Soldaten bei einer Militärparade in Myanmar. | REUTERS

Proteste in Myanmar Parade in der Hauptstadt, viele Tote im ganzen Land

Stand: 27.03.2021 20:06 Uhr

Die Militärjunta in Myanmar hat mit einer Parade zum "Tag der Armee" Stärke demonstrieren wollen. Die Protestbewegung mobilisierte erneut landesweit gegen das Militär. Bei Auseinandersetzungen kamen mehr als 100 Menschen zu Tode.

Nach seiner gewaltsamen Machtübernahme hat Myanmars Militär mit einer großen Parade seine Stärke demonstrieren wollen. Soldaten mit Fackeln und Flaggen marschierten am "Tag der Armee" in Myanmar, flankiert von Militärfahrzeugen durch die Hauptstadt Naypidaw. Landesweit kam es zu Protesten gegen das Militär.

Der Chef der Militärjunta, General Min Aung Hlaing, verteidigte erneut den Militärputsch vom 1. Februar und sicherte zu, nach Neuwahlen die Macht an eine neue Regierung abzugeben. Zugleich richtete der General eine Warnung an die Junta-Gegner. "Terrorismus, der schädlich für die Ruhe und Sicherheit des Staates sein kann", sei nicht hinnehmbar, sagte er. "Die Demokratie, die wir uns wünschen, wäre eine undisziplinierte, wenn wir sie nicht respektieren und das Gesetz brechen."

Dutzende Tote unter den Demonstranten

Seit dem Militärputsch sieht sich die Junta in Myanmar massiven Protesten gegenüber, gegen die sie äußerst brutal vorgeht. Die Demonstranten fordern unter anderem die Freilassung der abgesetzten früheren De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi und eine Rückkehr zum demokratischen Prozess.

Allein am Tag der Militärparade wurden Medienberichten zufolge landesweit mehr als 100 Menschen getötet, als sogenannte Sicherheitskräfte in verschiedenen Städten das Feuer eröffneten. Die Nachrichtenseite Myanmar Now berichtete am Abend von 114 Toten.

Laut den Vereinten Nationen sind auch Kinder unter den Opfern. "Wir erhalten Berichte über Dutzende von Toten, einschließlich Kindern, Hunderten Verletzte an 40 Orten und Massenverhaftungen", hatte das Büro des UN-Hochkommissars für Menschenrechte auf Twitter erklärt.

Schüsse ohne Vorwarnung

In der nordöstlichen Stadt Lashio schossen Sicherheitskräfte auf Studenten. "Die Armee und die Polizei kamen einfach und schossen auf sie", sagte ein Augenzeuge der Nachrichtenagentur AFP. "Sie haben die Demonstranten nicht gewarnt und scharfe Munition verwendet." Auch in der Stadt Mandalay kam es zu Auseinandersetzungen; dabei sollen laut Reuters 13 Personen ums Leben gekommen sein.

Diplomatische Vertreter reagierten mit Entsetzen. Die Europäische Union sprach in den sozialen Medien von einem Tag des "Terrors und der Ehrlosigkeit". Das Töten unbewaffneter Zivilisten und Kinder sei unentschuldbar. Auch der US-Botschafter verurteilte das Vorgehen des Militärs: "Das Blutvergießen ist grauenvoll", schrieb Thomas Vajda auf Twitter.

Das Militär Myanmars habe Schande über sich gebracht, indem es auf "unbewaffnete Zivilisten" geschossen habe, schrieb der britische Botschafter Dan Chugg auf Twitter. "Die heutigen Tötungen unbewaffneter Zivilisten, darunter Kinder, bedeuten einen neuen Tiefpunkt", twitterte der britische Außenminister Dominic Raab.

Militärparade weitgehend boykottiert

Mit dem "Tag der Armee" erinnert Myanmar an den Beginn des Widerstands gegen die japanische Besatzung. Normalerweise nehmen an der Militärparade aus diesem Anlass auch ausländische Regierungsvertreter teil. Die Militärjunta wird aber von vielen Staaten nicht anerkannt, so dass nur acht ausländische Delegationen teilnahmen, darunter Vertreter von China und Russland.

Russland und Myanmar wollen ihre Beziehungen verstärken. Der russische Vize-Verteidigungsminister Alexander Fomin nannte Myanmar einen "zuverlässigen Verbündeten und strategischen Partner in Südostasien und pazifischen Raum". Myanmars Oberbefehlshaber, Min Aung Hlaing, sagte laut der britischen BBC, dass Russland ein "wahrer Freund" sei. Russland ist den Berichten zufolge nach China der zweitgrößte Waffenlieferant Myanmars.

Internationaler Druck wächst

Angesichts der steigenden Opferzahlen wächst seit Wochen der internationale Druck auf die Junta. UN-Generalsekretär António Guterres hatte die Gewalt wiederholt scharf verurteilt und von der Weltgemeinschaft eine energische und geeinte Reaktion gefordert. Die USA, Großbritannien sowie die EU verhängten neue Sanktionen gegen Verantwortliche in Myanmar.  

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 27. März 2021 um 09:50 Uhr.