Mosambik mit der Region Cabo Delgado

Islamisten in Mosambik Das Morden geht weiter

Stand: 10.11.2020 10:30 Uhr

Im Norden Mosambiks terrorisieren Islamisten seit Jahren die Bevölkerung. In der Provinz Cabo Delgado sind Hunderttausende Menschen auf der Flucht - zuletzt hat es dort wieder grausame Verbrechen gegeben.

Von Jana Genth, ARD-Studio Johannesburg

Nanjaba, Napala, Muatide - diese Dörfer sind am vergangenen Wochenende zum Schauplatz grausamer Verbrechen geworden. Laut der Polizei im Norden Mosambiks wurden mehr als 50 Menschen getötet. Dem Portal Pinnacle News zufolge wurden die Leichen enthauptet und zerstückelt.

Die mosambikanische Nachrichtenagentur AIM berichtet, dass viele der Opfer auf einem Fußballplatz hingerichtet wurden. Hütten und Häuser wurden demnach niedergebrannt, auch Kindergärten und Felder seien zerstört worden. Es war einer der brutalsten Angriffe seit Beginn der islamistischen Attacken vor drei Jahren.

Hunderttausende auf der Flucht

Martin Ewi, der beim südafrikanischen Institut für Sicherheitsstudien auf organisierte Kriminalität spezialisiert ist, sieht seit langem dringenden Handlungsbedarf:

"Es ist kaum etwas getan worden, um die Menschenrechte in Cabo Delgado zu schützen. Ich glaube, wenn das nicht bald passiert - und vor allem muss etwas gegen die Aufständischen unternommen werden - dann wird das im Norden Mosambiks noch viel länger genau so weitergehen."

Immer wieder gibt es brutale Angriffe in Cabo Delgado, der nördlichsten Provinz von Mosambik. Geschätzt 435.000 Menschen sind in den vergangenen drei Jahren vor dem Terror geflohen. Allein in den vergangen drei Wochen kamen mehr als 11.000 Menschen in der bisher sicheren Provinzhauptstadt Pemba an. Dort werden sie in Notunterkünften betreut.

Verpachtetes Land, hohe Arbeitslosigkeit

Der Norden Mosambiks ist muslimisch geprägt. Die Sicherheitsbehörden vermuten, dass sich die Angreifer der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) verbunden fühlen. Dass sich Menschen den Dschihadisten überhaupt anschließen, begründet David Matsinhe von der Menschenrechtsorganisation Amnesty International damit, dass sie kein normales Leben mehr führen könnten.

"Ein großer Teil der Nordküste in Cabo Delgado wurde an Mineralölkonzerne verpachtet. Das bedeutet, die Leute haben keinen Zugang mehr zum Meer. Mit Fischerei hatten aber viele ihren Lebensunterhalt bestritten. Das Land wurde enteignet, die Menschen haben keine Perspektive mehr. Tausende junger Leute sind arbeitslos, und wenn radikale Priester mit ihrer Botschaft kommen, dann trifft das auf fruchtbaren Boden."

Nährboden für Drogenschmuggler und Wilderer

Die Rubine und die großen Erdgasvorkommen machen die Situation in Cabo Delgado komplex. Internationale Konzerne sind vor Ort, private Sicherheitsfirmen schützen russische und chinesische Investoren, Journalisten ist seit Jahren der Zutritt in die Region verwehrt.

Behörden in den USA und Südafrika warnen davor, dass Mosambik auch Nährboden für Drogenschmuggler und Wilderer ist. Kein Wunder, sagt John Stupart, ein Experte in Sachen Verteidigung bei der African Defence Review:

"Diese ganze Region ist doch wie Müll behandelt worden, vom Staat, von den Unternehmen, die an die natürlichen Gasvorkommen in der Gegend herankommen wollen - und das seit mehr als zehn Jahren. Es gibt viel Unzufriedenheit, viel Armut, viele Entwicklungsrückstände. Um es zu schaffen, es den Aufständischen schwer zu machen, muss man der Region ein Stück vom Kuchen abgeben, ihnen politisches Gewicht geben."

Das scheint aber nicht das zu sein, was die mosambikanische Regierung zu tun gedenkt, so Stupart.

Dschihadisten morden auch in Tansania

Beobachter sind sich einig, dass Mosambik das Problem nicht allein angehen kann. Der Terror wird zunehmend international, denn Dschihadisten haben in den vergangenen Wochen die Grenze überquert und auch im benachbarten Tansania Menschen ermordet.

Immer mehr Berater aus anderen Ländern denken laut darüber nach, militärisch eizugreifen. Es wäre aber mehr als das nötig, meint Liesl Louw-Vaudran vom Institut für Sicherheitsstudien in Südafrika.

"Die Afrikanische Union kann in einer Krise intervenieren, wenn ein Land selbst sie nicht in den Griff bekommt. Militärische Aktionen allein funktionieren gegen Terrorismus aber nicht. Die Situation in der Sahel-Zone in Westafrika etwa eskaliert doch, obwohl dort 15.000 UN-Soldaten und 5000 französische sind - das ist einfach sehr, sehr kompliziert."

Handeln scheint immer unausweichlicher zu werden. Cabo Delgado ist zwar in den Blickpunkt der internationalen Politik in Afrika gerückt. Doch solange nichts geschieht, wird der Horror für die Menschen in der Provinz weitergehen, jeden Tag.

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