JaVale McGee von den Los Angeles Lakers (R) und Theo Pinson von den Brooklyn Nets (L). | Bildquelle: AFP

NBA-Boykott in China Zwischen Vaterlandsliebe und Basketball

Stand: 11.10.2019 12:51 Uhr

Weil ein NBA-Manager Sympathien für die Proteste in Hongkong äußerte, überziehen Chinas Staatsmedien die US-Basketballer mit einer Boykottkampagne. Die Fans sind in dieser Frage gespalten.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Tausende Menschen strömen in die riesige Sportarena im Süden von Shanghai. Der Andrang ist so groß, dass die Polizei die meisten Straßen im Umkreis gesperrt hat. Trotz der seit einigen Tagen tobenden Anti-NBA-Kampagne in China: Auf das Freundschaftsspiel zwischen den Lakers und den Nets in Shanghai wollen viele Fans dann doch nicht verzichten.

Ein 30-jähriger Shanghaier - von Beruf Finanzfachmann - mit einem knallgelben Lakers-Trikot sagt: "Das, was Daryl Morey gesagt hat, war falsch. Und das gibt mir zu denken. Aber ich versuche, das Spiel unvoreingenommen anzuschauen."

Auslöser war Tweet des Basketball-Managers

Es war ein Tweet des Basketball-Managers Morey, der vor einigen Tagen die Anti-NBA-Kampagne ausgelöst hat. Der Manager der Houston Rockets hatte darin seine Unterstützung für die Hongkonger Massenproteste ausgedrückt.

Diese richten sich seit Monaten nicht nur gegen die Hongkonger Regierung, sondern auch gegen Chinas Staats- und Parteiführung in Peking. Die vollständig staatlich kontrollierten Medien und Online-Netzwerke Chinas starteten daraufhin eine beispiellose Anti-NBA-Kampagne. Und die hat in den vergangenen Tagen voll eingeschlagen, vor allem bei jungen Menschen.  

"Vaterlandsliebe wichtiger als Basketball"

Vaterlandsliebe sei ihr wichtiger als Basketball, sagt eine 24-Jährige, die mit ihrem Freund zum Spiel gekommen ist."Es hat mich schon ziemlich geärgert, was die in Amerika gesagt haben. Eigentlich wollte ich heute gar nicht mehr kommen, aber wir konnten unsere Eintrittskarten nicht mehr zurückgeben. Ich werde mir genau anschauen, wie das weitergeht - was die gesagt haben, war jedenfalls falsch."

Fans verteilen chinesische Nationalflaggen an andere Fans in Shanghai. | Bildquelle: AP
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Die Basketballfans sehen den Konflikt unterschiedlich: Einige stehen ganz zu ihrem Vaterland, andere lassen sich von dem Streit nicht beeinflussen.

"Was die gesagt haben", damit bezieht sich die Shanghaierin darauf, dass auch NBA-Geschäftsführer Adam Silver in der Kontroverse klar Stellung bezogen hat für das Recht auf Meinungsfreiheit. Das bekam der US-Verband deutlich zu spüren: Fast alle Sponsoren sprangen ab, chinesische Fernsehsender und Onlineportale gaben ihre Übertragungsrechte zurück und der nationale Basketballverband beendete seine Zusammenarbeit.

Hongkong gehöre zu China, sagt eine 18-jährige Schülerin. Was die Amerikaner gesagt haben, sei falsch. Wenn es um Politik gehe, gelte keine Meinungsfreiheit.

"Sport und Politik sollten uns nicht trennen"

Nur wenige Fans vor der Shanghaier Sportarena denken so wie ein 30-jähriger Banker. Er respektiere das Recht auf freie Meinung, erklärt er. Und sagt weiter: "Das wurde alles von den Medien inszeniert. Die Öffentlichkeit ist doch völlig abgestumpft. Die Leute verstehen überhaupt nichts. Ich habe mich darüber ziemlich gezofft mit meinen Freunden. Aber trotzdem schauen wir uns heute Abend gemeinsam das Spiel an. Sport und Politik sollten uns nicht trennen."

Chinas NBA-Boykott-Kampagne: Basketball-Fans sind hin- und hergerissen
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
11.10.2019 11:31 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 11. Oktober 2019 um 15:55 Uhr.

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