Zwei junge Frauen haben sich in einem Ladeneingang im nordwestenglischen Manchester untergestellt - nur eine von ihnen trägt eine Maske. | Bildquelle: AFP

Nach Schottland England führt Maskenpflicht in Läden ein

Stand: 14.07.2020 06:54 Uhr

Nach langem Zögern gilt nun für England eine Maskenpflicht in Geschäften - allerdings erst in knapp zwei Wochen. Der britische Landesteil ist europaweit am schwersten von der Pandemie betroffen.

Nach langem Zögern führt auch England in der Corona-Pandemie eine Maskenpflicht in Läden ein. Die Maßnahme soll am 24. Juli in Kraft treten, wie die Nachrichtenagentur PA berichtete. Wer sich nicht an die neue Regel hält, muss demnach mit einer Geldstrafe von bis zu 100 Pfund (etwa 110 Euro) rechnen. Auch Premierminister Boris Johnson betonte, dass sich die Bürger an die neue Vorgabe halten sollten.

Im Vereinigten Königreich entscheiden die einzelnen Landesteile selbst über ihre Schutzmaßnahmen zur Eindämmung in der Corona-Pandemie. Vor mehr als einer Woche hatte bereits die schottische Premierministerin Nicola Sturgeon eine Tragepflicht für Mund-Nasen-Schutzmasken in Geschäften eingeführt, die am Freitag in Kraft trat.

Kabinettsminister Michael Gove hatte am Wochenende bei einem Fernsehauftritt bekundet, dass das Tragen von Mund- und Nasenschutz freiwillig sein sollte. Er traue den Bürger zu, da "gesunden Menschenverstand" walten zu lassen - nun soll die Entscheidung nach Einschätzung des "Guardian" mit Tempo gefallen sein.

Bislang Empfehlung, keine Verpflichtung in Läden

Bislang muss in England ein Mund-Nasen-Schutz nur in öffentlichen Verkehrsmitteln getragen werden. In Geschäften wird er von der Regierung lediglich empfohlen.

"Es gibt immer mehr Beweise dafür, dass das Tragen einer Maske in geschlossenen Räumen dazu beiträgt, Menschen und ihre Umgebung vor dem Coronavirus zu schützen", sagte ein Regierungssprecher.

Lange Zeit hatte sich die Regierung in London gegen eine Ausweitung der Pflicht auf Läden und andere geschlossene Räume gesträubt. Befürchtet wurde zunächst, es könne zu einer hohen Nachfrage nach der in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen knappen Schutzausrüstung kommen. Außerdem wurde gewarnt, Masken könnten durch häufiges Berühren oder ein überhöhtes Gefühl der Sicherheit sogar kontraproduktiv sein.

Großbritanniens Premier Boris Johnson trägt im Gespräch mit Mitarbeitern des London Ambulance Service einen Mund-Nasen-Schutz. | Bildquelle: AP
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Auch Großbritanniens Premier Boris Johnson trägt inzwischen Mund-Nasen-Schutz - hier im Gespräch mit Mitarbeitern des London Ambulance Service.

Mehr als 292.000 Infizierte - meist in England

In Großbritannien sind bislang nach Zahlen der Johns-Hopkins-Universität fast 292.000 Coronavirus-Ansteckungsfälle registriert worden. Mehr als 46.500 Menschen, bei denen eine Infektion nachgewiesen wurde, starben. Allein 250.000 Infektionen und 40.245 Tote entfallen demnach auf den Landesteil England und die Hauptstadt London.

Kritiker werfen der britischen Regierung um Premier Johnson vor, zu spät und falsch auf die Pandemie reagiert zu haben. Erst nachdem Johnson selbst an Covid-19 erkrankt war, habe er begonnen, die Gefahr durch das Coronavirus ernster zu nehmen. Auch bei der Einführung der Maskenpflicht als Schutzmaßnahme ist London Monate später dran als andere betroffene Staaten.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. Juli 2020 um 09:00 Uhr.

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