Costa de la Calma auf Mallorca | Bildquelle: dpa

Nach Airbnb-Verbot Ferienwohnungen sind Mangelware in Palma

Stand: 15.06.2018 21:41 Uhr

Palma de Mallorca verbietet Wohnungsbesitzern, ihre Zimmer an Urlauber zu vermieten. Touristen können damit nur noch in Hotels in Palma unterkommen. Das ARD-Studio Madrid hat getestet, wie streng die Regeln eingehalten werden.

Von Oliver Neuroth, ARD-Studio Madrid

Es ist weiterhin keine große Kunst, eine Ferienwohnung in Palma de Mallorca zu finden: Einfach die Website eines Vermittlungsportals öffnen, die entsprechenden Suchbegriffe eingeben und schon erscheinen zig Treffer. Die Tester entscheiden sich für eine Wohnung gleich im Zentrum von Palma: Altbau, drei Zimmer, 170 Euro pro Nacht.

Alles läuft anonym ab, eine persönliche Schlüsselübergabe gibt es nicht. Stattdessen kommt per Mail eine Codenummer für die automatische Türschlossanlage. Eintippen und rein geht's in die verbotene Ferienwohnung.

Toni Sancho von der Tourismusbehörde der Balearen schüttelt den Kopf, als er mit dieser Erfahrung konfrontiert wird. Sein Team soll Verstöße gegen die Regeln aufspüren. Sancho sagt: "Mit dieser Information werden wir nun aktiv. Zu allererst natürlich gegen die Plattform. Denn eine Touristenwohnung mitten in der Stadt kann nicht legal sein."

Inspektoren suchen im Internet

Die Mannschaft von Sancho ist nicht besonders groß: Die Stadt Palma beschäftigt gerade einmal 15 Inspektoren, die gegen illegale Wohnungsvermietungen ermitteln. "Natürlich hat man nie ausreichend Personal. Unser Etat setzt uns da Grenzen. Ebenso wie die staatliche Gesetzgebung. Allerdings müssen unsere Inspektoren nicht mehr von Haus zu Haus zu gehen - sie suchen im Internet", sagt Sancho.

Ihr Ergebnis bisher: Das Angebot auf Airbnb und Co in Palma hat sich seit dem Verbot der Ferienvermietungen um etwa die Hälfte reduziert. Warum es nicht komplett verschwunden ist, sagt Marktführer Airbnb nicht. Die Firma lehnt ein Interview ab und teilt nur schriftlich mit: "Das Vermietungsverbot ist ungerecht und trifft vor allem das Einkommen lokaler Familien."

Begrenzung statt Verbot

Dem schließt sich die Vereinigung der lokalen Wohneigentümer an. Sie hätte es besser gefunden, wenn die Stadt die Vermietung von Ferienwohnungen nicht gleich verboten, sondern erst einmal begrenzt hätte - zum Beispiel auf 30 Tage im Jahr, wie es in London der Fall ist, sagt Maria Gibert von der Vereinigung:

"Man kann doch nicht etwas verbieten, das für Familien zusätzliches Einkommen bedeutete und deshalb nach der Krise besonders wichtig war. Es hat viele davor bewahrt, ihr Eigentum verkaufen zu müssen."

Zu wenige klassische Mietwohnungen

Solche Argumente zählen für die Stadt Palma nicht. Bürgermeister Antoni Noguera verteidigt die harten Regeln und sagt: Wegen der Ferienvermietung gebe es zu wenige klassische Mietwohnungen. Und die Preise dafür seien in den vergangenen fünf Jahren um 40 Prozent gestiegen: "Als Bürgermeister muss ich verhindern, dass die Einheimischen wegen der hohen Mietpreise nicht mehr in der Stadt leben können. Deshalb ist diese Entscheidung gefallen. Und ich fordere alle Bürger auf, sich daran zu halten."

Das Verbot von Ferienwohnungen gilt in Palma seit dem vergangenen Sommer; es war als Versuchsprojekt für ein Jahr gestartet worden. Für die Stadt ist inzwischen klar, dass das Ganze in den Regelbetrieb übergehen soll: Ab August verbietet ein Gesetz die Ferienvermietung - und zwar unbefristet. Wer sich als Vermieter nicht daran hält, soll Strafen zahlen, die schnell in die Tausende gehen.

Der Test ist am Sonntag im Europamagazin um 12.45 Uhr in der ARD zu sehen.

Airbnb-Verbot in Palma de Mallorca: Bekommt man wirklich keine Wohnung mehr?
Oliver Neuroth, ARD Madrid
15.06.2018 22:02 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 16. Juni 2018 um 06:41 Uhr.

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