Rechtsanwalt Ben Crump zusammen mit Mitgliedern der Familie von Andre Hill, einschließlich Tochter Karissa Hill und Schwester Shawna Barnett während einer Pressekonferenz. | dpa

Tödliche Polizeischüsse auf Schwarzen Millionen-Entschädigung für Familie

Stand: 15.05.2021 08:43 Uhr

Nach den tödlichen Schüssen eines Polizisten auf den schwarzen US-Amerikaner Andre Hill hat die Stadt Columbus den Angehörigen zehn Millionen Dollar Entschädigung zugesagt. Hills Familie dankte der Stadt dafür, "das Richtige" zu tun.

Die Hinterbliebenen des bei einem umstrittenen Polizeieinsatz getöteten schwarzen US-Bürgers Andre Hill bekommen eine Entschädigung von zehn Millionen Dollar. Darauf einigte sich die Stadt Columbus mit der Familie des Opfers. "Kein Geldbetrag wird Andre Hill jemals zu seiner Familie zurückbringen, aber wir glauben, dass dies ein wichtiger und notwendiger Schritt in die richtige Richtung ist", sagte der Anwalt der Stadt im Bundesstaat Ohio, Zach Klein, US-Medienberichten zufolge.

Als Teil des Vergleichs benennt die Stadt demnach auch eine Sporthalle in Columbus nach Andre Hill. Dessen Familie dankte der Stadt dafür, "das Richtige" zu tun. Anwalt Ben Crump teilte mit, jetzt könne der Heilungsprozess für alle Beteiligten beginnen. Der Sender CNN berichtete, die nun vereinbarte Entschädigungssumme - umgerechnet 8,2 Millionen Euro - sei die höchste in der Geschichte der Stadt. Der Stadtrat müsse noch zustimmen.

Kurz vor Weihnachten hatte ein Anwohner die Polizei in Columbus nachts zu einer Garage gerufen. Als der 47-jährige Andre Hill nach dem Eintreffen der Beamten auf diese zukam, eröffnete ein weißer Polizist das Feuer. Hill, der unbewaffnet war, trafen vier Kugeln, er starb.

Ex-Polizist wegen Mordes angeklagt

Der Polizist wurde wenige Tage nach dem Vorfall entlassen und wird wegen Mordes angeklagt. Er gab an, er habe geglaubt, Hill habe eine Waffe bei sich gehabt. Dem Ex-Polizisten wird daher vorgeworfen, unverhältnismäßige Gewalt angewendet, dem Sterbenden nicht geholfen und Dienstpflichten missachtet zu haben.

In den USA werden immer wieder unbewaffnete Schwarze Opfer tödlicher Polizeigewalt. Ende Mai jährt sich der Tod des Afroamerikaners George Floyd, der bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota getötet wurde. Unter dem Motto "Black Lives Matter" kam es danach in den USA monatelang zu Massendemonstrationen gegen Polizeigewalt und Rassismus, die teils von Ausschreitungen überschattet wurden.

Wegen Floyds Tod sprach eine Jury im April den weißen Ex-Polizisten Derek Chauvin des Mordes zweiten Grades und in zwei weiteren Anklagepunkten schuldig. Das Strafmaß soll am 25. Mai verkündet werden. Floyds Angehörige bekamen eine Entschädigung von 27 Millionen Dollar zugesprochen. In einem anderen Fall, den tödlichen Polizeischüssen auf die Afroamerikanerin Breonna Taylor im März 2020, erhielten die Angehörigen zwölf Millionen Dollar.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. Mai 2021 um 14:00 Uhr.