Ägyptens Ex-Präsident Mursi | Bildquelle: picture alliance / dpa

Ägyptens Ex-Präsident Chefermittler prüft Mursis Todesursache

Stand: 18.06.2019 17:50 Uhr

Herzinfarkt? Mord? Vernachlässigte Behandlung im Gefängnis? Nach dem Tod des ägyptischen Ex-Präsidenten Mursi sucht der Generalstaatsanwalt nach der Ursache. Auch die Vereinten Nationen fordern eine Untersuchung.

Nach dem Tod des ehemaligen ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi in einem Gerichtssaal prüfen die ägyptischen Behörden die Umstände. Staatsanwälte hätten Material der Überwachungskameras aus dem Gerichtssaal beschlagnahmt und einen Autopsiebericht angeordnet, sagte Ägyptens Generalstaatsanwalt Nabil Sadek. Erste Untersuchungen hatten allerdings keine Anzeichen für jüngere Verletzungen ergeben.

Ermittlungen zur Todesursache Mursis
tagesschau 12:00 Uhr, 18.06.2019, Alexander Stenzel, ARD Kairo

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UN für "sofortige Untersuchung"

Das UN-Menschenrechtsbüro forderte eine Untersuchung der Umstände von Mursis Tod. "Auf jeden plötzlichen Tod in Gewahrsam muss eine prompte, unparteiische, gründliche und transparente Untersuchung durch unabhängige Stellen erfolgen, um die Todesursache zu klären", sagte Rupert Colville, Sprecher der UN-Hochkommissarin für Menschenrechte.

Auch der außenpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Omid Nouripour, forderte Aufklärung. Es gebe "Grund zur Annahme, dass die Umstände seiner Haft" zu Mursis Tod geführt haben könnten. Die Bundesregierung und die EU müssten jetzt offensiver gegen die "zahlreichen Berichten zufolge menschenunwürdigen Bedingungen" in ägyptischen Gefängnissen vorgehen, forderte Nouripour.

Staatsfernsehen spricht von Herzinfarkt

Einem Medienbericht zufolge ist Mursis Tod auf einen Herzinfarkt zurückzuführen. Mursi sei wegen einer Tumorerkrankung fortlaufend behandelt worden, berichtete das Staatsfernsehen unter Berufung auf Ärzte.

Der Ex-Präsident war gestern bei einer Anhörung vor Gericht ohnmächtig zusammengebrochen und wenig später gestorben. Kurz vor seinem Zusammenbruch habe Mursi noch "sehr ruhig und organisiert" die Argumentation der Verteidigung vorgetragen, sagte einer der Anwälte Mursis, Kamel Madur.

Beisetzung woanders als geplant

Gemäß der islamischen Tradition, Verstorbene innerhalb eines Tages nach dem Tod zu beerdigen, wurde Mursi inzwischen in Kairo beigesetzt. Im Beisein seiner Familie sei er im Stadtteil Medinat Nasr im Osten der ägyptischen Hauptstadt bestattet worden, teilte einer seiner Anwälte mit. Das Totengebet sei zuvor im Krankenhaus des Tora-Gefängnisses gesprochen worden, in dem Mursi am Montag offiziell für tot erklärt worden war.

Auch Mursis Sohn Ahmed meldete sich auf Facebook: "Wir haben seinen edlen Körper im Krankenhaus des Tora-Gefängnisses gewaschen, haben dort ein Gebet für ihn gesprochen ... und die Beerdigung erfolgte nach den Regeln der Muslimbruderschaft." Eigentlich hätte sein Vater in seiner Heimat in der Provinz Sharqia beerdigt werden sollen, aber das hätte die dortige Behörde nicht erlaubt. Die Beisetzung in Kairo erfolgte nach Angaben der Nachrichtenagentur AP unter massiven Sicherheitsmaßnahmen.

Polizisten sichern das Gebiet in Kairo, wo der ehemalige ägyptische Präsident Mursi beigesetzt wird. | Bildquelle: REUTERS
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Polizisten sichern das Gebiet in Kairo, wo der ehemalige ägyptische Präsident Mursi beigesetzt wird.

Fragliche Umstände im Gefängnis

Mursi war ein Vertreter der fundamentalistischen Muslimbrüder, die inzwischen in Ägypten verboten sind. Diese sprachen nach dem Tod Mursis von einem "langsamen Tod" und einem "ausgewachsenen Mord" und riefen die Menschen dazu auf, in Massen zu Mursis Beisetzung zu kommen. "Sie haben ihn mehr als fünf Jahre in Einzelhaft gehalten, die Versorgung mit Medikamenten beschränkt und ihm schlechtes Essen gegeben", begründete die Gruppe ihren Mord-Vorwurf.

Ähnliches berichtete auch Mursis Anwalt Abdel-Menem Abdel-Maksud: "Wir haben mehrere Anträge auf Behandlung gestellt", sagte er. "Einige wurden genehmigt, andere nicht."

Amnesty International verlangte eine umfassende Untersuchung. Die ägyptischen Behörden müssten den Umständen seines Todes "unvoreingenommen, gründlich und transparent" nachgehen, sagte die stellvertretende Nahost-Direktorin der Menschenrechtsgruppe, Magdalena Mughrabi. Gleiches gelte für das Überprüfen seiner Haftbedingungen und seines Zugangs zu medizinischer Versorgung. Sein Ableben "werfe ernste Fragen zu seiner Behandlung in Gewahrsam" auf.

Mursi-Gegner in Kairo
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Proteste in Kairo im Jahr 2013. Die Ägypter zogen zu Massenprotesten gegen Mursi auf die Straße. Das nutzte das Militär unter Armeechef al-Sisi.

Vorwurf der Spionage

Mursi war 2012 erster frei gewählter Präsident des Landes geworden. Kritiker warfen ihm vor, seine Macht ausbauen und religiösen Ansichten der Brüder durchdrücken zu wollen sowie mit seiner Wirtschaftspolitik gescheitert zu sein. Mursi hatte dies zurückgewiesen.

Nach Massenprotesten gegen ihn wurde er 2013 von der Armee gestürzt. Mursi verbüßte im Gefängnis unter anderem eine lebenslange Strafe wegen Spionage. Bei der Anhörung am Montag ging es ebenfalls um Vorwürfe der Spionage, diesmal im Zusammenhang mit mutmaßlichen Verbindungen zur radikal-islamischen Palästinenser-Gruppe Hamas.

Ägyptens Ex-Präsident Mohammed Mursi ist tot
Björn Blaschke, ARD Kairo
17.06.2019 19:08 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 17. Juni 2019 um 20:00 Uhr.

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