Zwei Hände zählen US-Dollarnoten. | Bildquelle: AP

Reichensteuer gefordert New Yorker Millionäre wollen mehr zahlen

Stand: 14.02.2019 09:39 Uhr

"Nehmt uns endlich unser Geld ab und tut Gutes damit!" Amerikas "Patriotische Millionäre" scherzen nicht. Ihr Sprecher forderte vor der Regierung des Bundesstaats New York eine "Multimillionärs-Steuer".

Von Antje Passenheim, ARD-Studio New York

Morris Pearl, Ex-Vorstandschef der Fondsgesellschaft BlackRock und Sprecher der Gruppe von Superreichen, will die Augen nicht länger verschließen: "Wir sehen doch: Die Reichen werden reicher. Und alle anderen haben an dieser guten Wirtschaft nicht teil." Das soll sich ändern, meinen die selbsternannten "Patriotischen Millionäre". Und zwar für jeden Haushalt, der mehr als fünf Millionen Dollar im Jahr verdient und von der guten Wirtschaftslage profitiert.

"Dem Aktienmarkt geht’s gut, mein Reichtum vermehrt sich drastisch, den Treuhandfonds meiner Kinder geht es gut. Aber viele Amerikaner profitieren davon nicht und müssen kämpfen, um durchzukommen", meint Pearl.

Sonnenuntergang hinter der Brooklyn Bridge neben der Skyline von Manhattan in New York City. | Bildquelle: AFP
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Im Bundesstaat New York werden die höchsten Steuern des Landes gezahlt.

Reichensteuer für mehr Umverteilung

Die Reichensteuer soll nach Vorstellung der Multis Lücken stopfen: Mit dem Geld könnte bezahlbarer Wohnraum geschaffen, Schulen gebaut und eine bessere Infrastruktur bereitgestellt werden. Die "Patriotischen Millionäre" haben sich bereits unter Präsident Barack Obama formiert - für eine bessere Umverteilung. Die Steuerreform von Präsident Donald Trump, die vor allem die Reichen gutstellt, ist für sie ein herber Rückschlag. Und sie seien keine kleine Gruppe von Illusionären, sondern in erster Linie Geschäftsleute und Investoren, von pensionierten Google-Chefs bis zu Ex-Wallstreetbankern, betont Pearl.

Besonders viele "Patriotische Millionäre" in New York

40 der rund 200 Mitglieder kommen aus  New York - dem Bundesstaat, in dem ohnehin schon mit die höchsten Steuern des Landes gezahlt werden. Die reichsten ein Prozent der New Yorker haben dort ein Drittel des Einkommens. Wenn sie mehr Steuern zahlen, dann müssen sie trotzdem nicht auf private Flugzeuge oder Boote verzichten, meint auch Walt Disney-Erbin Abigail Disney. Auch sie ist bei den "Patriotischen Millionären" - ein Verbund, der zu 99 Prozent aus Demokraten besteht. Sprecher Pearl stellt fest: "Früher oder später - wenn die Reichen immer reicher werden - dann werden die Menschen das nicht mehr akzeptieren. Deshalb haben viele doch Trump gewählt. Und jetzt sehen sie: Da ändert sich auch nichts. Dafür hat Amerika doch auch nicht gewählt."

Kritik an Vorschlag der Millionäre

Kommt gar nicht in Frage - protestiert dagegen New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo. Er warnt: Die Millionäre zahlen im Hochsteuer-Bundesstaat  New York die Hälfte aller Abgaben. Bislang konnten sie dies mit geringeren Zahlungen der Bundessteuer ausgleichen. Doch nach der Steuerreform der Trump-Regierung geht das nicht mehr. Cuomo brachte diese Klage sogar diese Woche im Weißen Haus vor. Er argumentiert: "Sie erhöhen die Steuern in demokratischen Staaten und reduzieren sie in republikanisch dominierten. Ich glaube, das hat zum Ziel, dass die Geschäftsleute in konservative Bundesstaaten abwandern." Schon jetzt seien viele Millionäre in andere Bundesstaaten gezogen. "Die Leute stimmen eben mit ihren Füßen ab."

New Yorker Millionäre wollen mehr Steuern zahlen
Antje Passenheim, ARD New York
14.02.2019 08:34 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 14. Februar 2019 um 01:56 Uhr und 03:55 Uhr.

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