Demonstranten in Moskau

Festnahmen in Russland "Wir haben ihn satt"-Demo gegen Putin

Stand: 29.04.2017 21:39 Uhr

In mehreren Städten Russlands sind Hunderte Menschen auf die Straße gegangen, um unter dem Motto "Wir haben ihn satt" gegen eine erneute Kandidatur von Präsident Putin zu demonstrieren. Insgesamt sollen mehr als 140 Menschen festgenommen worden sein.

In Moskau haben mehrere Hundert Demonstranten friedlich gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin protestiert. Hinter Absperrungen der Polizei reihten sie sich in einer Schlange auf, um handgeschriebene Petitionen mit Rücktrittsforderungen zu übergeben. Hunderte Polizisten standen in Bereitschaft.

Auch in anderen Städten gab es vergleichbare Proteste. In St. Petersburg kam es nach Angaben der Menschenrechtsgruppe OVD-Info zu rund 110 Festnahmen, in Tula, 200 Kilometer südlich von Moskau, fast 20 und im sibirischen Keremowo 16. Insgesamt sollen 140 Menschen festgenommen worden sein. Eine offizielle Bestätigung gab es dafür nicht.

Demonstrant in Moskau | Bildquelle: AFP
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Ein Demonstrant in Moskau wartet darauf, seine Petition gegen eine erneute Kandidatur Putins bei der Präsidentschaftswahl 2018 abzugeben.

Das Motto der Demonstrationen lautete: "Wir haben ihn satt". Der Protest richtet sich gegen eine erneute Kandidatur des Staatschefs bei der Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr. Während die Organisatoren der Proteste in Moskau von mindestens 500 Demonstranten sprachen, ging die Polizei der Agentur Interfax zufolge von 250 Teilnehmern aus. Die Polizei warnte die Demonstranten über Lautsprecher, dass die Protestaktion nicht genehmigt worden sei, griff aber nicht ein. Das Innenministerium erklärte zu der Demonstration in Moskau, es habe keinen Gesetzesverstoß gegeben.

Kreml-Gegner Chodorkowski als Organisator

Die Behörden hatten zuletzt den Druck auf die Organisatoren der Protestaktionen - die oppositionelle Bewegung "Offenes Russland" des Kreml-Kritikers Michail Chodorkowski - erhöht. Bei einer Durchsuchung ihrer Büroräume in Moskau waren laut den Regierungskritikern 100.000 noch nicht ausgefüllte Vordrucke der Petition für Putins Rücktritt beschlagnahmt worden.

Putin hat sich noch nicht dazu geäußert, ob er bei den Präsidentenwahlen im März 2018 wieder antreten wird. Angesichts der hohen Werte bei Umfragen zu seiner Popularität wird dies aber erwartet.

Ende März waren in Russland in mehreren russischen Städten Tausende Menschen gegen Korruption auf die Straße gegangen. Dabei wurden Hunderte festgenommen, darunter auch der Putin-Kritiker Alexej Nawalny, der bei der Präsidentenwahl antreten will.

Demonstrationen gegen erneute Kandidatur Putins in Moskau
S. Stöhr, ARD Moskau
30.04.2017 07:21 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. April 2017 um 19:00 Uhr

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