Satellitenaufnahme der Straße von Hormus | Bildquelle: dpa

Straße von Hormus Londons Kehrtwende in der Iran-Frage

Stand: 31.07.2019 13:14 Uhr

Ursprünglich wollte Großbritannien eine Militärmission in der Straße von Hormus unter europäischer Führung. Dann kam Boris Johnson. Nun berät London mit den USA. Fast täglich kommt es zu Spannungen.

Von Rolf Büllmann, ARD-Studio London

Politik ist oft ein schnelllebiges Geschäft. Entscheidungen werden gefällt und wieder revidiert, Strategien werden geplant und wieder umgeworfen. Und das manchmal binnen Tagen. Ein Wechsel an der Spitze ist oft der Auslöser dafür.

So ist es noch keine zwei Wochen her, da sagte der damalige britische Außenminister Jeremy Hunt, Großbritannien wolle eine Schutzkoalition unter europäischer Führung aufbauen, die den ungehinderten Schiffsverkehr in der Straße von Hormus garantieren solle. Die Betonung lag auf europäischer Führung. Diese neue Schutzkoalition werde nicht Teil der amerikanischen Politik maximalen Drucks auf den Iran sein. Für diplomatische Verhältnisse eine sehr klare Aussage.

Kampfflugzeuge stehen auf dem Deck des Flugzeugträgers "Abraham Lincoln". Das US-Kriegsschiff durchquerte die Straße von Hormus am 15. Juli 2019. | Bildquelle: REUTERS
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Kampfflugzeuge stehen auf dem Deck des Flugzeugträgers "Abraham Lincoln". Das US-Kriegsschiff durchquerte die Straße von Hormus am 15. Juli 2019.

"Keine Rauferei EU gegen die USA"

Heute, keine zwei Wochen später, aber mit einem neuen Premierminister, sieht das anders aus. Großbritannien und die USA beraten darüber, wie man gemeinsam vorgehen könnte in der Straße von Hormus, und der neue britische Außenminister Dominik Raab sagt: In Wirklichkeit solle das keine weltpolitische "EU gegen die USA"-Rauferei sein. Deshalb habe er auch gleich an seinem ersten Tag seinen amerikanischen Kollegen Mike Pompeo angerufen.

"Ich habe mit ihm gesprochen und wir sind uns einig, dass wir die Regeln der internationalen Ordnung schützen müssen und dass es eine gute Idee wäre, eine breite Koalition zu haben, die den freien Schiffsverkehr in dieser Region unterstützt."

"Iraner scheinen unsere Entschlossenheit testen zu wollen" 

Ob in Abgrenzung zu den USA oder in enger Kooperation mit den USA - die Debatte zeigt, wie wichtig diese Frage für Großbritannien ist. Denn alle sind sich einig - gerade eine Inselnation wie Großbritannien muss darauf pochen, dass der freie Warenverkehr in der Meerenge gewährleistet ist. Die britische Marine ist vor Ort. Die Fregatte "HMS Montrose" patrouilliert seit fast vier Wochen in den Gewässern. "Wir sind ja hier, seit diese Krise mit dem Iran begonnen hat, und wir haben jetzt 23 Mal britische Schiffe durch die Straße von Hormus geleitet, also fast jeden Tag eines", berichtet Commander William King.

Er beschreibt, dass es praktisch permanent Kontakt mit iranischen Einheiten gibt - nicht unbedingt feindselig, aber doch spannungsgeladen: "Ich hatte 85 Mal Interaktionen mit iranischen Streitkräften", sagt King. "Das zeigt Ihnen, wie intensiv das hier ist. Es ist professionell, herzlich sogar. Oft gibt es einen Austausch von Warnungen über Funk, und die Iraner scheinen unsere Entschlossenheit und unsere Reaktionen testen zu wollen."

 Kein Fortschritt bei der "Stena Impero"

Die "Stena Impero" - das Schiff, bei dem die Iraner nicht nur Reaktionen getestet haben, sondern es wirklich unter ihre Kontrolle gebracht haben - liegt unterdessen immer noch fest. Und mit ihr 23 Seeleute an Bord, wie der Chef der Reederei gerade erst nochmal betont hat. Beim Ringen um deren Freilassung, habe es so gut wie keine Fortschritte gegeben.

Großbritannien, der Iran und die Kehrtwende
Rolf Büllmann, ARD London
31.07.2019 12:47 Uhr

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Über dieses Thema berichtete am 31. Juli 2019 die tagesschau um 12:00 Uhr und NDR Info um 15:38 Uhr.

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