Das türkische Forschungsschiff "Oruc Reis" in Begleitung von einem Marineverband (Quelle: AFP Photo / Türkisches Verteidigungsministerium) | Bildquelle: AFP

Streit um Erdgasfelder Türkische Marine kündigt Schießübungen an

Stand: 27.08.2020 18:54 Uhr

Die Türkei gibt im Streit um Erdgasfelder nicht nach: Das Land will nicht nur eine Militärübung in Nachbarschaft zu Griechenland abhalten, sondern auch eine Forschungsmission in den Gewässern verlängern. Die EU bleibt im Konflikt uneins.

Ungeachtet aller Aufrufe der Bundesregierung und der Nato, den Streit mit Griechenland um Gasfelder nicht eskalieren zu lassen, hält die Türkei an ihrem harten Kurs fest. Die türkische Marinebehörde kündigte an, am 1. und 2. September Schießübungen im Nordosten des Mittelmeers abzuhalten.

Der türkische Verteidigungsminister Hulusi Akar betonte, dass die Übung unabhängig vom aktuellen Konflikt um Erdgas stattfinde. Die Türkei sei zum Dialog bereit, sagte Akar. "Wenn sich unsere griechischen Amtskollegen in den kommenden Tagen dazu entscheiden, würden wir uns freuen, sie hier zu empfangen." Die Türkei und Griechenland müssten ihre Probleme bilateral lösen.

"Entschlossen, unsere Rechte zu schützen"

Seit der Entdeckung reicher Gasvorkommen im östlichen Mittelmeer gibt es heftigen Streit um deren Ausbeutung. Ein Feld ist den griechischen Inseln Rhodos und Kastelorizo vorgelagert. Die Regierung in Ankara behauptet, dass das Gebiet zum türkischen Festlandsockel gehört und das Land damit das Recht auf Ausbeutung hat. Einen ähnlichen Konflikt gibt es um die Insel Zypern, vor deren Küste ebenfalls reiche Vorkommen entdeckt wurden.

Sowohl Griechenland und Zypern als auch die Türkei untermauern ihre Ansprüche mit Kriegsschiffen und Explorationsmissionen. So gab die türkische Marinebehörde heute bekannt, die Erdgas-Suche ihres Forschungsschiffs "Oruc Reis" im östlichen Mittelmeer um fünf Tage zu verlängern. Der Einsatz werde nun erst am 1. September enden. "Wir sind entschlossen, unsere Rechte zu schützen", erklärte Verteidigungsminister Akar.

Das türkische Forschungsschiff war am 10. August zusammen mit einer Flotte von türkischen Kriegsschiffen in Gewässer gefahren, die Griechenland für sich beansprucht. Der Einsatz hätte eigentlich schon am 23. August auslaufen sollen. Athen kritisierte die Entscheidung. "Noch einmal wird bewiesen, wer die Deeskalation wünscht und wer nicht", hieß es aus Kreisen des Außenministeriums in der griechischen Hauptstadt Athen.

Indirekte Drohung Zyperns

Das strategische Verhältnis zur Türkei ist auch eines der Hauptthemen auf dem zweitägigen EU-Außenministertreffen in Berlin. Strittig zwischen den Mitgliedstaaten ist vor allem die Frage möglicher Sanktionen gegen die Türkei wegen des Gasstreits.

So drohte Zypern indirekt an, nicht für EU-Sanktionen gegen Belarus zustimmen, wenn nicht auch der Druck der EU auf die Türkei erhöht werde. Im Konflikt mit Ankara stehe Europas Glaubwürdigkeit auf dem Spiel, sagte der zyprische Außenminister Nikos Christodoulidis. Es gehe dabei nicht nur um die EU-Länder Griechenland und Zypern, sondern auch um die Interessen der ganzen Union.

Neue Sanktionen gegen die Türkei halten allerdings Länder wie Deutschland derzeit für unangebracht. Deutschlands Außenminister warnte vor einer solchen Verknüpfung: "Wenn wir damit anfangen, werden wir handlungsunfähig als Europäische Union", sagte Heiko Maas. Er forderte zugleich Griechenland und die Türkei auf, ihre Militärmanöver im östlichen Mittelmeer zu beenden.

Türkisch-griechischer Gasstreit: Kein Ende in Sicht
Karin Senz, ARD Istanbul
28.08.2020 00:08 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 28. August 2020 um 15:42 Uhr.

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