Polizisten bewachen die Pressekonferenz vor dem Tatort in Monsey | Bildquelle: AFP

Angriff auf Juden in den USA Gouverneur spricht von Terrorismus

Stand: 29.12.2019 20:38 Uhr

Nach der jüngsten Attacke auf jüdische Gläubige in der Region New York spricht Gouverneur Cuomo von einem "einheimischen Terrorakt", der dementsprechend verfolgt werden müsse. Der Angreifer hatte fünf Menschen verletzt.

Der Angriff auf das Haus eines Rabbiners in der Nähe von New York hat heftige Reaktionen aus der Politik hervorgerufen. Der Angriff sei der Beweis für ein "Krebsgeschwür im politischen Betrieb" der USA, sagte der Gouverneur des Bundesstaates, Andrew Cuomo, am Tatort in Monsey. Das Land erlebe eine Zeit der Intoleranz und Ignoranz, beklagte Cuomo. Wut und Hass würden explosiv zunehmen.

"Wir erlauben nicht, dass dieses Gift sich in unserm Staat verbreitet", gab sich Cuomo entschlossen. "Niemand kann unser Land besiegen. Aber dieses Land kann sich selbst besiegen."

Der Gouverneur des Bundesstaates New York, Andrew Cuomo. Archivbild | Bildquelle: AFP
galerie

"Einheimische Terroristen, die Angst verbreiten wollen": Der Gouverneur des Bundesstaates New York, Andrew Cuomo, am Tatort in Monsey.

Seiner Ansicht nach ist der Stichwaffenangriff, bei dem es fünf Verletzte gegeben hatte, ein "nationaler Terrorakt" und müsse entsprechend verfolgt und bestraft werden. "Ich denke, dies sind einheimische Terroristen. Sie versuchen, Angst zu verbreiten", sagte Cuomo. Die Behörden hätten zwar noch nichts zum zum Motiv des Angreifers mitgeteilt, aber es sei unzweifelhaft, dass die Tat von Hass motiviert sei.

Der Vorfall ereignete sich in der Stadt Monsey, die etwa 55 Kilometer nördlich von New York liegt, während einer Feier zum jüdischen Lichterfest Chanukka. Ein Unbekannter war am späten Samstaqabend (Ortszeit) in das Haus eines Rabbiners gestürmt und hatte dort auf Gäste eingestochen. Ein Verletzter befindet sich laut Cuomo weiter in einem kritischen Zustand. Nach Angaben der Organisation Orthodox Jewish Public Affairs Council (OJPAC), schweben zwei Verletzte in Lebensgefahr.

Monsey liegt im Rockland County, wo eine große jüdische Gemeinde lebt. Etwa ein Drittel der dortigen Bevölkerung sind Juden, darunter viele Orthodoxe.

Ein Augenzeuge berichtete der "New York Times", er sei in dem Haus gewesen, als der Angreifer dort eindrang. "Er begann sofort, Menschen anzugreifen, als er durch die Tür kam. Wir hatten überhaupt keine Zeit zu reagieren", sagte der 65-jährige Aron Kohn. Der Täter sei anschließend geflohen und habe versucht, in die benachbarte Synagoge einzudringen, was ihm aber nicht gelungen sei.

Verdächtiger gefasst

Die örtliche Polizei teilte mit, der Verdächtige sei gefasst worden und werde nun vernommen. Zum möglichen Motiv wurden bislang keine offiziellen Angaben gemacht. Kurz nach der Tat hatten Augenzeugen berichtet, dass der Täter in einem Fahrzeug geflohen sei und hatten via Twitter ein Kennzeichen veröffentlicht.

Antisemitische Attacke während des jüdischen Lichterfestes in Monsey, USA
tagesschau24 09:00, 29.12.2019

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

"Zutiefst verstörender" Vorfall

Die Justizministerin des Bundesstaats, Letitia James, zeigte sich "zutiefst verstört" ob des Vorfalls in Monsey und sicherte der jüdischen Gemeinschaft ihre Solidarität zu.

Weil sich die Tat gegen Juden richtete, äußerte sich auch der israelische Regierungschef. "Israel verurteilt die jüngsten antisemitischen Vorfälle und den grausamen Angriff", sagte Regierungschef Benjamin Netanyahu. "Wir werden auf jede Art mit den örtlichen Behörden zusammenarbeiten, um dabei zu helfen, diesem Phänomen ein Ende zu setzen", betonte er. "Wir bieten jedem Land unsere Hilfe an."

Die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem zeigte sich "zutiefst besorgt über die Nachrichten und Bilder von dem Ort einer weiteren antisemitischen Attacke". Die Einrichtung forderte die US-Behörden dazu auf, rasch zu handeln.

Das Wiesenthal-Zentrum forderte US-Präsident Donald Trump "nach den endlosen Attacken auf Juden und ihre religiösen Einrichtungen" zur Einrichtung einer FBI-Sondereinheit im Kampf gegen Antisemitismus auf. "Genug ist genug! Juden sollten in Amerika nicht um ihr Leben fürchten müssen, wenn sie in ihre Gotteshäuser gehen." Auch das Internationale Auschwitz Komitee und die Konferenz der Europäischen Rabbiner verurteilten die Attacke.

Trump erntet Spott für Tweet

Der US-Präsident schrieb auf Twitter, bei dem Angriff in Monsey handele es sich um "eine grauenhafte Tat". Man müsse nun zusammenkommen und gemeinsam die Geißel Antisemitismus ausmerzen.

Für seinen Tweet erntete Trump viele spöttische Kommentare. Nutzer bezeichneten ihn und seine Politik als den Verursacher von Hass und Gewalt im Land und hielten Trump seine verharmlosende Aussagen zum Thema Rechtsextremismus vor, die er in der Vergangenheit gemacht hatte.

Mehrere Angriffe in New York

Der Vorfall in Monsey ist der jüngste in einer Reihe von Angriffen auf Juden in der Region um New York. Die US-Metropole hatte deshalb erst kürzlich ihre Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Zuvor hatte es mindestens fünf offensichtlich antisemitisch motivierte Angriffe während der Chanukka-Feierlichkeiten gegeben. Mit dem mehrtägigen Lichterfest gedenken Juden jedes Jahr der Neuweihe des Tempels in Jerusalem im Jahre 165 vor der christlichen Zeitrechnung.

In New York lebt mit mehreren Hunderttausend Menschen eine der größten jüdischen Gemeinschaften der Welt. Ein Großteil der sogenannten Hassverbrechen in der Stadt ist dem TV-Sender CNN zufolge antisemitisch motiviert. Bei einer Attacke auf einen jüdischen Laden vor wenigen Wochen nahe New York waren neben den beiden Angreifern drei Zivilisten und ein Polizist getötet worden.

Attacke auf jüdische Gemeinde in New York: Gouverneur spricht von Terror
Antje Passenheim, ARD New York
29.12.2019 20:48 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 29. Dezember 2019 um 15:00 Uhr.

Darstellung: