik habe die Chibok-Mädchen vergessen.  

Hat die Regierung zu wenig getan?

Ob etwas im Hintergrund passiert, um die jungen Frauen zu befreien, ist nicht bekannt. Viele sagen, die nigerianische Regierung habe zu wenig getan, um die Chibok-Mädchen zu retten.

Adoabi Nwaubani sagt, das sei nicht fair. Sie hat lange recherchiert und schließlich ein Buch über deren Schicksal geschrieben. Nwaubani meint, die "Bring back our girls"-Kampagne habe gewirkt. Vor und nach der Chibok-Entführung seien schon Tausende andere Mädchen verschleppt worden. Durch "Bring back our girls" habe die Regierung reagiert: "Dadurch war die Regierung gezwungen, gegen Boko Haram vorzugehen, und diese vergessenen Mädchen wurden gerettet."

Der Vater eines entführten Mädchens hält eine alte Fotografie hoch. | Bildquelle: AFP
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Der Vater eines entführten Mädchens hält eine alte Fotografie hoch.

Der schwierige Weg zurück

Die geretteten Frauen und Mädchen haben sexuelle Gewalt, militärische Auseinandersetzungen und Gefangenschaft erlebt. Einige Chibok-Mädchen leben mittlerweile in den USA, können dort die Schule besuchen, manche studieren. Andere sind in ihr Heimatdorf Chibok zurückgekehrt und versuchen dort, wieder in ein normales Leben zurückzufinden. So gut es irgendwie geht.

Mehr als hundert Chibok-Mädchen seit fünf Jahren in Gefangenschaft
Jens Borchers, ARD Rabat
14.04.2019 18:28 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 14. April 2019 um 16:12 Uhr.

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