Festnahme in Moskau | Bildquelle: dpa

Wieder Proteste in Russland Dutzende Festnahmen in Moskau

Stand: 02.04.2017 15:57 Uhr

In Russland haben sich erneut Oppositionsanhänger zu nicht genehmigten Demonstrationen versammelt. In Moskau nahm die Polizei Dutzende Menschen fest. Zu den Kundgebungen war im Internet aufgerufen gerufen. Es ist unklar, wer die Urheber sind.

Eine Woche nach russlandweiten Protesten gegen Korruption hat die Staatsmacht erneut hart durchgegriffen und Dutzende Menschen festgenommen. Die Demonstrationen fielen jedoch kleiner als am vergangenen Sonntag.

Aus einem sogenannten "Spaziergang der Opposition" im Zentrum von Moskau heraus führten Polizisten 30 Demonstranten ab, wie die Agentur Tass berichtete. Sie seien wegen "Verletzung der öffentlichen Ordnung" festgenommen worden, teilte die Polizei mit. Das Polizeiaufgebot in der Moskauer Innenstadt war auffallend stark. Fußgänger konnten nur durch Metalldetektoren zum Roten Platz gelangen. Zu den Kundgebungen war im Internet aufgerufen worden, wobei die Urheber nicht ganz klar sind.

Proteste auch in anderen Städten

Auch in anderen Städten wie St. Petersburg oder Tscheljabinsk im Ural gingen erneut Schüler und Studenten auf die Straße.

Am vergangenen Sonntag waren in ganz Russland Zehntausende Menschen einem Aufruf des Oppositionspolitikers Alexej Nawalny gefolgt. Es waren die größten politischen Proteste seit fünf Jahren, getragen wurden sie vor allem von jungen Leuten. Allein in Moskau nahm die Polizei mehr als 1000 Demonstranten vorläufig fest. Die meisten wurden zu mehrtägigen Arreststrafen verurteilt. Gegen Nawalny wurden 15 Tage Arrest verhängt.

Nawalny hat sich den Kampf gegen die Korruption auf die Fahnen geschrieben. Die Rechercheure seiner "Stiftung zur Korruptionsbekämpfung", die sich unter anderem mithilfe von Kleinspenden finanziert, haben wiederholt Berichte über die Bereicherung der russischen Eliten veröffentlicht, zuletzt über Generalstaatsanwalt  Juri Tschaika.

In seinem Blog greift Nawalny immer wieder die Regierung offen an. Nach seinen jüngsten Recherchen soll sich Russlands Regierungschef Dmitri Medwedjew mithilfe von Strohmännern ein beachtliches Immobilien-Reich geschaffen haben.

Medwedjew unter Korruptionsverdacht

Medwedjew hatte sich 2008, als er selbst Präsident wurde, liberal gegeben und der Korruption den Krieg erklärt. Nun wirft Nawalny ihm vor, er sei selbst einer der reichsten und korruptesten Politiker Russlands geworden. Seine Vorwürfe unterfüttert Navalny mit einer detaillierten Untersuchung, die Anfang März veröffentlicht wurde. Bislang sind die Enthüllungen folgenlos geblieben.

In einem Film wirft Nawalny Medwedjew zudem vor, Weinberge und Jachten zu besitzen, die von zweifelhaften wohltätigen Stiftungen verwaltet würden, die keine wohltätigen Aktivitäten aufweisen könnten. Luftaufnahmen von Kamera-Drohnen geben dem Zuschauer einen Eindruck von den gigantischen Ausmaßen der Gebäude und parkähnlichen Gärten.

Keines der genannten Anwesen gehört offiziell dem Ministerpräsidenten. Allerdings legen vom Regierungschef veröffentliche Fotoaufnahmen nahe, dass er sich an einigen der Orte oft aufhält.

Ein möglicher Gegenkandidat für Putin

Nawalny ist selbst Anwalt, ein charismatischer Redner und inzwischen einer der wenigen Oppositionellen, die überhaupt noch Wahlkampf in Russland machen können. Nawalny fordert außerdem Wladimir Putin heraus - er will 2018 bei den Präsidentschaftswahlen antreten.

Mit Material von Birgit Virnich, ARD-Studio Moskau

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 02. April 2017 um 22:45 Uhr im Nachrichtenblock.

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