Ein Polizist stoppt einen Lkw im Hafen von Zeebrugge

Hafen von Zeebrügge Belgiens Zentrum des Menschenhandels

Stand: 24.10.2019 09:33 Uhr

Zeebrügge ist einer der wichtigsten Umschlagplätze für europäische Autos nach Großbritannien. Viele Flüchtlinge versuchen von dort aus, ins Vereinigte Königreich zu kommen - oft unter großen Gefahren.

Von Ralph Sina, ARD-Studio Brüssel

Die letzte Großrazzia der belgischen Polizei gegen Migranten im Hafen von Zeebrügge liegt gerade 14 Tage zurück: 50 Beamte der belgischen Bundespolizei waren mit Drohnen, Spürhunden und mobilen Scannern im Einsatz. Ende letzten Monats hatte ein Menschenschmuggler aus Italien versucht, einen jungen Mann aus Albanien auf eine Fähre nach Großbritannien zu schmuggeln.

Bis zu 900 Flüchtlinge werden monatlich in Zeebrügge abgefangen. Die meisten von ihnen sind junge Männer zwischen 20 und 30 Jahren. Sie kommen aus Albanien, Afghanistan, dem Irak, Iran und Eritrea.

15 eritreische Flüchtlinge entgingen im Mai 2016 nur knapp dem Erstickungstod. Sie hatten sich in einem Container mit Milchpaletten versteckt, der aus dem französischen Dunkerque kam. Der Container hatte nur kleine Luftlöcher und ließ sich von innen nicht öffnen. Den Eritreeern gelang es damals, selbst einen Notruf per Handy abzusetzen.

Ein Radfahrer fährt an einem Zaun am Zeebrugger Hafen entlang. | Bildquelle: AP
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Der Hafen von Zeebrügge ist der wichtigste Umschlagplatz für Güter nach Großbritannien.

Sorge vor Zuständen wie in Calais

Vom ehemaligen Flüchtlingscamp in Calais machen sich die Migranten in die belgische Hafenstadt auf, weil sie sich bessere Chancen ausrechnen, von dort an Bord eines Lkw nach Großbritannien zu kommen. Viele von ihnen campieren in Zeebrügge unter freiem Himmel. Ihre Handys laden sie an Stromkästen in den Tunneln von Zeebrügge auf.

Weil die meisten von ihnen keine Papiere haben, war die belgische Polizei dazu übergegangen, ihnen mit nicht abwaschbarer Farbe eine Nummer auf die Hand zu schreiben. Nach massiven Protesten von Flüchtlingsunterstützergruppen rückte die belgische Polizei von dieser Praxis ab und räumte Fehler im Umgang mit den Flüchtlingen ein.

Das belgische Innenministerium fordert immer wieder ein entschlossenes Vorgehen gegen Migranten an der belgischen Küste. Es will verhindern, dass in Zeebrügge Camps wie in Calais entstehen.

Direktverbindung nach NRW

Zeebrügge ist der größte europäische Warenumschlagplatz nach Großbritannien. Sämtliche Autoexporte laufen über den Hafen, auch sämtliche Exporte aus NRW. Der Duisburger Hafen und der Hafen von Zeebrügge arbeiten eng zusammen und sind per Schiene durch eine sogenannte Hinterlandverbindung für den internationalen Frachtverkehr miteinander verbunden.

Die Nachbarstadt Gent gilt als ein Zentrum der Menschenschmuggler in Belgien. Im vergangenen Monat nahm die Polizei dort eine 15-köpfige Bande von Menschenhändlern fest. Die Schleuser kassieren nach Recherchen des britischen Senders ITV bis zu 8000 Euro pro Flüchtling, um sie als Kellner getarnt an Bord der Fähren zu bringen.

Zeebrügge: Belgiens Zentrum des Menschenhandels
Ralph Sina, ARD Brüssel
24.10.2019 09:12 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 24. Oktober 2019 um 09:18 Uhr.

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