Frauen gehen in Mexiko-Stadt gegen die ausufernde Gewalt auf die Straße. | Bildquelle: REUTERS

"Tag ohne Frauen" Historischer Tag in Mexiko

Stand: 10.03.2020 08:48 Uhr

Mexiko ist für Frauen ein gefährliches Land. Im vergangenen Jahr wurden 3800 von ihnen ermordet. Mit einem Protesttag machten Frauen auf die Gewalt aufmerksam. Über die Reaktionen einer Macho-Gesellschaft.

Von Anne-Katrin Mellmann, ARD-Studio Mexiko-City

Das Anliegen der Frauen und Mädchen ist sichtbar geworden: Millionen blieben zu Hause. Ihr Streik versetzte die Megacity Mexiko-Stadt in einen Ausnahmezustand.

In den öffentlichen Verkehrsmitteln blieben in den sonst vollgestopften Frauenabteilen, die es zum Schutz vor sexuellen Übergriffen gibt, Sitzplätze frei. Auf der wie gewohnt überfüllten Männerseite ist Alejandro Murquecho nicht begeistert vom Frauen-Streik.

Generalstreik in Mexiko gegen Gewalt an Frauen
tagesschau 09:00 Uhr, 10.03.2020

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Das Leben gehe weiter, sagt er. Die Menschen führten einen täglichen Überlebenskampf. "Die wirtschaftliche Situation erlaubt so einen Streik überhaupt nicht", kritisiert er. "Ich glaube, für viele ist er nur ein Vorwand um einen Tag zu Hause bleiben zu können."

Zehn Frauen pro Tag ermordet

Brutale Frauenmorde sind an der Tagesordnung, ebenso die Untätigkeit des Staates. Zehn Frauen werden in Mexiko pro Tag ermordet, weil sie Frauen sind.

Wenn ihr uns alle tötet, steht das Land still - das bringen Frauen zum Ausdruck und gehen nicht zur Arbeit, nicht einkaufen, nicht zum Essen. Tacoverkäufer Oscar ist damit einverstanden, auch wenn er kein Geschäft macht. "Das ist gut, wenn es hilft, die Gewalt gegen Frauen zu bekämpfen", betont er. "Meine Frau und meine Schwestern beteiligen sich und sind zu Hause geblieben."

Die Banken sind geöffnet, aber nur Männer arbeiten an den Schaltern. Einen älteren Kunden freut das sichtlich. Das sei ein guter Anfang. Er hofft, das werde Bewusstsein wecken.

"Die Politik tut nichts"

Über die extreme Gewalt gegen Frauen, lange ignoriert und totgeschwiegen, werde jetzt täglich in der Zeitung geschrieben, sagt Kioskbesitzer Vidal Miranda. Am "Tag ohne Frauen" hat er kaum ein Blatt ohne das Thema.

Trotzdem ist er kritisch. "Was soll danach passieren?", fragt er. "Im Moment ist es eine echte Erschütterung, aber dann wird alles so weitergehen, wie bisher, wenn der Staat die Gewalt nicht beendet." Der tue aber nichts, so Miranda. Die Politiker täten nichts. "Deshalb bleibt es Aufgabe jedes einzelnen. Wir müssen Werte vermitteln. Schuld an der Gewalt ist der Machismus. Wir sind Machos."

Am "Tag ohne Frauen" machten Mexikanerinnen auf die Gewalt gegen sie aufmerksam und sich unsichtbar. | Bildquelle: AP
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Am "Tag ohne Frauen" machten Mexikanerinnen auf die Gewalt gegen sie aufmerksam und sich unsichtbar.

Millionen Frauen auf einem Nenner

Aber was ist eine Macho-Gesellschaft ohne Frauen? Das Fernsehen musste ohne knapp bekleidete Moderatorinnen auskommen. An ihrer Stelle präsentierten Männer im Anzug die Wettervorhersage und berichteten ausführlich über den Frauenstreik.

Der "Tag ohne Frauen" war ein historischer Tag in Mexiko: Die Zustimmung zum Streik zog sich durch alle Gesellschaftsschichten. Märkte einfacher Leute blieben genau so leer wie edle Einkaufszentren. Millionen Frauen waren auf einen Nenner gebracht.

Der Tag ohne Frauen
Anne-Katrin Mellmann, ARD Mexiko City
10.03.2020 07:44 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. März 2020 um 09:00 Uhr.

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