Ein Polizist steht vor dem abgesperrten Times Square in New York  | AFP

New York nach dem Anschlagsversuch "Lebt weiter, geht zur Arbeit"

Stand: 12.12.2017 01:13 Uhr

Mitten im Berufsverkehr knallt es am New Yorker Times Square. Ein 27-Jähriger will sich mit einer selbstgebauten Rohrbombe in die Luft sprengen. Doch diese explodiert nicht vollständig, vier Menschen werden verletzt. Präsident Trump fordert strengere Einwanderungsgesetze.

Von Georg Schwarte, ARD-Studio New York

Sirenen, morgens um 7.30 Uhr. Der Times Square und die Port Authority, die Herzschlagader für den morgendlichen New Yorker Berufsverkehr, sind abgeriegelt. Minuten vorher, unten im Fußgängertunnel ereignete sich eine Explosion.

Georg Schwarte ARD-Studio New York

"Es war so laut, dass meine Ohren klingelten", erzählt Shaun Monroe, ein Putzmann in der Metrostation am Times Square. Dieser Tunnel ist der am meisten genutzte aller 472 U-Bahnstationen New Yorks. Die Explosion habe ausgesehen wie in einem Spielfilm, so Monroe. "Es war Wahnsinn."

Auf den Sicherheitskameras ist später der Moment zu sehen. Erst Rauch, dann Panik. Ein Selbstmordanschlag mitten im Berufsverkehr von New Yorks meistgenutzter U-Bahnunterführung. "Das ist was mich betrifft, der schlimmste Alptraum. Ein Terrorangriff im U-Bahnsystem, dort wo so viele Menschen sind", sagt der Putzmann.

Nur das Pulver explodierte

Keine zwei Stunden später steht New Yorks Gouverneur Cuomo oben neben dem Bürgermeister und dem Polizeichef. Die Bilanz des morgendlichen Schreckens: Vier Verletzte - nur. Denn nur das Pulver in der Bombe, die der 27-jährige Selbstmordattentäter am Körper trug und zündete, die Rohrbombe selbst detonierte nicht.

Am schwersten traf es den Täter selbst: Verbrennungen am Oberkörper und Schnittwunden. Die drei Passanten erlitten leichte Verletzungen. Der Mann ist schnell identifiziert: Vor sieben Jahren reiste er aus Bangladesch in die USA ein, bis 2015 arbeitete er als Taxifahrer. Laut Bürgermeister de Blasio gibt es bisher keine Hinweise auf frühere Straftaten, auch über eine mögliche Radikalisierung des Mannes ist nichts bekannt.

Der Gouverneur von New York, Cuomo, spricht nach dem versuchten Anschlag nahe des Times Squares, neben ihm Bürgermeister de Blasio. | REUTERS

Der Gouverneur von New York, Cuomo (links), spricht nach dem versuchten Anschlag nahe des Times Squares, neben ihm Bürgermeister de Blasio. Bild: REUTERS

Nachbarn beschreiben den Mann als wütenden, unfreundlichen Menschen. Später heißt es, er habe den Ermittlern erklärt, den Anschlagsort wegen der Weihnachtsdekoration ausgewählt zu haben. Vorbild seien die Anschläge auf Weihnachtsmärkte in Europa gewesen. Der Anschlag war angeblich die Rache für amerikanische Luftangriffe auf Stellungen der IS-Terroristen in Syrien. Der Sprengsatz war jedoch amateurhaft zusammengebaut. New York hatte großes Glück.

Trump: "System muss dringend reformiert werden"

Ein wütender Mann und eine Anleitung zum Bombenbau im Internet, das seien wohl die Zutaten gewesen, sagt Cuomo. "Wir müssen uns anschauen, warum diese Informationen im Netz immer noch frei zugänglich sind", so der Gouverneur.

US-Präsident Donald Trump ließ mitteilen, dass der Anschlag erneut belege, dass das Einwanderungssystem im Land dringend reformiert werden müsse.

Der Busbahnhof ist inzwischen längst wieder geöffnet. Die U-Bahnen fahren, der Times Square lebt - und mit ihm die New Yorker. Ende Oktober hatte es den letzten Anschlag gegeben, damals starben acht Menschen. Wir sind ein potentielles Ziel, sagt der Bürgermeister de Blasio auch jetzt. Aber, auch das sagt er seinen New Yorkern während die Sirenen im Hintergrund heulen: "Lebt weiter. Und geht zur Arbeit."

Über dieses Thema berichtete das nachtmagazin am 12. Dezember 2017 um 00:15 Uhr.